Anthropic plant einem Börsenprospekt zufolge Investitionen von 518 Milliarden US‑Dollar in Cloud- und Recheninfrastruktur. Krypto-Derivate, die auf die erwartete Bewertung des KI-Unternehmens setzen, reagierten darauf jedoch kaum.
Wichtigste Punkte:
- Laut Prospekt summieren sich künftige Cloud-, Compute- und Infrastrukturverpflichtungen von Anthropic auf 518 Milliarden Dollar – nach einem Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar im Jahr 2025.
- Pre-IPO-Perpetual-Futures lagen am Dienstag bei rund 1.998 Dollar und implizieren damit eine Bewertung von etwa 2 Billionen Dollar.
- Die Kontrakte verbriefen keinerlei Eigenkapitalansprüche und werden in einem deutlich weniger liquiden Markt gehandelt als große Krypto-Derivate.
Anthropic setzt auf massiven Infrastrukturaufbau
Im Emissionsprospekt für den geplanten Börsengang, der Journalisten in dieser Woche vorliegt, führt Anthropic künftige Verpflichtungen für Cloud-Dienste, Rechenleistung und Infrastruktur von insgesamt 518 Milliarden Dollar auf.
Das Dokument präsentiert diese Ausgaben als strategische Wette darauf, dass Künstliche Intelligenz die Weltwirtschaft tiefer umwälzen wird als Industrialisierung, Elektrizität und das Internet zusammen. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme ab.
Für 2025 weist Anthropic einen Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar aus, davon entfallen jedoch rund 34 Milliarden Dollar auf einen buchhalterischen Effekt aus Finanzierungen, die später in Aktien gewandelt werden könnten. Die Umsätze haben sich im selben Zeitraum etwa verzwölffacht und erreichten fast 4,6 Milliarden Dollar.
Pre-IPO-Perpetual-Futures auf Anthropic notierten am Dienstag bei 1.998 Dollar, ein Rückgang von rund 2 % binnen 24 Stunden, wie Daten von CoinMarketCap zeigen. Jeder Kontrakt bildet die erwartete Marktkapitalisierung in Billionen ab; auf Basis der Preislogik von Binance entspricht dies einer Bewertung von knapp 2 Billionen Dollar. Damit liegen die Perps noch immer rund 10 % unter ihrem Rekordhoch vom 9. September bei 2.211 Dollar.
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Dan Ives reagiert
Dan Ives, Partner und Senior Managing Director bei Yorkville Ives, betonte, Anthropic müsse „den Fuß auf dem Gaspedal halten“. Sollten Anthropic und OpenAI Tempo herausnehmen, werde China die Entwicklung forcieren und am Ende die Führung übernehmen, warnte er.
Die jüngste Forderung von CEO Dario Amodei, die KI-Entwicklung zu verlangsamen, sei für die Branche ein „Kopfkratzer“, so Ives. Der Prospekt offenbart zudem eine enge Kundenbasis: Zwei Großkunden stehen demnach für fast ein Viertel des Vorjahresumsatzes, viele weitere Großabnehmer sind nicht langfristig gebunden. Auf der Wettplattform Polymarket sehen Marktteilnehmer dennoch eine 69%ige Wahrscheinlichkeit, dass Anthropic bis zum 30. November an die Börse geht – nach 59 % am Vortag.
Historie der Anthropic-Perps
Inzwischen listen zwölf Börsen Perpetual-Futures auf Anthropic; das offene Interesse soll sich auf mehr als 100 Millionen Dollar belaufen, darunter 36 Millionen Dollar in einem von Entropy betriebenen Markt auf Hyperliquid. Keiner der Kontrakte gewährt Aktionärsrechte, und der Markt ist deutlich weniger tief als jene für Bitcoin (BTC) und Ether (ETH), bei denen sich das offene Interesse im Milliardenbereich bewegt.
Binance nahm den Perpetual-Kontrakt am 2. Juni ins Programm. Bis Ende August implizierte der Preis dort eine Bandbreite von 1,6 bis 1,84 Billionen Dollar – deutlich über der Bewertung von 965 Milliarden Dollar aus der Finanzierungsrunde im Mai. Auf dem Entropy-Markt wurde Ende August zeitweise sogar eine Bewertung jenseits der Marke von 2 Billionen Dollar gehandelt. Binance kündigte an, den Kontrakt neu zu skalieren, falls die endgültige Aktienzahl um 3 % oder mehr von der Schätzung abweicht.
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