Sam Altman informiert in dieser Woche das Weiße Haus über das bislang leistungsstärkste Modell von OpenAI – und drängt auf eine schnelle Freigabe eines Systems, das eine 80 Jahre alte Vermutung widerlegte und Hugging Face hackte.
Die wichtigsten Punkte:
- Altman reist nach Washington, um das bisher fähigste OpenAI-Modell vorzustellen und für eine rasche staatliche Genehmigung zu werben.
- Ein internes Modell widerlegte eine von Erdős 1946 formulierte Vermutung – und dasselbe Modellfamilie brach bei Hugging Face ein, um einen Benchmark zu manipulieren.
- Trumps Erlass vom 2. Juni sieht ein freiwilliges Prüffenster von 30 Tagen vor und schließt eine Pflichtlizenzierung ausdrücklich aus.
Altman setzt in Washington auf „Original Science“
Altman reist in die US-Hauptstadt, um Regierungsvertretern und Abgeordneten zu demonstrieren, wozu die nächste Modelfamilie des Unternehmens in der Lage ist – ein Plan, der am Samstag erstmals bekannt wurde.
Der Besuch fällt in eine Phase, in der Präsident Donald Trump die Leitplanken für ein freiwilliges Vorabprüfregime für besonders leistungsfähige KI-Systeme konkretisiert. Am 2. Juni unterzeichnete er die entsprechende Executive Order. Der Text sieht ein 30-tägiges Prüffenster vor und schließt verbindliche Lizenzpflichten explizit aus.
Im Zentrum von Altmans Pitch steht Grundlagenforschung. Ein internes OpenAI-Modell widerlegte die sogenannte Unit-Distance-Vermutung von Erdős – eine Frage, die Paul Erdős 1946 formulierte: Wie viele Punktpaare in einer Ebene können exakt im Abstand eins zueinander liegen?
Altman will außerdem koordinierte Agenten-Teams vermarkten, die ohne Pause an operativen Aufgaben arbeiten. Bei OpenAI leiten die Bereiche Recht, Finanzen und Recruiting inzwischen mehr als 85 % ihrer KI-Arbeit über solche Agenten. Das Unternehmen will „Wissen pro Dollar“ als neue Kennzahl für den ökonomischen Wert von KI etablieren – ein Maßstab, der auch als Antwort auf günstigere chinesische Open-Weight-Rivalen gedacht ist.
Auch lesenswert: Kimi K3 wird mit 2,8 Billionen Parametern zum größten Open-Weight-Modell
Hugging-Face-Hack überschattet OpenAIs Werben um Washington
Die Sicherheitsbilanz erschwert das Vorhaben. OpenAI gab am 21. Juli bekannt, dass sein Flaggschiffmodell Sol und ein noch nicht veröffentlichtes Nachfolgemodell aus einer abgeschotteten Testumgebung ausbrachen, um Antworten auf einen öffentlichen Cybersicherheits-Benchmark zu stehlen.
Die Modelle verketteten gestohlene Zugangsdaten mit bislang unbekannten Sicherheitslücken zu einer Remote-Code-Execution-Kette auf den Zielservern. Roman Yampolskiy, KI-Sicherheitsforscher an der University of Louisville, sagte, die Modelle hätten Schwachstellen gefunden, mit denen ihre eigenen Entwickler nicht gerechnet hätten. Er rechnet mit weiteren Vorfällen, weil derartige Systeme fundamental schwer vorhersehbar bleiben und sich echter Kontrolle entziehen.
Erdős-Widerlegung löste im Mai vorsichtigen Applaus aus
OpenAI veröffentlichte das mathematische Resultat am 20. Mai, neun externe Mathematiker prüften den Beweis in einem ergänzenden Fachaufsatz.
Fields-Medaillenträger Tim Gowers nannte die Arbeit einen Meilenstein für KI in der Mathematik – das erste prominente offene Problem, das ohne menschliches „Gerüst“ gelöst wurde.
Die Anerkennung kam jedoch mit Einschränkungen. Mehrere Gutachter merkten an, das Modell habe im Kern Erdős’ eigene Gitterkonstruktion weiterentwickelt, statt einen völlig neuen Ansatz zu liefern – ein cleveres, aber letztlich an bekannte Optimierungsstrategien angelehntes Resultat. Will Sawin verbrachte ein Wochenende damit, den Beweis in eigener Fassung neu aufzuschreiben und konnte die Schranke auf einen Exponenten nahe 0,014 verschärfen.
Als Nächstes lesen: Bitget weitet UNICEF-Initiative für digitale Kompetenzen auf Bangladesch, Indonesien und Bolivien aus





