Anthropic berichtet, dass Claude in Cyberkampagnen gegen mehr als 20 Organisationen sowie beim Aufbau eines Überwachungssystems in Mali eingesetzt wurde, das rund 25 Millionen SIM-Karten erfasst.
Zentrale Punkte:
- Laut Anthropic nutzte ein russischsprachiger Akteur Claude-gestützte Workflows für Spionageoperationen gegen mehr als 20 Organisationen.
- Chinesischsprachige Akteure setzten Claude für automatisierte Schwachstellenforschung ein und identifizierten binnen eines Monats über ein Dutzend potenzieller Zero-Days.
- Ein Berater in Mali nutzte Claude, um ein Überwachungssystem für rund 25 Millionen SIM-Karten zu konstruieren.
Cyberangriffe mit Claude
In seinem Threat-Intelligence-Bericht für September schreibt Anthropic, ein russischsprachiger Operator mit dem Alias „JackPoterz“ habe maßgeschneiderte KI-Workflows genutzt, um einen Großteil einer Spionagekampagne zu automatisieren. Die Kampagne fokussierte sich auf die Ukraine und Europa.
Der Akteur nahm Ministerien, Verteidigungs- und Nachrichtendienste, Botschaften, diplomatische Vertretungen, Thinktanks und Rüstungsunternehmen ins Visier und griff zugleich Ziele in weiteren Regionen an. Claude unterstützte entlang der gesamten Angriffskette.
Anthropic identifizierte außerdem chinesischsprachige Gruppen, die Claude als technische Schaltzentrale und Orchestrierungsebene für offensive Cyberaktivitäten nutzten – einschließlich Schwachstellenanalysen gegen Sicherheitsprodukte und Netzwerkausrüstung.
Ein dauerhaft laufender Workflow generierte in nur einem Monat mehr als ein Dutzend potenzieller Zero-Day-Schwachstellen; parallele Systeme übernahmen Aufklärung, Malware-Entwicklung und nachrichtendienstliche Datensammlung.
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Anthropic warnt vor KI-Risiken
Das Unternehmen betont, die Fälle zeigten, wie KI den Personal- und Fachaufwand für komplexe Angriffe drastisch senken könne. Einzelpersonen oder kleine Zellen seien damit in der Lage, Operationen zu fahren, für die früher große Teams nötig waren. Einige Einbrüche dauerten nur zwei bis drei Stunden.
Ein zweiter Fall dreht sich um Massenüberwachung in Mali: Nach Angaben von Anthropic nutzte ein vermutlich in Bamako ansässiger, unabhängiger Berater, der mit dem malischen Geheimdienst ANSE zusammenarbeitete, Claude als zentrale „Engineering-Belegschaft“ für das Projekt „Lakana 360“, das rund 25 Millionen SIM-Karten überwachte.
Die Plattform lief auf lokaler Infrastruktur und lokalen Modellen. Claude lieferte Architektur- und Entwicklungshilfen für ein System, das laut Anthropic Verbindungsdaten, SMS und Sprachverkehr erfassen und automatisch Dossiers erstellen konnte – ohne dass Nutzer eine richterliche Anordnung vorlegen mussten.
Anthropic sperrte das entsprechende Konto und implementierte zusätzliche Erkennungsmechanismen, um ähnlichen Missbrauch zu erschweren. Das bereits lokal ausgerollte Überwachungssystem wurde dadurch jedoch nicht außer Betrieb gesetzt. Der September-Bericht knüpft an frühere Threat-Intelligence-Veröffentlichungen aus März, August und November 2025 an, die einen Wandel von Chatbot-Unterstützung hin zu weitgehend automatisierten Cyberoperationen dokumentieren.
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