Anthropic weist Vorwurf eines Open-Weight-Verbots zurück – und benennt seine wahre Sorge

Anthropic weist Vorwurf eines Open-Weight-Verbots zurück – und benennt seine wahre Sorge

Anthropic-Chef Dario Amodei hat bestritten, dass sein Unternehmen jemals ein Verbot von Open-Weight-KI-Modellen gefordert hat – und stattdessen drei konkrete regulierungspolitische Maßnahmen genannt, die er unterstützt.

Wichtigste Punkte:

  • Amodei sagt, Anthropic habe nie für ein pauschales Verbot von Open-Weight-Modellen geworben.
  • Er fordert strengere Exportkontrollen für Chips, ein Vorgehen gegen industrielle Distillation und verpflichtende Sicherheitstests für leistungsfähige Modelle.
  • Anthropic fehlte unter den mehr als 20 Tech-Unternehmen, die einen offenen Brief unterzeichneten.

Amodei dementiert Vorstoß für Open-Weight-Verbot

Amodei veröffentlichte seine Stellungnahme am 27. Juli – nach mehreren Tagen Funkstille, die viele Wettbewerber bereits als beredtes Schweigen gewertet hatten.

Offene Modelle ohne gefährliche Fähigkeiten seien ein öffentliches Gut, so Amodei. Sie verursachten keine Kosten über die Rechenleistung hinaus, die zu ihrem Betrieb erforderlich ist, und brächten Unternehmen, Entwicklerinnen und Entwicklern sowie der Forschung einen klaren Mehrwert.

Protektionistische Verbote würden seine zentralen sicherheitspolitischen Sorgen ohnehin nicht adressieren, fügte er hinzu.

Sein Beitrag reagierte auf einen offenen Brief, den Nvidia-Chef Jensen Huang am 24. Juli verbreitet hatte. Mehr als 20 Unternehmen, darunter Microsoft, Meta und Palantir, unterzeichneten das Schreiben, das Huang mit seinem ersten Beitrag auf X publik machte.

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Sacks und Gurley stellen Anthropic-Motive infrage

Wagniskapitalgeber und früherer Weißhaus-KI-Beauftragter David Sacks argumentierte, Anthropic nutze Sicherheitsrhetorik, um sein eigenes Geschäftsmodell zu schützen. Bill Gurley, Partner bei Benchmark, suggerierte, das Unternehmen verteidige vor allem seine Position im Wettlauf, statt eine konsequente inhaltliche Linie zu vertreten. Nachdem OpenAI den Brief unterschrieben hatte, war Anthropic das letzte große US-Labor, das außen vor blieb.

Ein Verbot würde US-Labs zwar vor Konkurrenz schützen, räumte Amodei ein, doch genau dies sei nie sein Ziel gewesen. Stattdessen drängt er auf strengere Exportkontrollen für Hochleistungs-Chips, ein hartes Vorgehen gegen industrielle Distillation und verpflichtende Sicherheitstests für jedes hinreichend leistungsfähige Modell – unabhängig davon, ob es offen oder proprietär ist.

Seine Sorgen teilt er in zwei Kategorien.

Erstens fürchtet er, dass autoritäre Regime – allen voran die Kommunistische Partei Chinas – leistungsstärkere Modelle als die USA aufbauen und diese zur dauerhaften militärischen Überlegenheit oder zur verschärften Repression im eigenen Land nutzen könnten. Zweitens sieht er die Gefahr des Missbrauchs leistungsfähiger Modelle für Cyberangriffe oder biologische Anschläge. Open Weights verschärften dieses Risiko, so Amodei, weil sich Schutzmechanismen leicht umgehen ließen und einmal veröffentlichte Gewichte faktisch nicht mehr zurückgerufen werden könnten.

Kimi K3 befeuert Streit um Distillation

Das chinesische Labor Moonshot AI hat Mitte Juli Kimi K3 veröffentlicht. Das offene Modell erreichte bei mehreren Benchmarks Werte auf Augenhöhe mit führenden US-Systemen – zu einem Bruchteil der Kosten.

Ein hochrangiger Vertreter des Weißen Hauses warf Moonshot daraufhin vor, Kimi K3 auf Ausgaben von Anthropics Fable-Modell trainiert zu haben – eine Praxis, die als Distillation bekannt ist. Finanzminister Scott Bessent brachte als Reaktion mögliche Sanktionen ins Spiel.

Amodei verfolgt diese Linie schon seit Jahren. Beide Szenarien hatte er bereits in einem vor einem halben Jahr erschienenen Essay skizziert. Er warnt immer wieder, dass Entwicklerinnen und Entwickler die Kontrolle über ein Modell verlieren, sobald dessen Gewichte offenliegen. Anthropic setzt deshalb stärker auf kontrollierte Zugänge, etwa bei Project Glasswing, das geprüften Unternehmen frühzeitigen Zugriff auf seine Cyber-Modelle einräumt.

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