Anthropic schickt Junior-Mitarbeiter zur EU-Anhörung – Abgeordnete reagieren empört

Anthropic schickt Junior-Mitarbeiter zur EU-Anhörung – Abgeordnete reagieren empört

Anthropic hat sich am Dienstag massiven Unmut im Europäischen Parlament zugezogen: Statt einer ranghohen Politikvertreterin schickte das Unternehmen einen relativ neuen technischen Mitarbeiter, um Fragen zu seinen cyberfähigen KI-Modellen zu beantworten.

Wichtigste Punkte:

  • Anthropic entsandte den seit April an Bord befindlichen Technik-Mitarbeiter Donny Greenberg per Videoschalte, nicht Politikchefin Sarah Heck.
  • Abgeordnete kritisierten, damit würden zentrale Fragen zu den Modellen Mythos und Fable bewusst umgangen.
  • Es war die erste Anhörung in Brüssel zu fortgeschrittenen KI-Risiken seit Anthropic den Zugriff auf Mythos im April eingeschränkt hat.

Anthropic umgeht Wunsch des Parlaments

Das Europäische Parlament hatte ausdrücklich Anthrophics Leiterin für Public Policy, Sarah Heck, angefordert. Stattdessen setzte das Unternehmen auf Donny Greenberg, einen im April übernommenen Techniker, der per Videoschalte aus New York zugeschaltet wurde. Greenberg kam zu Anthropic, als der Konzern sein Startup Runhouse kaufte. Seither arbeitet er an Glasswing, einer Initiative, die den Zugang zu den Modellen sorgfältig ausgewählten Cyberabwehr-Spezialisten eröffnet. Der Personalwechsel, der am 14. Juli bekannt wurde, ließ zahlreiche politisch-strategische Fragen unbeantwortet.

„Ich bin eine technische Person, keine Politikexpertin“, sagte Greenberg dem zuständigen Ausschuss.

Die Sitzung war die erste Anhörung dieser Art in Brüssel, seit Anthropic im April beschlossen hatte, Mythos, sein cyberfähiges Modell, ausschließlich einem eng definierten Kreis vertrauenswürdiger US-Unternehmen zur Verfügung zu stellen. EU-Institutionen drängen auf Zugang zu Mythos und Fable, weil beide Modelle in der Lage sind, Schwachstellen in Software aufzuspüren und auszunutzen – eine Fähigkeit, die Regulatoren als potenzielle Bedrohung für kritische Infrastrukturen von Stromnetzen bis Krankenhäuser einstufen. Sie fürchten eine neue, hochdynamische Generation von Cyberangriffen.

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Grüne kritisieren Anthrophics Fernbleiben

Die niederländische Grünen-Abgeordnete Kim van Sparrentak warnte, ein technischer Gast könne die politisch-regulatorischen Fragen kaum beantworten, auf die sich das Unternehmen vorbereiten musste. „Diese Anhörung zeigt klar: Anthropic nimmt Europa nicht ernst“, sagte sie im Anschluss. Ausschussvorsitzende Anna Cavazzini betonte, das Parlament habe explizit eine politische Entscheidungsebene erwartet und kündigte weitere Gespräche an.

Der spanische Konservative Pablo Arias Echeverría fragte Greenberg, ob er eigene Antworten gebe oder von einem KI-System auf seinem Bildschirm ablese. „Das werte ich als Kompliment, denn wir sind sehr stolz auf Claude“, entgegnete Greenberg.

Warum Europa Zugang zu Mythos will

Greenberg argumentierte, der Aufstieg cyberfähiger Modelle mache KI zu einer Dual-Use-Technologie – mit friedlichen wie militärisch oder kriminell nutzbaren Anwendungen. Unternehmen müssten das als Signal verstehen, ihre Cyberabwehr jetzt grundlegend zu stärken.

Er sagte, Anthropic kooperiere mit dem AI Office der EU sowie der Cybersicherheitsbehörde ENISA, die kürzlich im Rahmen des Glasswing-Programms einen beschränkten Zugriff auf Mythos erhalten habe.

Anthropic wies die Kritik zurück und betonte, man habe einen hochrangigen Fachexperten entsandt, der inhaltliche Fragen umfassend und offiziell beantwortet habe.

Das Unternehmen hält seine leistungsfähigsten Modelle seit Monaten bewusst unter strenger Kontrolle und verzichtet bislang auf eine breite öffentliche Freigabe. Hintergrund ist, dass Mythos in Tests gezeigt haben soll, dass es beim Auffinden und Ausnutzen von Softwarelücken fast mit den besten menschlichen Hackern mithalten kann.

Anthropic beschränkte den Zugang im April und sah seine restriktive Linie im Juni bestätigt, als US-Exportkontrollen zeitweise Ausländern den Zugriff auf die Technologie untersagten.

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