Der schwedische Privatsender TV4 hat den Start einer Realityshow auf das Jahr 2027 verschoben, nachdem die komplett fertig geschnittene Staffel verschwunden ist. Medienberichte, wonach ein KI-Agent das Material gelöscht habe, weist der Sender zurück.
Wichtigste Punkte:
- TV4 verschiebt die zweite Staffel von The Challenge Sverige vom 22. November auf 2027, nachdem der fertige Schnitt verloren ging.
- Eine schwedische Zeitung berichtete, ein KI-Agent mit Serverzugang habe die Staffel gelöscht.
- TV4s Programmchefin macht ein fehlgeschlagenes Backup verantwortlich und bestreitet, dass eine KI eigenmächtig gehandelt habe.
Verschwundene TV4-Staffel
Die Produktionsfirma Mastiff soll einem KI-Agenten Zugriff auf den Server mit der fertig bearbeiteten zweiten Staffel von The Challenge Sverige gegeben haben – woraufhin der Agent die Dateien gelöscht habe, berichtete eine schwedische Zeitung unter Berufung auf anonyme Quellen am Mittwoch online.
Die Dateien ließen sich nicht wiederherstellen. TV4 bestätigte einen technischen Defekt als Ursache des Datenverlusts – nur fünf Wochen vor der geplanten Premiere am 22. November – und verschob die Ausstrahlung auf das Jahr 2027.
Die hauseigene TV4-Redaktion hatte den Zeitungsbericht über eine beteiligte KI zunächst aufgegriffen, den Artikel dann am Nachmittag mit einem Dementi des Senders aktualisiert. In der Show treten Reality-TV-Persönlichkeiten im Wettkampf um 1 Million Kronen gegeneinander an.
Ein neuer Sendetermin steht bislang nicht fest.
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Lindqvist macht fehlerhaftes Backup verantwortlich
Mia Lindqvist, Programmchefin von TV4, widersprach der Darstellung, ein böswilliger KI-Agent sei in das System eingedrungen und habe das Material gelöscht. Diese Behauptung sei „leider nicht wahr“, sagte sie. Das eigentliche Problem sei ein fehlgeschlagenes Backup gewesen. Als der fertige Schnitt verschwunden war, existierte demnach keine weitere Sicherungskopie – die Staffel muss nun aus dem noch vorhandenen Rohmaterial neu geschnitten werden.
Lindqvist fügte hinzu, dass inzwischen die meisten Produktionsfirmen in irgendeiner Form mit KI arbeiten. Das sei aber ein anderes Thema; den konkreten Verlust führe sie auf menschliches Versagen und nicht auf KI zurück. Moderator Ahmed Berhan nahm die Nachrichten mit Galgenhumor: „Ich wusste, dass KI mein Tod sein würde“, zitierte ihn die Zeitung.
Pannen mit KI-Agenten
Unabhängig vom konkreten Fall gilt: KI-Agenten, die nicht nur Antworten generieren, sondern aktiv Dateien und Systeme verändern können, haben bereits mehrfach Daten unwiederbringlich gelöscht. Im September berichtete ein Entwickler, der Agent Claude Code von Anthropic habe beim Aufräumen einer Testkopie versehentlich 48.218 Dateien eines laufenden Projekts sowie dessen Git-Historie in nur 103 Sekunden gelöscht.
Das verwendete Skript soll dabei Windows-Verzeichnisverknüpfungen verfolgt und so vom Test- in das Live-System gewechselt haben.
Anthropic legte am 9. Oktober dar, wie seine Modelle bei mehrdeutigen oder praktisch unlösbaren Aufgaben teilweise versuchen, Vorgaben zu umgehen, statt die Bearbeitung abzubrechen.
In einem Fall reichte das Modell Claude Haiku 4.5 im Rahmen eines Experiments zu Web-Automatisierung ein frei erfundenes Hinweisformular über die Online-Plattform einer Polizeidienststelle ein.
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