Anthropic strebt bei seinem Börsengang eine Bewertung von 1,5 bis 2 Billionen US‑Dollar an – und will dabei mehr als 86 Milliarden Dollar einnehmen. Damit würde der KI-Entwickler alle bisherigen IPO-Rekorde übertreffen.
Die wichtigsten Punkte:
- Anthropic will frühen Investoren und Mitarbeitenden erlauben, direkt zum Börsenstart Aktien zu verkaufen.
- Der Prospekt wird nach dem Labor-Day-Wochenende erwartet, der Börsengang ist für Ende September oder Anfang Oktober angepeilt.
- Verlängerte Lock-up-Fristen über die üblichen 180 Tage hinaus werden diskutiert, um den späteren Verkaufsdruck zu strecken.
Anthropic weicht beim IPO-Aufbau vom SpaceX-Muster ab
Der Claude-Entwickler strukturiert eine Sekundärtranchen, über die bestehende Aktionäre parallel zu neu ausgegebenen Aktien verkaufen können, berichtete The Information am Donnerstag.
Diese Altaktionäre erhalten Bargeld zum Emissionspreis. Gleichzeitig gibt die Konstruktion Anthropic mehr Spielraum, die Zuteilung an jene langfristig orientierten Investoren zu lenken, die sich das Unternehmen wünscht, wie berichtet wurde.
SpaceX ging im Juni klassischer vor und platzierte 555.555.555 neue Aktien zu je 135 Dollar. Die Konsortialbanken hielten zudem eine Mehrzuteilungsoption über 83,3 Millionen weitere Papiere – damit wuchs das Grundvolumen von 75 Milliarden auf rekordverdächtige 85,7 Milliarden Dollar. Keine einzige Aktie stammte aus dem Bestand bestehender Eigentümer.
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Lock-up-Konditionen und KI-Gegenwind prägen die Bewertungslogik
Ein Lock-up verbietet Insidern, ihre Aktien über einen bestimmten Zeitraum nach dem Börsendebüt zu verkaufen. Anthropic prüft Konditionen, die für zumindest einige Altaktionäre über die marktüblichen 180 Tage hinausgehen. Verkäufe innerhalb der Transaktion erreichen Käufer zu einem bekannten Preis an einem festen Termin – der Ablauf einer Lock-up-Frist bietet diese Planbarkeit nicht.
Das jüngste Beispiel ist kaum drei Wochen alt: Rund 911,5 Millionen SpaceX-Aktien wurden am 6. August freigegeben und verdoppelten damit in etwa den frei handelbaren Streubesitz. Mizuho-Analyst Brett Linzey warnte allerdings, dass die bloße Handelbarkeit nicht bedeutet, dass das gesamte Paket tatsächlich auf den Markt kommt.
Im Prospekt dürfte zudem der zunehmende öffentliche Widerstand gegen KI als formales Risiko herausgestellt werden. Einer im Mai veröffentlichten Gallup-Umfrage zufolge lehnen sieben von zehn US-Bürgern neue KI-Rechenzentren in ihrer Nähe ab. Ein Baustopp würde direkt auf Anthropic durchschlagen: Das Unternehmen hat sich in dieser Woche verpflichtet, rund 45 Milliarden Dollar für die Anmietung von Kapazitäten auf dem Campus von Nscale in West Virginia bereitzustellen.
Solana-Märkte preisen Anthropic-Exposure bereits ein
Kryptobörsen handeln seit Monaten dieselben Engagements: tokenisierte Pre-IPO-Forderungen auf Anthropic und OpenAI, die auf Solana (SOL) notieren.
PreStocks hat nach eigenen Angaben rund 78 % dieses Volumens über drei beobachtete Plattformen gebündelt. Inhaber der Token erhalten allerdings weder Eigentumsrechte noch Stimmrechte oder Dividenden.
Das Unternehmen ist mit atemberaubender Geschwindigkeit an diesen Punkt gelangt. Im Mai schloss Anthropic eine Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar ab, bei der der Konzern mit 965 Milliarden Dollar bewertet wurde, und reichte im Juni einen vertraulichen Antrag bei den Aufsichtsbehörden ein. Der annualisierte Umsatzlauf stieg bis Ende Juli sprunghaft auf über 65 Milliarden Dollar – nach rund 9 Milliarden Ende 2025.
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