Anthropics neues Modell Claude Fable 5.1 hat in 44 Minuten eine 373 Jahre alte Chiffre gebrochen und damit ein Rätsel gelöst, an dem sich Kryptografen seit 1653 die Zähne ausgebissen hatten.
Zentrale Punkte:
- Ein Kryptogramm von Sir Thomas Urquhart aus dem 17. Jahrhundert, seit 1653 ungelöst, wurde in einem Durchlauf dechiffriert.
- Der verborgene Text ist ein royalistisches Gebet für König Karl II., konstruiert über einen Indextrick in Urquharts eigenem Buch.
- Das Ergebnis stammt aus dem Test einer einzelnen Evaluationsfirma und ist noch nicht unabhängig überprüft worden.
Vals-AI-Test der Urquhart-Chiffre
Die Evaluationsfirma Vals AI ließ das Modell an Sir Thomas Urquharts „Cyphral Distich“ arbeiten, einem Kryptogramm, das in den Schlussseiten der 1653 erschienenen Sprachabhandlung „Logopandecteision“ des schottischen Autors versteckt ist.
Forscher Geby Jaff hat den Durchlauf in einem Blogbeitrag des Unternehmens dokumentiert und berichtet, das Modell habe rund 176.000 Token verarbeitet, ohne auch nur einen einzigen Hinweis von ihm zu erhalten. Der gesamte Puzzle-Eingang bestand aus lediglich zwei Zeilen mit je 32 Zahlen.
Kryptografen beschäftigten sich mehr als ein Jahrhundert lang mit dieser Zahlenfolge. Ein Leser hatte 1899 erstmals in der britischen Fachzeitschrift Notes and Queries um eine Lösung gebeten. Der Historien-Kryptoexperte Klaus Schmeh setzte das Distich später auf Platz 28 einer häufig zitierten Liste der 50 berühmtesten Nachrichten, die niemand lesen konnte.
Frühere Lösungsversuche setzten vor allem auf Häufigkeitsanalysen und klassische Substitutionsverfahren – ohne Erfolg.
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Der Schlüssel zur Urquhart-Chiffre
Der eigentliche Schlüssel war nicht ein externes Alphabet, sondern das Buch selbst. Direkt vor der Chiffre druckte Urquhart 32 nummerierte Wunschformeln, die er „Proquiritations“ nannte. Jede Zahl in der Chiffre verweist schlicht auf ein bestimmtes Wort innerhalb des jeweils zugeordneten Wunsches.
Nimmt man jeweils den Anfangsbuchstaben der ausgewählten Wörter, entsteht ein gereimtes Distichon – ein royalistisches Gebet, in dem Gott gebeten wird, König Karl II. zu stützen und ihn zum obersten Herrscher des Landes zu machen. Jaff weist darauf hin, dass eine der Koordinaten davon abhängt, ob eine lateinische Wendung als ein einziges Wort gezählt wird. Zudem wäre für die Überprüfung eines zweiten, längeren Urquhart-Kryptogramms ein physisches Exemplar der Ausgabe von 1652 nötig.
Die Lösung beruht bislang ausschließlich auf seinen eigenen Plausibilitätsprüfungen und ist noch nicht fachlich begutachtet worden.
Forschungsdrang mit Anthropic Fable 5.1
Der Versuch lief auf einem Modell, das Anthropic am 1. September zusammen mit dem eingeschränkten Schwestermodell Mythos 5.1 veröffentlicht hat. Beide Varianten teilen sich die gleichen Gewichte und unterscheiden sich nur durch ihre Sicherheitsmechanismen.
Fable 5.1 erzielte 52,6 % auf einem agentenbasierten Wissenschafts-Benchmark, gegenüber 24,7 % für die Vorgängerversion. Cache-Lesezugriffe kosten nun 75 % weniger und liegen bei 0,25 US‑Dollar pro eine Million Token.
Mit dem Release schloss Anthropic eine Phase ab, in der das Unternehmen verstärkt Forschungsergebnisse ins Schaufenster stellte, um den Preis einer Stufe zu rechtfertigen, die doppelt so viel kostet wie die günstigere Opus-Linie. Das Unternehmen berichtete zudem, dass Fable 5.1 ein neuronales Netz trainierte, um ein Drittel der Venusoberfläche anhand alter NASA-Radardaten neu zu kartieren, während Mythos 5.1 Proteine entwarf, die in knapp der Hälfte von 12 Labortests zuverlässig an ihre Zielmoleküle banden.
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