
VeChain
VET#87
Was ist VeChain?
VeChain ist eine öffentliche, unternehmensorientierte Layer‑1‑Blockchain, die darauf ausgelegt ist, reale Daten und Geschäftsprozesse on‑chain prüfbar zu machen, mit einem klaren Fokus auf Lieferketten‑Herkunftsnachweise und Nachhaltigkeits‑Anwendungen. Sie nutzt ein Dual‑Token‑Design, das die Transaktionskosten operativ vorhersehbar halten und gleichzeitig von der Preisschwankung des Wert‑Tokens des Netzwerks isolieren soll.
Ihr primärer Wettbewerbsvorteil liegt weniger darin, maximale permissionless Composability zu erreichen (wo Ethereum‑L2s und High‑Throughput‑L1s dominieren), sondern eher darin, ein Governance‑ und Validator‑Modell anzubieten, das Unternehmen operativ unterzeichnen können, kombiniert mit einem Kostenmodell, das ausdrücklich für einen „Steady‑State‑Betrieb“ ausgelegt ist – wie in VeChains eigener Dokumentation zum dual-token economic model und zur Rolle von VeThor (VTHO) beschrieben.
In marktstruktureller Hinsicht nimmt VeChain eher eine hybride Nische ein: Es ist zwar eine allgemeine Smart‑Contract‑Chain, aber Marke und Go‑to‑Market waren historisch stärker auf Enterprise‑ und Nachhaltigkeits‑Narrative ausgerichtet als auf DeFi‑first‑Wachstumsschleifen.
Stand Anfang 2026 lag die Marktkapitalisierung im unteren Bereich der Large‑Cap‑Altcoins (zum Beispiel listete CoinMarketCap VET je nach Tag etwa im Bereich Rang ~70–80). Das ist groß genug, um auf großen Handelsplätzen liquide zu sein, aber klein genug, dass Nutzungsmetriken und Ökosystem‑Traktion stärker ins Gewicht fallen als reine makroökonomische Beta‑Faktoren.
Wer hat VeChain wann gegründet?
VeChain wurde 2015 gegründet, wobei Sunny Lu allgemein als Schlüsselfounder und frühe, öffentlich präsente Führungsperson genannt wird. Das Projekt entstand in einer Phase, in der „Private/Consortium‑Chain“‑Narrative und Blockchain‑Pilotprojekte in der Lieferkette institutionell gefragter waren als die heutige, Rollup‑zentrierte Landschaft.
Dieser frühe Kontext ist wichtig, weil er VeChains Governance‑Haltung geprägt hat: Anstatt von Tag eins an auf anonyme Validator‑Sets zu optimieren, startete VeChainThor mit einem identitätsgebundenen Validator‑Ansatz, der das operative Risiko für Unternehmenskunden reduzieren sollte, später formalisiert im Proof‑of‑Authority‑Design des Netzwerks und seinen Anforderungen an Authority Masternodes.
Im Laufe der Zeit hat sich VeChains Narrativ von Fälschungsschutz und Lieferketten‑Rückverfolgbarkeit hin zu einem breiteren Rahmen von „Nachhaltigkeit und Anreizdesign“ entwickelt – am sichtbarsten durch VeBetterDAO‑/X‑to‑earn‑artige Anwendungen und den Versuch, reale Handlungen mit Token‑Emissionen zu verknüpfen.
Das ist kein vollständiger Bruch mit dem Enterprise‑Fokus; es ist eher das Eingeständnis, dass rein unternehmensgetriebene Deployments langsam sein können und dass Netzwerkeffekte öffentlicher Chains zunehmend aus Developer‑Ergonomie, Consumer‑Apps und token‑nativen Anreizen entstehen. Die „Renaissance“-Roadmap ist am besten als Modernisierungsprogramm zu lesen, das Lücken zu Ethereums Tooling‑ und Fee‑Market‑Standards schließen und gleichzeitig stärkere Beteiligungsanreize in VeChains historisch passive Holder‑Dynamik einbauen soll.
Wie funktioniert das VeChain‑Netzwerk?
VeChainThor ist ein Layer‑1‑Smart‑Contract‑Netzwerk, das (historisch) einen Proof‑of‑Authority‑(PoA‑)Konsens mit festem Validator‑Set nutzte, bei dem Blöcke von einer begrenzten Anzahl bekannter Validatoren produziert werden statt von einer offenen Menge anonymer Miner.
In der Dokumentation von VeChain wird beschrieben, dass PoA von 101 Authority Masternodes betrieben wird, die einer Offenlegung der Identität und einem KYC‑Prozess mit der Foundation unterzogen werden. Ziel ist, dass Reputations‑ und Rechtsverantwortung die rein ökonomischen Sicherheitsmodelle von PoW/PoS‑Systemen teilweise ersetzt.
Die jüngere Architekturentwicklung zielt darauf ab, eine stärker Ethereum‑kompatible Developer‑Oberfläche und ein expliziteres Fee‑Market‑/Burn‑Modell zu etablieren. VeChains „Renaissance“-Programm wird als stufenweises Upgrade‑Set beschrieben – Galactica, Hayabusa und Interstellar – das EVM‑Upgrades (z. B. Paris→Shanghai und später Shanghai→Cancun), dynamische Gebührenmechaniken nach dem Vorbild von EIP‑1559 sowie ein Staking‑Redesign umfasst. Letzteres verwendet übertragbare Staking‑NFTs als Repräsentation des gebundenen VET‑Stakes, der an Validatoren delegiert und in der Governance genutzt werden kann.
Wie sehen die Tokenomics von VET aus?
VET ist das Wert‑ und Koordinations‑Asset des Netzwerks und hat laut VeChains Dokumentation ein fixes Total Supply von 86,7 Mrd. Tokens (d. h. „es werden nie neue VET erzeugt“), was es auf Basisebene nicht‑inflationär macht; die wirtschaftlich relevantere „variable Angebotskomponente“ liegt bei VTHO, dem Gas‑Token.
Diese Trennung ist die zentrale Designentscheidung: VET soll gehalten und gestakt werden, um an Netzwerk und Rechten teilzunehmen, während VTHO für Ausführung verbraucht wird und über Policy‑ und Fee‑Market‑Mechanismen feinjustiert werden kann.
VTHO ist strukturell eher ein adaptiver „Resource‑Token“, dessen Emission und Burn die Netzwerknachfrage widerspiegeln sollen. VeChains Dokumentation beschreibt einen dynamischen Gebührenmechanismus (VIP‑251), der Ethereums EIP‑1559 ähnelt: eine vom Protokoll festgelegte Basisgebühr, die verbrannt wird, sowie eine Prioritätsgebühr für den Blockproduzenten. Wichtig ist zudem, dass VeChain einen Post‑Upgrade‑Shift bei der VTHO‑Generierung beschreibt: weg vom passiven „VET halten, VTHO minten“ hin zu einem Modell, bei dem die VTHO‑Erzeugung eine Funktion des gesamten gelockten/gestakten VET ist. So sollen Rewards auf aktive Sicherheitsbeteiligung statt auf bloße Passivhaltung konzentriert werden.
Wer nutzt VeChain?
Eine anhaltende analytische Herausforderung für VeChain (und die meisten L1‑Chains mit „Enterprise‑Narrativ“) besteht darin, Markenpartnerschaften und Off‑Chain‑Proofs‑of‑Concept von messbarer On‑Chain‑Aktivität zu trennen.
Im DeFi‑Kontext hatte VeChain historisch eine eher kleine Präsenz im Vergleich zu anderen General‑Purpose‑L1s; Drittanbieter‑Dashboards wie DefiLlama zeigen VeChain‑native Protokolle mit relativ moderatem TVL (zum Beispiel das Governance‑Incentive‑Protokoll veDelegate mit TVL im niedrigen einstelligen Millionen‑USD‑Bereich und deutlich kleineren VeChain‑DEX‑Deployments).
Für Investor:innen bedeutet das, dass sich VeChains „Nutzung“ weniger als Kapital, das in DeFi eingeschlossen ist, ausdrückt, sondern eher als Transaktionsdurchsatz, App‑Aktivität und emissionsgebundene Teilnahme an seinem Sustainability‑App‑Stack.
Auf institutioneller/unternehmerischer Seite verweist VeChain immer wieder auf Partnerschaften und Integrationen mit bekannten Marken und Organisationen (das Projekt und Drittquellen nennen häufig Beziehungen im Retail‑ und Assurance/Consulting‑Umfeld, und VeChains eigenes Wording betont Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit).
Der zentrale Due‑Diligence‑Punkt lautet, dass „Partnerschaft“ nicht gleichbedeutend ist mit „materieller On‑Chain‑Nachfrage“; entscheidend ist, ob diese Beziehungen wiederkehrende Transaktionsklauseln und Fee‑Burn erzeugen und ob sie über Pilotphasen hinaus Bestand haben.
VeChains potenzielle Differenzierung liegt darin, dass ein identitätsgebundenes Validator‑ und Governance‑Modell aufgebaut wurde, das sich für Corporate‑Risk‑Teams leichter erklären lässt als anonyme Validator‑Sets – allerdings zum Preis von Abstrichen bei der Dezentralisierung.
Welche Risiken und Herausforderungen gibt es für VeChain?
Das regulatorische Risiko für VET besteht weniger in bekannten, aktiven, protokollspezifischen Durchsetzungsmaßnahmen (solche sind in Primärquellen bis Anfang 2026 nicht auffällig dokumentiert), sondern eher in der allgemeinen Unsicherheit rund um Token‑Klassifizierung, Listing‑Standards von Börsen und aufsichtsrechtliche Pflichten in verschiedenen Jurisdiktionen, die sich schnell ändern können – insbesondere für Tokens mit Stiftungen und strukturierter Governance.
In den USA entwickelt sich die Marktinfrastruktur rund um ETFs weiter (einschließlich SEC‑Entscheidungen zu Listing‑Standards für rohstoffbasierte Krypto‑ETPs), doch darf das nicht mit einer spezifischen ETF‑Zulassung oder regulatorischen „Absegnung“ von VET selbst verwechselt werden; ohne regulierten US‑Futures‑Markt und das dazugehörige Überwachungsframework bleibt eine VET‑Spot‑ETF‑These spekulativ.
Die unmittelbareren, protokollbezogenen Risiken liegen in Zentralisierungsvektoren und der Legitimität der Governance. VeChains eigene Konsens‑Dokumentation macht deutlich, dass das Validator‑Set begrenzt ist (101 Authority Masternodes) und über durch die Foundation vermittelte Prozesse identitätsgebunden ausgewählt wird. Das kann bestimmte Angriffsflächen reduzieren, erhöht aber die Abhängigkeit von institutioneller Governance und wirft im Vergleich zu permissionless PoS‑Systemen Fragen zu Liveness und Zensurresistenz auf.
Selbst mit einer Roadmap in Richtung dPoS und Staking‑NFTs bleibt die praktische Frage, ob Delegation die Machtverteilung tatsächlich verbreitert oder sie nur über eine kleine Validator‑Kohorte plus konzentrierten Stake intermediär bündelt.
Wie ist der zukünftige Ausblick für VeChain?
Der glaubwürdigste Treiber mit Blick nach vorn ist die „Renaissance“-Roadmap selbst, weil sie konkret und bereits teilweise spezifiziert ist: stufenweise EVM‑Upgrades, eine Annäherung an Ethereum‑Standard‑Schnittstellen für Entwickler:innen (einschließlich JSON‑RPC in späteren Phasen) sowie das Redesign von Staking und Tokenomics (Staking‑NFTs, Delegation und ein EIP‑1559‑ähnlicher Fee‑/Burn‑Split).
Wenn diese Änderungen sauber umgesetzt werden, adressieren sie langjährige Reibungspunkte – Tooling‑Kompatibilität, Anreiz‑Alignment und passive Tokenholder‑Dynamiken – und können die Abhängigkeit vom reinen Enterprise‑Segment reduzieren, indem die Chain für Mainstream‑EVM‑Developer leichter integrierbar wird.
Die strukturelle Hürde besteht darin, dass VeChain in einem Markt konkurriert, in dem „EVM‑Kompatibilität“ kein Differenzierungsmerkmal mehr ist, sondern Grundvoraussetzung; knapp sind hingegen Liquidität, Entwickler‑Mindshare und wahrgenommene Sicherheit.
Der Nachhaltigkeits‑/App‑Layer‑Ansatz (einschließlich des VeBetterDAO‑Emissionsdesigns) kann eigene interne Aktivitätsschleifen erzeugen, muss jedoch das typische Scheitern vieler Anreizsysteme vermeiden: dass Emissionen nur vorübergehende Teilnahme treiben, ohne dauerhafte Nachfrage nach Blockspace oder Gebühren zu schaffen. Hinsichtlich der langfristigen Tragfähigkeit ist die zentrale Frage für VeChain, ob es gelingt, die Governance‑Haltung und die Enterprise‑Marke in wiederholbare, messbare On‑Chain‑Nutzung zu übersetzen und gleichzeitig das Vertrauen eines breiteren, öffentlichen Krypto‑Publikums zu gewinnen. market that its validator/delegation design provides sufficient decentralization and censorship resistance for a public settlement layer.
