Jeff Bezos hält es für möglich, dass Beschäftigte dank Künstlicher Intelligenz mit einer Drei-Tage-Woche eine Familie ernähren können – in derselben Woche, in der Amazon nach dem Abbau von rund 30.000 Stellen erneut knapp 1.000 Jobs streicht.
Zentrale Punkte:
- Bezos erwartet, dass KI-bedingte Produktivitätszuwächse eher zu Arbeitskräftemangel als zu Massenarbeitslosigkeit führen.
- Amazon bestätigte den Abbau einer kleineren Zahl von Stellen im Geschäftsbereich Stores.
- Seit Oktober 2025 hat der Konzern rund 30.000 Büroarbeitsplätze gestrichen.
Bezos’ Prognose zur Arbeitswoche
Bezos, Gründer und Executive Chairman von Amazon, erklärte in einem ausführlichen TV-Interview mit Moderator Bret Baier, das am Mittwoch ausgestrahlt wurde, KI-getriebene Effizienzsprünge könnten es einigen Haushalten erlauben, wieder von einem einzigen Einkommen zu leben. Andere würden sich sagen: „Ich kann meine Familie mit einer Drei-Tage-Woche versorgen“ – und sich bewusst für weniger Arbeitszeit entscheiden. „Genau das bedeutet Produktivität in einer Volkswirtschaft“, sagte er.
Der Milliardär argumentierte, diese Produktivitätsgewinne führten nicht in erster Linie zu Massenarbeitslosigkeit, sondern zu einem Mangel an verfügbaren Arbeitskräften – weil viele Menschen keinen Zweitjob mehr benötigen würden. „Es wird tatsächlich schwierig werden, Leute einzustellen“, prognostizierte er.
Das Interview lief, während Amazon in dieser Woche Hunderte Beschäftigte entließ – ausgerechnet im Stores-Geschäft, das die zentrale E‑Commerce-Plattform betreibt, und zwar während der Rabattaktion „Prime Big Deal Days“.
Personen mit Einblick in die Vorgänge beziffern die Zahl der betroffenen Mitarbeiter weltweit auf unter 1.000 – verteilt auf Kundenservice, Betreuung von Verkaufspartnern und Retail-Engineering-Teams in den USA, Indien und Großbritannien. Amazon sprach öffentlich lediglich von „einer geringen Zahl an wegfallenden Positionen“.
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Kritik an Amazons Jobabbau
Baier stellte Bezos mit Blick auf diese Entwicklung zur Rede und verwies auf die rund 30.000 Konzernstellen, die Amazon seit Ende vergangenen Jahres abgebaut hat.
Bezos entgegnete, Amazon habe sich in einer „sehr speziellen Situation“ befunden, nachdem der Konzern seine Belegschaft während der Corona-Pandemie massiv ausgebaut habe, als die Bestellungen in die Höhe schnellten, weil Kundinnen und Kunden zu Hause blieben.
„Das gesamte Team hat unglaublich hart gearbeitet und enorm viel geleistet, aber wir haben unsere Mitarbeiterzahl sehr stark erhöht“, sagte er. Er räumte ein, dass die Bevölkerung Sorgen über den Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt habe, widersprach jedoch Szenarien mit deutlich negativeren Folgen.
Bezos ist an der Technologie selbst beteiligt – als Mitgründer und Co-CEO von Project Prometheus, einem KI-Start-up, das Werkzeuge entwickelt, mit denen Ingenieure physische Produkte entwerfen und fertigen können. Er sagte für die Gesamtwirtschaft „Produktivitätsgewinne im zweistelligen Prozentbereich“ voraus und warb für eine „leichte Hand“ bei der Regulierung: „Man sollte nicht Messer regulieren, sondern Mord.“
Amazon hat zuvor bereits in zwei großen Runden insgesamt rund 30.000 Bürojobs gestrichen – 14.000 im Oktober 2025 und weitere 16.000 im Januar. Es war der größte Personalabbau in der Firmengeschichte. Insgesamt entsprach dies etwa 10 % der weltweiten Angestellten in der Zentrale, aber nur einem kleinen Teil der nahezu 1,6 Millionen Beschäftigten insgesamt. In den Monaten danach folgten weitere, kleinere Kürzungen – unter anderem in den Bereichen Robotik und Artificial General Intelligence.
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