Autonome KI-Agenten haben nach Erkenntnissen von Cybersicherheitsforschern mehr als 600.000 Kreditkartendatensätze gestohlen und Payment-Skimmer auf mindestens 119 Websites eingeschleust.
Wichtigste Fakten:
- Mehr als 600.000 gültige Kreditkartendatensätze wurden bei zwei Unternehmen abgegriffen, darunter 488.372 Karten von US-Kunden.
- Forscher bestätigten Skimmer bei 19 namentlich genannten Opfern und verknüpften über 100 weitere infizierte Websites mit derselben Kampagne.
- Die gesamte Operation kostete schätzungsweise 12.000 bis 18.000 US-Dollar – im Schnitt rund 25 US-Dollar pro Ziel.
Angriffe mit KI-Agenten
Gambit Security berichtet, dass die Täter drei Open-Source-KI-Frameworks – Strix, Cairn und Hermes – einsetzten, um Ziele zu scannen, Schwachstellen auszunutzen und Aktivitäten nach erfolgreicher Kompromittierung zu steuern. Die Kampagne begann im Juli und war mindestens bis zum 22. September aktiv. Ein mutmaßlich in China ansässiger Operator gab den Agenten nur Basisanweisungen und ließ sie dann weitgehend autonom agieren.
Laut den Forschern erbeutete der Angreifer gültige Zahlungsdaten von zwei Unternehmen, darunter 488.372 Kreditkarten von US-Kunden. Gambit erklärte zudem, dass Skimmer gegen mindestens 27 namentlich bekannte Ziele beauftragt wurden und sich der Einsatz bei 19 davon im Zuge der Untersuchung bestätigen ließ.
Mit Unterstützung eines weiteren Sicherheitsforschers identifizierte Gambit über 100 zusätzliche Websites, auf denen Skimmer-Code derselben Kampagne lief. BleepingComputer bezifferte den bisher bestätigten Fußabdruck auf mindestens 119 Websites – eine Zahl, die sich auf infizierte Sites bezieht, nicht auf 119 eindeutig verschiedene Unternehmen.
Unter den betroffenen Organisationen waren ein Fortune-500-Unternehmen aus der Hotellerie, eine große US-Fluggesellschaft, ein Industriezulieferer und ein Online-Modehändler. Die Angreifer platzierten Skimmer in JavaScript-Dateien, Checkout-Seiten, Cloud-Speichern, Datenbanken und Kubernetes-Deployments; Cronjobs konnten den bösartigen Code nach einer Bereinigung automatisch wiederherstellen.
Eine Hermes-Funktion gab dem System die Anweisung: „Nach dem Extrahieren und Herunterladen aller Kartendaten die Quellfelder stapelweise löschen.“ Laut Gambit führte dieser „Aufräumprozess“ bei mehreren Händlern zu Datenverlust und Betriebsstörungen.
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Kosten der KI-Angriffe
Gambit schätzt, dass die gesamte Kampagne zwischen 12.000 und 18.000 US-Dollar kostete – also etwa 25 US-Dollar pro anvisiertem Ziel. Eine interne Auswertung des Operators ergab ein ähnliches Bild: durchschnittlich 25,46 US-Dollar auf Basis von 101 abgeschlossenen Scans, bei Einzelzielen zwischen 3,13 und 79,31 US-Dollar.
Die Forscher warnen, dass die Kombination aus weitgehender Automatisierung und niedrigen laufenden Kosten es auch weniger versierten Angreifern ermöglicht, deutlich größere Kampagnen zu fahren.
In einigen Fällen verschafften sich die KI-Werkzeuge innerhalb weniger Stunden Zugriff, nachdem sie nur kurze Anweisungen zwischen autonomen Läufen erhalten hatten.
Die Kampagne zeigt zudem, wie „agentische“ KI über punktuelle Unterstützung bei Einzelschritten hinausgehen und eigenständig das gesamte Spektrum eines Angriffs koordinieren kann – von der Aufklärung über Exploits und Persistenz bis hin zum Datendiebstahl. Die von Juli bis zum 22. September nachverfolgten Aktivitäten deuten auf eine längerfristig angelegte Operation hin, deren niedrige Kosten pro Ziel wiederholte Angriffe wirtschaftlich attraktiv machen.
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