Die Nutzung von KI in der Krypto-Kriminalität ist im vergangenen Jahr um 40 % gestiegen, wie TRM Labs in einem neuen Index berichtet, der den kriminellen KI-Einsatz jetzt mit 54 von 100 Punkten bewertet.
Zentrale Erkenntnisse:
- TRM Labs beziffert die KI-Nutzung in der Krypto-Kriminalität auf 54 von 100 Punkten, nach rund 28 vor zwei Jahren.
- Betrug (Scams) gilt als reifste Kategorie, während Hacking und Ransomware eine Stufe darunter liegen.
- Gemeldete Deepfake-Verluste haben den Gesamtwert für 2025 bereits um 263 % übertroffen.
TRM-Labs-Index misst KI-Einsatz in der Krypto-Kriminalität
Das Blockchain-Analysehaus bewertet den KI-Einsatz in vier Kategorien krimineller Aktivitäten; der kombinierte Wert hat sich seit 2024 in etwa verdoppelt, als der Index noch bei rund 28 lag. Den größten Schub lieferten dabei Betrugsmaschen.
Scams haben nach Einschätzung von TRM Labs inzwischen eine „reife“ Adoptionsphase erreicht: KI-Werkzeuge sind nicht mehr nur am Rand von Betrugsschemata im Testeinsatz, sondern fest in den täglichen Abläufen verankert. Hacking und Ransomware liegen eine Stufe darunter in einer „aufkommenden“ Phase, in der menschliche Operatoren die Software noch weitgehend manuell steuern. Drogenhandel und Darknet-Marktplätze stehen ganz am Anfang – KI kommt dort bislang primär im Marketing zum Einsatz.
Meldungen über Krypto-Betrügereien unter Einsatz von Deepfakes oder KI-Chatbots haben seit 2022 um das bis zu Dreizehnfache zugenommen. Die gemeldeten Verluste durch Deepfakes in diesem Jahr haben bereits den gesamten Wert für 2025 um 263 % übertroffen.
Auch interessant: Binance bietet 300 Mio. Nutzern neue Option, KI-Agenten für sie traden zu lassen
Ari Redbord warnt vor agentenbasierter Ransomware
Ari Redbord, globaler Leiter Politik und Regierungsbeziehungen bei TRM Labs, betont, KI habe keine neuen Verbrechen erfunden, aber die bisherigen Begrenzungen alter Delikte ausgehebelt. Arbeit, für die früher ein ganzes Team nötig war, könne heute eine einzelne Person mit einem Abo-Dienst erledigen.
Laut Bericht setzen die meisten Ransomware-Gruppen KI bereits in der Phishing-Phase und beim Erstzugang ein. No-Code-Ransomware-Kits, die keinerlei Programmierkenntnisse erfordern, werden für 400 bis 1.200 US-Dollar gehandelt. Cloud-Sicherheitsforscher haben am 1. Juli die erste voll agentenbasierte Ransomware-Kampagne dokumentiert: einen Angriff auf einen exponierten Datenbank-Server, den sie unter dem Namen JadePuffer verfolgen. Ein Sprachmodell übernahm Aufklärung, Diebstahl von Zugangsdaten, laterale Bewegung im Netzwerk und Verschlüsselung des Ziels – ohne menschliches Eingreifen.
Führungskräfte auf dem Wyoming Blockchain Symposium in Jackson Hole warnten diese Woche, dass autonome Agenten Angreifern ermöglichen könnten, unzählige kleine Wallets parallel zu attackieren – in einem Umfang, den kein menschliches Team erreichen könnte. Global Settlement Network-Chef Ryan Kirkley sagte, ein einzelner Agent könne inzwischen „alle auf einmal“ ins Visier nehmen.
Nordkorea-Hacks prägen Rekordhalbjahr
Der Index erscheint vor dem Hintergrund einer harten Phase für die Krypto-Sicherheitsbranche insgesamt. TRM hat im ersten Halbjahr 2026 207 Hacks erfasst – der höchste Sechsmonatswert in der TRM-Statistik. Gleichwohl sanken die Verluste auf rund 972 Mio. US-Dollar, nach 2,3 Mrd. US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Akteure mit Verbindungen nach Nordkorea zeichneten für etwa 643 Mio. US-Dollar verantwortlich; fast der gesamte Betrag geht auf zwei Angriffe im April auf die DeFi-Plattformen Drift und KelpDAO zurück.
Mehr dazu: MANTRA verliert 10 % nach Angriffsversuch, der Ein- und Auszahlungen einfriert





