BlackRock-Anlagechef Rick Rieder fährt sein Aktienengagement zurück und favorisiert hochwertige Anleihen mit Kupons von 7 bis 8 Prozent. Diese Renditen stünden inzwischen in direkter Konkurrenz zu den 10 bis 12 Prozent, die er langfristig an den Aktienmärkten erwartet.
Zentrale Punkte:
- Rieder stuft Aktien nur noch mit „B‑minus“ ein und verlagert Teile des Portfolios in Investment-Grade-Anleihen mit Renditen um 7 bis 8 Prozent.
- Ein von ihm gemanagter Fonds wirft 7,2 Prozent ab, trägt ein A‑minus-Rating und konzentriert sich auf Anleihen mit Fälligkeit oder Zinsanpassung binnen drei Jahren.
- Er rechnet mit einer weiteren Zinserhöhung der Federal Reserve und beziffert die Mehrkosten je Prozentpunkt auf 130 bis 150 Milliarden US‑Dollar pro Jahr für den US‑Staat.
Rieders Schwenk zu Anleihen
Rieder, Chief Investment Officer für globale Anleihen bei BlackRock, erklärte gegenüber Yahoo Finance, dass der Renditeanstieg bei US‑Treasuries das Kräfteverhältnis zwischen Aktien und Bonds grundlegend verschoben habe. Er verantwortet rund 2,4 Billionen US‑Dollar und bezeichnete die jüngste Bewegung am Anleihemarkt „nicht als Krise, aber als Weckruf“.
Die Rendite zehnjähriger US‑Staatsanleihen ist in diesem Monat erstmals seit 2007 wieder über die Marke von 5 Prozent gestiegen; Daten von TradingView sahen sie am 26. September bei 5,167 Prozent. Die 30‑jährige Treasury rentierte mit 5,49 Prozent.
Rieder vergibt für Aktien insgesamt ein „B‑minus“, sieht aber weiterhin Chancen bei Halbleiterherstellern und Speicheranbietern mit gut gefüllten Auftragsbüchern. Gleichzeitig mache das höhere realverzinsliche Niveau und ein nachlassender KI‑Schub viele andere Segmente des Aktienmarkts im Vergleich zu qualitativ hochwertigen Zinstiteln weniger attraktiv.
Ein von ihm verwalteter Income‑Fonds bringt es auf 7,2 Prozent Rendite bei einem A‑minus‑Rating und investiert überwiegend in Papiere, die innerhalb von drei Jahren fällig werden oder deren Kupon neu festgesetzt wird. Damit wird die Duration begrenzt und die Zinssensitivität reduziert. Zugleich hat Rieder das Engagement in hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS) zurückgefahren, da steigende Renditen deren Kurse belasten.
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Abweichende Sicht von Tom Lee
Rieder betont, die Federal Reserve solle eigentlich keine weiteren Zinserhöhungen vornehmen – gleichwohl rechnet er nach der Anhebung der Leitzielspanne auf 3,75 bis 4 Prozent am 16. September noch mit einem zusätzlichen Schritt. Jede Erhöhung um 100 Basispunkte koste den US‑Staat „irgendwo zwischen 130 und 150 Milliarden Dollar“ pro Jahr, schätzt er.
Diese Einschätzung ist jedoch nicht Konsens. Fundstrat‑Stratege Tom Lee argumentiert, dass höhere Renditen solide aufgestellte Unternehmen sogar begünstigen könnten. Rieder verweist dagegen darauf, dass ein Startniveau der zehnjährigen Treasury nahe 5 Prozent historisch im Folgejahr im Schnitt zu einer Anleihenrendite von rund 9,5 Prozent geführt habe.
Rieder rät dennoch nicht dazu, massiv in sehr lang laufende Treasuries einzusteigen. Dagegen sprächen die robuste Konjunktur, geopolitische Spannungen und der anhaltend hohe Finanzierungsbedarf des Staates. BlackRocks Echtzeit‑Indikatoren taxieren das US‑Wachstum derzeit auf 6,5 bis 7 Prozent. Besonders aufmerksam verfolgt Rieder die Arbeitsmarktdaten, um mögliche Abschwächungstendenzen früh zu erkennen.
Der aktuelle Strategiewechsel erfolgt vor dem Hintergrund eines kräftigen Zinsanstiegs: Hypothekenzinsen in den USA haben 7,45 Prozent erreicht, Rieder beschreibt den Immobilienmarkt als „eingefroren“. Dass die Rendite der zehnjährigen Treasury wieder über 5 Prozent liegt und die Fed am 16. September erneut angehoben hat, setzt die Märkte einem Zinsdruck aus, den sie in dieser Intensität seit 2007 nicht mehr erlebt haben.
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