Telegrams Kurzlink-Domain t.me ist am 13. Juli aus dem globalen DNS verschwunden, nachdem die .me-Registry von Montenegro den Status serverHold verhängt hatte – mit der Folge, dass Browser-Links für rund 1 Milliarde monatlich aktive Nutzer ins Leere liefen.
Wichtigste Punkte:
- Montenegros .me-Registry setzte t.me am 13. Juli auf serverHold und nahm damit alle t.me-Links kommentarlos aus dem globalen DNS.
- Die Domain telegram.me funktioniert weiter, liegt aber in derselben Registry-Zone und unterliegt identischen Rechts- und Eingriffsrisiken.
- In der .me-Zone laufen auch Kurzlinks von PayPal, WordPress und Metas Apps, was einer kleinen Registry außergewöhnliche Marktmacht verleiht.
Sperre der Telegram-Domain t.me
Branchenbeobachter meldeten die Störung erstmals am 13. Juli, als WHOIS- und Zonen-Daten t.me mit dem Status serverHold auswiesen. Dieses Flag wird ausschließlich von der Registry gesetzt, nicht vom Registrar, und entzieht eine Domain vollständig der Namensauflösung. Unabhängige Tests bestätigten anschließend weltweit NXDOMAIN-Antworten für t.me – das System tat so, als habe die Domain nie existiert.
Pavel Durov, Gründer von Telegram, erfuhr vom Ausfall praktisch live mit. „Hey @domainME, t.me links stopped working. Can you look into it?“, schrieb er auf X und adressierte die Registry damit öffentlich.
Die Registrierung selbst ist nicht das Problem. Laut Datensätzen ist t.me bis Mai 2035 bezahlt, über GoDaddy registriert und auf Nameserver von Google delegiert – ein schlicht abgelaufener Eintrag scheidet damit aus. Telegrams Mobil- und Desktop-Apps liefen durchgehend weiter, denn ausschließlich Browser-Links sind auf das öffentliche DNS angewiesen.
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Montenegros stille Dominanz im Kurzlink-Geschäft
Die Endung .me ist der Länder-Code Montenegros, eines Staates mit rund 600.000 Einwohnern – wird aber seit 2008 weltweit als generische Domain vermarktet. Betreiber der Registry ist doMEn, ein in Montenegro ansässiges Joint Venture, an dem unter anderem Identity Digital und GoDaddy beteiligt sind. Google behandelt .me in der Suche nicht als geografische, sondern als generische Endung.
Der kommerzielle Erfolg hat eine stille Machtkonzentration erzeugt.
Beobachter weisen darauf hin, dass in derselben Zone Kurzlinks von PayPal, WordPress sowie von Meta-Diensten wie WhatsApp, Messenger und Instagram beheimatet sind. Ein auffällig großer Teil der gekürzten URLs im Netz unterliegt damit montenegrinischem Recht. Wenn eine Registry im Stillen die Link-Infrastruktur einer großen Plattform vom Netz nehmen kann, tragen alle Unternehmen, die auf Länderdomains setzen, dieses Risiko mit.
Genau deshalb bietet telegram.me wenig Beruhigung. Die Ausweich-Domain auflösbar zu halten, spricht zwar gegen ein totales Vorgehen gegen Telegrams gesamte Infrastruktur. Doch sie liegt in derselben Zone, beim selben Betreiber – und ist damit dem identischen serverHold-Instrument ausgesetzt. Ein Umzug von t.me auf telegram.me tauscht nur die Adresse, nicht die Abhängigkeit von Montenegro.
Wie es weitergehen könnte
Weder doMEn noch Identity Digital haben sich bislang geäußert, und auch Telegram blieb über Durovs X-Post hinaus stumm. Ein serverHold-Status kann aus einem Rechtsstreit, einer behördlichen Anordnung, der Durchsetzung von Registry-Policies oder schlicht aus einem Verwaltungsfehler resultieren – keiner dieser Gründe ist bislang belegt.
Die Unsicherheit betrifft die Kryptobranche genauso wie die Messenger-Welt.
Analysten warnen, dass t.me/wallet das zentrale Verbraucher-Gateway in das TON-Ökosystem von Telegram ist. Dort wird Gram (GRAM) aktuell um 1,59 US-Dollar gehandelt, bei einer Marktkapitalisierung von rund 4,33 Milliarden US-Dollar. Sammler-Benutzernamen, Gifts und Mini Apps werden gleichermaßen über t.me-Kurzlinks gestartet.
Das Risiko ist keineswegs theoretisch.
t.me fungierte bereits früher als Flaschenhals. Im August 2025 blockierte das staatliche indische BSNL-Netz die Domain zusammen mit mehreren rechtmäßigen Websites. Nutzer meldeten zuvor bereits Störungen bei .me-Kurzlinks, die Facebook, Instagram und Messenger versorgen. Jede Episode endete leise, machte aber deutlich, wie sehr große Teile des modernen Webs an einer zweistelligen Endung hängen, die eine kleine Registry auf Knopfdruck abschalten kann.
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Update: Nutzer berichten, dass t.me-Links seit dem 14. Juli wieder laden. Weder Telegram noch die .me-Registry haben die Sperrung oder ihre Aufhebung bislang erläutert.





