OpenAI hat am Donnerstag ein Mac-Plugin veröffentlicht, mit dem ChatGPT Nachrichten in der Nachrichten-App von Apple lesen, durchsuchen und verschicken kann – und zwar über alle drei unterstützten Formate hinweg.
Wichtigste Punkte:
- OpenAIs Apple-Messages-Plugin kann iMessage-, SMS- und RCS-Verläufe auf dem Mac lesen, durchsuchen, verfassen, senden und löschen.
- Die Installation erfordert „Vollzugriff auf die Festplatte“ in den macOS-Systemeinstellungen sowie Zugriff auf Kontakte und Automatisierungsfunktionen.
- Apple hat OpenAI im Juli wegen angeblichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen verklagt; Apples noch unveröffentlichte Siri-KI soll ebenfalls Nachrichten durchsuchen.
ChatGPT-Plugin greift auf iMessage, SMS und RCS zu
OpenAI hat die Integration in Apple Messages für seine macOS-Desktop-App ausgerollt. Nutzer installieren das Plugin selbst über die öffentliche Plug-in-Liste innerhalb von ChatGPT. Das Tool greift auf bereits lokal gespeicherte iMessage-, SMS- und RCS-Threads zu, formuliert auf Wunsch Antworten, fasst lange Unterhaltungen zusammen, löscht Einträge oder hängt Dateien an. Vorgegebene Prompts zielen sogar auf banale Alltagsorganisation.
Ein Beispiel: Geburtstage werden aus älteren Chats herausgezogen und in einen Kalender übertragen, ein anderes Szenario lässt den Kalender prüfen, bevor eine Zusage zu einem Abendessen beantwortet wird. OpenAI bietet das Plugin in allen Abo-Stufen an, es läuft jedoch ausschließlich innerhalb von ChatGPT Work und Codex – nie in einem normalen Chat-Fenster.
Voraussetzung ist ein Mac mit Apple-Silicon-Chip. Das Feature fehlt in der Web-App, in den Smartphone-Apps, in der Kommandozeilen-Version von Codex sowie in der hauseigenen Editor-Erweiterung für Entwickler. Die Einrichtung verlangt in den Systemeinstellungen Vollzugriff auf die Festplatte – eine der weitreichendsten Berechtigungen in macOS – sowie Zugriff auf Kontaktnamen und Automatisierungsschnittstellen.
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Vollzugriff auf Festplatte verschärft Datenschutzdebatte
Nach der Einrichtung steuert das Plugin den Mac über AppleScript und Bedienungshilfen. Ob Apple an Entwicklung oder Prüfung beteiligt war, hat OpenAI bislang nicht offengelegt. Dieser weitgehende Zugriff birgt ein erhöhtes Risiko für sogenannte Prompt-Injection-Angriffe: Der Assistent liest Texte Dritter und könnte – unbemerkt – in Nachrichten versteckten Anweisungen folgen.
Standardmäßig zeigt ChatGPT beim Versenden von Prompts eine Bestätigungsansicht an. Nutzer können diese Kontrolle für einzelne Unterhaltungen deaktivieren – OpenAI rät davon ab, weil damit die letzte Kontrolle entfällt, bevor eine Nachricht im eigenen Namen das Gerät verlässt. Ari Weinstein, Produktverantwortlicher bei OpenAI, betont, dass sich Entwürfe weiterhin vor dem Versand bearbeiten lassen.
Der Konflikt zwischen Apple und OpenAI erreicht Messages
Apple bewirbt den Schutz von Nachrichten seit Jahren als Kaufargument für seine Hardware. Auf Anfrage äußerte sich der Konzern nicht. Die Einführung des Plugins fällt in eine Phase, in der beide Unternehmen vor einem US-Bundesgericht gegeneinander antreten.
Apple hat OpenAI am 10. Juli verklagt und ehemaligen Mitarbeitern vorgeworfen, Hardware-Geheimnisse zum Vorteil des Start-ups mitgenommen zu haben. OpenAI weist den Vorwurf zurück und sieht keine Belege für die Anschuldigungen.
Der iPhone-Hersteller hat den Zugang zu Messages für Drittanbieter in der Vergangenheit bereits eingeschränkt: 2023 wurde die App Beeper Mini blockiert, die iMessage-Nachrichten auf Android-Geräte brachte. Gleichzeitig arbeitet Apple an einer eigenen, noch nicht veröffentlichten Siri-KI, die lokal auf dem Gerät Nachrichten und weitere Inhalte durchforsten soll – ein Vorteil, den der Konzern im Wettbewerb mit anderen Sprachassistenten aggressiv vermarktet.
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