Polymarket hat am Mittwoch neue Schutzmechanismen eingeführt: Nutzer können ihre Einzahlungen begrenzen und sich für Zeiträume von 30 Tagen bis hin zur lebenslangen Sperre selbst ausschließen. Parallel dazu machten Sportwetten und mehrteilige Kombiwetten im September laut Unternehmensangaben über 98 % des Volumens auf der US-Plattform aus.
Wichtigste Punkte:
- Trader können sich für 30 Tage, ein Jahr oder dauerhaft aussperren; US-Nutzer können Einzahlungen pro Tag, Woche oder Monat deckeln.
- Die Plattform kooperiert mit Birches Health, einem Anbieter virtueller Suchtbehandlung in allen 50 US-Bundesstaaten.
- Ein Glücksspiel-Analyst warnt, dass ähnliche Tools bei Wettanbietern nur selten genutzt werden – und zentrale Fragen zur Umsetzung noch ungeklärt sind.
Neue Selbstsperren bei Polymarket
Der Betreiber des Prognosemarktes hat die neuen Funktionen in einer Unternehmensmitteilung vorgestellt und zugleich Pläne angekündigt, das Trust-&-Safety-Team sowohl für die US-Plattform als auch international auszubauen.
Trader können sich nun freiwillig für 30 Tage, ein Jahr oder dauerhaft vom Handel ausschließen. Jede Maßnahme muss vom Nutzer aktiv gewählt werden.
US-Kunden können darüber hinaus tägliche, wöchentliche oder monatliche Einzahlungslimits festlegen, die für alle Einzahlungswege gelten – darunter unter anderem Apple Pay, Banküberweisungen, Karten und Kryptowährungen. Eine Absenkung des Limits greift sofort; eine Anhebung oder vollständige Aufhebung ist dagegen erst nach einer „Abkühlphase“ möglich, deren Dauer in der Mitteilung offenblieb.
Polymarket kooperiert zudem mit Birches Health, einem Anbieter virtueller Suchttherapie, der in allen 50 Bundesstaaten tätig ist. Entsprechende Hilfsangebote sollen im Produkt selbst sowie über den Kundensupport eingeblendet werden, wenn Nutzer Anzeichen für zwanghaftes Trading zeigen. Ein neues „Trust & Safety Center“ bündelt Regeln und Moderationsstandards der Plattform.
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Cohen und Kirschner über Parallelen zu Sportwetten
Sportwetten und mehrteilige Kombis machten im September über 98 % des Handelsvolumens auf Polymarkets US-Seite aus, wie Daten des Analysehauses TickerTracker zeigen. Diese Überschneidung erklärt, warum die neuen Instrumente stark an die Schutzmechanismen erinnern, die bundesstaatliche Gesetze von lizenzierten Sportwettenanbietern verlangen – obwohl Prognosemärkte wie Polymarket in den Zuständigkeitsbereich der Bundesbehörde CFTC fallen und keine identischen Vorgaben erfüllen müssen.
Jonathan Cohen, Leiter Glücksspielpolitik am American Institute for Boys and Men, sagte, die Wirkung der Maßnahmen könne begrenzt bleiben, weil Daten der Aufsichtsbehörden zeigten, dass nur wenige Wettkunden entsprechende Tools überhaupt nutzen. Der auf Glücksspiel spezialisierte Anwalt Joshua Kirschner nannte die Schutzmechanismen zwar verbraucherfreundlich, zugleich aber „eine Geste, um die Bundesstaaten zu besänftigen“. Polymarkets stellvertretende Chefjuristin Olivia Chalos räumte die Ähnlichkeiten ein, betonte jedoch, das Unternehmen verfolge ein anderes Geschäftsmodell.
Malea Otranto, globale Leiterin für Trust & Safety bei Polymarket, bezeichnete den Start der Funktionen als „Untergrenze, nicht Obergrenze“ und kündigte an, man werde die Nutzung auswerten und die Tools gegebenenfalls nachschärfen. Offen bleibt unter anderem, wie genau sich Selbstsperren auf verknüpfte Konten und Wallets auswirken – und ob Nutzer für eine mögliche Behandlung bei Birches Health selbst aufkommen müssen.
Klage von Letitia James gegen Polymarket
Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James hat am 24. September die US-Betreibergesellschaft von Polymarket verklagt. Sie fordert eine gerichtliche Verfügung, um aus Sicht des Bundesstaates illegales, nicht lizenziertes Glücksspiel zu stoppen. Polymarket weist die Vorwürfe zurück und reichte binnen Stunden eine Gegenklage vor einem Bundesgericht ein.
Das Büro von James ist bereits zuvor gegen große Krypto- und Derivateplattformen vorgegangen: Coinbase und Gemini wurden im April verklagt, Kalshi folgte im Juli. Eine parteiübergreifende Koalition von 44 Bundesstaaten argumentiert zudem vor Gericht, dass Prognoseplattformen grundsätzlich wie Glücksspiel reguliert werden sollten.
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