Anthropic verhandelt über die Übernahme des israelischen KI-Start-ups Decart für rund 6 Milliarden Dollar – es wäre der bislang größte Zukauf des Unternehmens.
Zentrale Punkte:
- Anthropic führt Gespräche über den Kauf von Decart AI für etwa 6 Milliarden Dollar; die Verhandlungen sind noch früh und können jederzeit scheitern.
- Decart entwickelt Software, die Chips beim Betrieb von KI-Modellen effizienter macht und so die Kosten für Training und Betrieb deutlich senkt.
- Bei einem Abschluss würden die Decart-Beschäftigten in Anthropics Organisationseinheit für Inferenz und Performance aufgehen.
Decart-Deal wäre größte Übernahme in Anthropics Firmengeschichte
Bekannt wurden die Gespräche am Mittwoch, als mit der Materie vertraute Personen den Preis gegenüber Bloomberg auf knapp 6 Milliarden Dollar bezifferten und Decart eher als Infrastruktur-Baustein denn als konkurrierenden Modellanbieter beschrieben.
Vertreter beider Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab. Die Gespräche befinden sich in einem frühen Stadium und könnten jederzeit abgebrochen werden.
Die rund 100 Beschäftigten von Decart würden bei einem Abschluss der Transaktion in Anthropics Organisation für Inferenz und Performance wechseln.
Gegründet wurde das Start-up 2023 von drei israelischen Ingenieuren: Dean Leitersdorf, seinem Bruder Orian Leitersdorf und Moshe Shalev. Zwei von ihnen lernten sich beim Dienst in der Signalsaufklärungseinheit 8200 des israelischen Militärs kennen.
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Chip-Effizienz wird zum strategischen Wettbewerbsvorteil
Decart entwickelt Software, die es unterschiedlichsten Chips ermöglicht, KI-Modelle deutlich effizienter auszuführen. Das senkt die Trainingskosten und erlaubt es, bestehende Hardware für mehr Kunden auszulasten. Zudem baut das Unternehmen sogenannte World Models – darunter „Lucy“, das Live-Video in Echtzeit neu rendert, und „Oasis“, das synthetische Umgebungen für Robotik- und autonomes Fahren erzeugt. Die E‑Commerce-Plattform eBay ist sowohl Investor als auch Kunde von Decart.
Vorstandschef Leitersdorf sagte im Juli vor Publikum in Paris, seine Branche stelle innerhalb eines Zeitfensters von zwei Jahren ganze Wirtschaftssektoren auf den Kopf. „Dieser Markt bewegt sich extrem schnell“, erklärte er auf der Konferenz – und Käufer betrachteten diese Optimierungsleistungen inzwischen eher als strategisches Asset denn als bloße Lieferantenbeziehung.
Die zeitliche Einordnung ist brisant: Anthropic hat Anfang Juni bei der US-Börsenaufsicht SEC im vertraulichen Verfahren einen S‑1-Börsenprospekt eingereicht. In der jüngsten Finanzierungsrunde wurde das Unternehmen mit knapp 965 Milliarden Dollar bewertet. Die Ausgaben für Rechenkapazität sind jene Kennziffer, die potenzielle Aktionäre besonders kritisch prüfen werden. Anthropic hatte vergangene Woche angekündigt, Ingenieure einzustellen, um eigene Chips zu entwickeln und das hauseigene Modell Claude zu beschleunigen.
Decart-Bewertung springt von 500 Mio. auf 4 Mrd. Dollar
Anthropic war nicht der einzige Interessent. Nvidia hatte nach eigenen Angaben fortgeschrittene Gespräche über eine Übernahme geführt, bevor höhere Gebote auf den Plan traten. Auch Amazon, Nebius und SpaceX wurden als potenzielle Käufer gehandelt, bevor Elon Musk die Berichte über SpaceX als falsch zurückwies.
Die Bewertung von Decart ist in einem Tempo gestiegen, das in der israelischen Tech-Szene nur wenige Parallelen kennt. Eine frühe Finanzierungsrunde taxierte das Unternehmen auf rund 500 Millionen Dollar, eine spätere Runde hob den Wert im August 2025 auf 3,1 Milliarden Dollar an. Eine im Mai von Radical Ventures angeführte Finanzierungsrunde über 300 Millionen Dollar brachte Decart nahe an die Marke von 4 Milliarden Dollar. Ein Verkauf für 6 Milliarden Dollar entspräche somit einem Bewertungsplus von rund 50 Prozent binnen drei Monaten.
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