
Rain
RAIN-RAIN#48
Was ist Rain?
Rain ist ein dezentralisiertes, erlaubnisfreies Options- und Prognosemarkt‑Protokoll auf Arbitrum, das es jedem Nutzer ermöglicht, benutzerdefinierte Märkte zu erstellen und Outcome‑Token zu handeln. Die Marktabwicklung wird entweder von einem KI‑Oracle (öffentliche Märkte) oder vom Marktersteller (private Märkte) übernommen.
Das Kernproblem, auf das Rain abzielt, ist der „Listing‑Engpass“ und die jurisdiktionelle Reibung traditioneller Prognosemärkte und zentralisierter Optionsplattformen: Die Markterstellung ist in der Regel durch Compliance, Gegenparteien und Plattformregeln eingeschränkt. Rains Burggraben ist seine erlaubnisfreie „Market Factory“ in Kombination mit einem expliziten Abwicklungsrahmen (KI‑basierte Abwicklung für öffentliche Märkte plus Ersteller‑Abwicklung für private Märkte), wodurch sich die Time‑to‑Market für neue Instrumente verringert, während die Abwicklungsregeln on‑chain und standardisiert bleiben.
In der Skalierung erscheint Rain Anfang 2026 als Large‑Cap‑Token nach zirkulierender Marktkapitalisierung (mit weithin zitierten Marktkapitalisierungs‑Werten im niedrigen einstelligen Milliarden‑USD‑Bereich), trotz vergleichsweise geringer TVL im Verhältnis zur Bewertung – ein Missverhältnis, das für institutionelle Due Diligence relevant ist.
Wer hat Rain gegründet und wann?
Der öffentliche Start des Tokens und des Protokolls von Rain wird weithin auf 2025 datiert, also nach dem Krypto‑Deleveraging 2022–2023 und während des anschließenden Erholungszyklus, in dem On‑Chain‑„Event‑Märkte“ und höher‑beta DeFi‑Primitiven wieder aufkamen.
Öffentliche Materialien beschreiben Rain als von einem Token‑Holder‑DAO gesteuert, aber unabhängige Berichte verweisen häufig auf eine begrenzte Transparenz in Bezug auf die wichtigsten Mitwirkenden und die Verteilung der Governance‑Macht (ein bedeutendes institutionelles Warnsignal, insbesondere im Vergleich zu Projekten mit klar identifizierten Stiftungen, Boards oder öffentlicher Führung).
Narrativ positioniert sich Rain weniger als einzelner vertikaler „Prognosemarkt“ und mehr als ein generalisierter, erlaubnisfreier Rahmen für Markterstellung (oft als „Uniswap‑ähnliches“ Primitive für Outcomes/Optionen beschrieben), mit Schwerpunkt auf Composability (Sekundärhandel) und UX‑Glättung (Account Abstraction).
Wie funktioniert das Rain‑Netzwerk?
Rain ist keine eigenständige L1; es ist ein Anwendungsprotokoll, das auf Arbitrum One bereitgestellt ist und das Sicherheitsmodell von Ethereum über Arbitrum’s Optimistic‑Rollup‑Architektur erbt (streitbeilegungsbasierte Fraud‑Proofs, mit Finalität/ökonomischer Sicherheit, die von Ethereum abgeleitet wird). In der Praxis besteht die „Netzwerksicherheit“ von Rain in erster Linie aus Smart‑Contract‑Risiko plus Oracle‑/Abwicklungsrisiko und nicht aus einem Validator‑Set‑Risiko auf der Rain‑Ebene.
Technisch fungiert Rain als Market Factory und Handelssystem für Outcome‑/optionsähnliche Instrumente:
- Erlaubnisfreie Markterstellung: Jede Adresse kann einen Markt mit festgelegten Outcomes, Regeln und Abwicklungsbedingungen instanziieren.
- Öffentliche vs. private Abwicklung: Öffentliche Märkte werden von einem KI‑Oracle‑Agenten abgewickelt („Olympus AI“ wird in Ökosystem‑Beschreibungen genannt), während private Märkte es dem Ersteller ermöglichen, selbst abzuwickeln – was eine Vertrauensannahme einführt, die explizit statt versteckt ist.
- Sekundärhandel: Positionen sind nach der Erstellung handelbar, wodurch das System eher „Outcome‑Token‑Märkten“ als Einmal‑Wettscheinen ähnelt.
- Account Abstraction: Rain vermarktet sich mit einem reibungsloseren Onboarding und Transaktionsabläufen über AA‑ähnliche UX‑Muster; AA auf Arbitrum wird typischerweise mit ERC‑4337 umgesetzt (und jüngst, auf Chain‑Ebene, mit EIP‑7702‑Support in ArbOS‑Upgrades), aber die genauen Implementierungsdetails von Rain sollten als integrationsspezifisch und audit‑abhängig betrachtet werden.
Node‑Struktur: Es gibt kein dediziertes Rain‑Validator‑Set. Die operative Dezentralisierung hängt (i) von Arbitrum‑Sequencer‑/Rollup‑Operationen auf der L2‑Ebene und (ii) von den Off‑Chain‑Agenten/Oracle‑Prozessen ab, die an Abwicklungs‑ und Streitbeilegungs‑Workflows teilnehmen.
Wie sind die Tokenomics von rain-rain?
Supply‑Profil. Drittagenturlistings beschreiben üblicherweise ein maximales Angebot von etwa ~1,14–1,15 Billionen RAIN, mit einem zirkulierenden Angebot, das Anfang 2026 deutlich unter dem Maximum liegt; der Token wird häufig als „deflationär“ bezeichnet, aber diese Bezeichnung hängt davon ab, ob die Burn‑Ströme im Zeitverlauf die Mint‑/Re‑Mint‑Ströme übersteigen.
Gebühren, Burn und (mögliches) Re‑Minting.
- Der zentrale Value‑Accrual‑Anspruch von Rain lautet, dass 2,5 % des Plattform‑Handelsvolumens zum Rückkauf und Burn von RAIN verwendet werden, wodurch die Verringerung des Tokenangebots an die Protokollaktivität gekoppelt wird.
- Mindestens eine Exchange‑Education‑Quelle behauptet zudem einen Mechanismus der „kontrollierten Inflation“, bei dem ein Teil der verbrannten Token (angegeben mit 10 %) für Ökosystementwicklung und verwandte Zwecke neu gemintet werden kann. Falls zutreffend, verwandelt dies das Modell in ein „aktivitätsgekoppeltes Buy/Burn mit einem gegenläufigen Treasury/Emissions‑Loop“, und Investoren sollten die genaue On‑Chain‑Implementierung und Governance‑Kontrollen verifizieren, statt sich auf Zusammenfassungen zu verlassen.
Utility.
- Governance: RAIN wird als Governance‑Token für Parameteränderungen und Upgrades über ein DAO beschrieben.
- Zugang / Plattform‑Gating: Einige Materialien beschreiben einen „Trading Power“‑Mechanismus, bei dem das Halten von RAIN erhöht, wie viel hinterlegte Sicherheiten ein Nutzer in Märkten einsetzen kann (eine Form von Nutzungsgating, die eine marginale Token‑Nachfrage durch aktive Trader erzwingt). Das ist ökonomisch bedeutsam, weil es nicht‑gebührenbasierte Nachfrage schafft, die mit der Nutzeraktivität skaliert.
Value Accrual. In der saubersten Lesart versucht Rain, Marktaktivität → Protokollgebühren → Buyback/Burn → reduzierter Free Float zu konvertieren und zugleich aktivitätsgebundenen Haltebedarf (Trading Power) aufzuerlegen. Die institutionelle Frage ist, ob (a) die Volumina tragfähig und nicht primär an Anreize gebunden sind und (b) die Governance diese Parameter so ändern kann, dass sie die Interessen der Holder schwächt oder stärkt.
Wer nutzt Rain?
On‑Chain‑Nutzungsindikatoren (TVL und Gebühren/Volumenschätzungen) deuten darauf hin, dass Rain verwendet wird, aber das Profil ähnelt eher einem Handelsplatz als einem „sticky“ Capital Sink:
- DefiLlama berichtet von niedrigen einstelligen Millionenbeträgen an TVL bei gleichzeitig nennenswerten Gebühren‑ und Volumenzahlen, was auf Kapitaleffizienz hinweist, aber auch hervorhebt, dass die Bewertung nicht durch große Bestände gebundener Sicherheiten untermauert ist.
- Liquidität und Volumina scheinen zwischen On‑Chain‑Pools und zentralisierten Venues aufgeteilt zu sein; unabhängige Berichte verweisen auf eine Konzentration auf „Zweitlisten‑“Börsen und Arbitrum‑DEX‑Pools – eine Struktur, die Volatilität und Ausführungskosten für größere Tickets verstärken kann.
Sektor‑seitig liegt Rain im Bereich DeFi‑Derivate / Event‑Märkte (Prognosemarkt‑adjazent), wobei der tatsächliche Nutzen von spekulativem Trading und Markterstellung dominiert wird, weniger von Enterprise‑Workflows. Behauptete institutionelle Partnerschaften sollten einem hohen Evidenzstandard unterliegen; Rain wird zwar im Kontext einer SEC‑Filing über Drittparteien‑Unternehmensangaben erwähnt, das ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer regulierten institutionellen Adoption des Protokolls selbst.
Welche Risiken und Herausforderungen gibt es für Rain?
Regulatorisches Exposure (hoch). Erlaubnisfreie Prognose‑/Event‑Märkte und On‑Chain‑Optionen liegen in der Nähe mehrerer regulatorischer Bruchlinien: In den USA können sie die Zuständigkeit der CFTC (Event‑Kontrakte/Derivate) und – je nach Tokendistribution/Marketing – potenzielle Wertpapier‑Theorien berühren. Bis Anfang 2026 gibt es in den hier geprüften Quellen keine weithin zitierte, protokollspezifische US‑Durchsetzungsmaßnahme, aber das Kategorierisiko ist strukturell und sollte in jedem institutionellen Risikomodell unterstellt werden.
Oracle‑ und Abwicklungsrisiko (Kernprotokoll‑Risiko).
- KI‑basierte Abwicklung bringt Modellrisiko, Unklarheit bei Datenquellen und eine größere Angriffsfläche für adversarielle Manipulation mit sich.
- Private Märkte, in denen Ersteller die Abwicklung vornehmen, sind explizit vertrauensbasiert; sie können für geschlossene Communities gut funktionieren, sind aber im institutionellen Sinne nicht „trustless“.
Smart‑Contract‑/Upgrade‑Risiko. Der RAIN‑Token ist hinter einem Proxy auf Arbitrum implementiert, was typischerweise Upgradefähigkeit und damit verbundenes Governance‑/Key‑Management‑Risiko impliziert (sofern nicht durch starke Timelocks und transparente Prozesse begrenzt).
Security Assurance. Rain verfügt über mindestens einen öffentlichen Audit‑Nachweis von Hacken (Token‑Audit‑Scope ist dokumentiert), doch Audits sind keine Garantien; Institutionen sollten den Scope‑Umfang (Token vs. Markt‑Kontrakte), die Historie der Behebungen und die operativen Sicherheitskontrollen (Pauses, Timelocks, Monitoring) bewerten.
Wettbewerbsdruck. Der Bereich der Prognose‑/Event‑Märkte ist dicht besetzt und stark narrativ getrieben. Das von DefiLlama ausgewiesene Wettbewerbsumfeld für Rain umfasst andere Event‑/Prognose‑ und angrenzende Wett‑/Derivate‑Protokolle; Differenzierung dürfte eher aus Distribution, Liquidität und glaubwürdigen Abwicklungs‑Frameworks als aus reiner Technik stammen.
Wie ist der zukünftige Ausblick für Rain?
Die kurzfristige Tragfähigkeit hängt weniger von „Chain‑Upgrades“ ab (da Rain die Execution‑Ebene von Arbitrum erbt) und mehr von Product‑Market‑Fit und Governance‑Disziplin:
- Abwicklungs‑Credibility: Die Skalierung öffentlicher Märkte erfordert einen Abwicklungsprozess, der auch unter adversarialer Aufmerksamkeit robust bleibt, insbesondere bei politisch oder finanziell sensiblen Events.
- Liquiditätstiefe: Rains Bewertung im Verhältnis zur TVL und fragmentierte Liquiditätsvenues deuten darauf hin, dass eine nachhaltige Ausführung im institutionellen Maßstab schwierig sein kann, sofern keine tiefere On‑Chain‑Liquidität oder ein Zugang zu Tier‑1‑Börsen erreicht wird.
- Stabilität der Token‑Policy: Die Buy/Burn‑Erzählung ist geradlinig, aber jedes Re‑Minting oder Treasury‑Recycling bringt Governance‑getriebene Unsicherheit mit sich; Institutionen sollten DAO‑Vorschläge und On‑Chain‑Parameteränderungen als Frühindikatoren für die künftige Ausrichtung gegenüber Holdern beobachten.
- Regulatorische Resilienz: Event‑Märkte und erlaubnisfreie Optionen werden voraussichtlich weiter unter Beobachtung bleiben; Protokolle, die verbotene Märkte glaubwürdig begrenzen, robuste Streitprozesse implementieren und eine transparente Governance aufrechterhalten können, könnten im nächsten Zyklus besser positioniert sein.
Rains strukturelles Hindernis besteht darin, dass seine „permissionless anything“‑These zugleich sein Wachstumsmotor und seine Hauptquelle für Compliance‑/Oracle‑Risiken ist. Die langfristige Relevanz des Protokolls wird davon abhängen, ob es die Marktbreite skalieren kann, ohne die Integrität der Abwicklung zu gefährden. und die Legitimität der Governance unter Stress glaubwürdig.
