BitMEX, die Börse, die den Perpetual Swap erfunden hat, stellt am 23. September den Betrieb ein – nach elf Jahren im Geschäft mit Krypto-Derivaten.
Wichtigste Fakten:
- BitMEX hat die Eröffnung neuer Konten mit sofortiger Wirkung gestoppt und lässt ab dem 26. August keine neuen Positionen mehr zu.
- Guthaben, die nach der Schließung auf der Plattform verbleiben, werden mit 50 US‑Dollar pro Monat oder 1 % pro Jahr belastet – je nachdem, was höher ist.
- Die Börse suchte mehr als ein Jahr lang nach einem Käufer, bevor sich der Verwaltungsrat für die Abwicklung entschied.
BitMEX-Abwicklungsplan setzt Frist bis 26. August
Der Verwaltungsrat von HDR Global Trading Limited, dem auf den Seychellen registrierten Eigentümer und Betreiber der Plattform, hat nach einer strategischen Überprüfung des Geschäftsmodells und der breiteren Kryptoindustrie beschlossen, die Börse zu schließen.
Neue Kontoeröffnungen wurden am selben Tag gestoppt – wenige Wochen nachdem sowohl der CEO als auch der Finanzchef das Unternehmen verlassen hatten. BitMEX forderte Kunden auf, Positionen zu schließen und Gelder abzuziehen, und betonte, dass die Vermögenswerte der Plattform weiterhin die Kundenverbindlichkeiten übersteigen.
Ab dem 26. August werden Konten auf „Reduce-Only“ umgestellt: Trader können keine neuen Positionen mehr eröffnen, und die Börse beginnt, verbleibende Positionen zwangsweise zu schließen. BitMEX warnte, dass alle offenen Positionen am 23. September um 04:00 Uhr UTC sofort glattgestellt werden und das Unternehmen für daraus entstehende Verluste keine Haftung übernimmt.
Auszahlungen bleiben auch danach möglich, und Kontoinhaber behalten ihren Login-Zugang zur Einsicht ihrer Salden. Gleichzeitig hat BitMEX für verifizierte Nutzer, die Guthaben auf der Plattform lassen, eine Gebühr von 50 US‑Dollar pro Monat oder 1 % pro Jahr angesetzt – je nachdem, welcher Betrag höher ist festgelegt.
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Kaiko-Analyst Thomas Probst sieht weitere Börsen-Konzentration
Thomas Probst, Research-Analyst bei Kaiko, erklärte, der Markt für Krypto-Börsen sei hochkompetitiv. Die Schließung von BitMEX deute darauf hin, dass große Handelsplätze weiter Marktanteile zulasten kleinerer Wettbewerber gewinnen werden, sagte er. Nennenswerte Marktverwerfungen erwartet er nicht, da BitMEX inzwischen nur noch rund 400.000 US‑Dollar Tagesvolumen und weniger als 0,01 % des weltweiten Handelsaufkommens auf sich vereint – weit unter den Plattformen, die die Börse verdrängt haben.
Deutlich härter traf es den hauseigenen Token. BMEX (bmex) ist am 23. Juli um rund 90 % abgestürzt und hat damit einem Vermögenswert den Boden entzogen, dessen praktischer Nutzen im Wesentlichen auf die BitMEX-Plattform beschränkt war. Die Marktkapitalisierung fiel auf etwa 497.000 US‑Dollar, gestakte Bestände wurden an die Inhaber zur Auszahlung zurückgegeben.
BitMEX-Erbe: Von 100-facher Hebelwirkung zur 100‑Mio.-US‑Dollar-Strafe
Arthur Hayes, Benjamin Delo und Samuel Reed gründeten BitMEX 2014 mit dem Ziel, Privatanlegern Zugang zu professionellen Derivatemärkten zu eröffnen. Sie entwickelten den Perpetual Swap mit bis zu 100-facher Hebelwirkung, der sich zum meistgehandelten Produkt im Kryptobereich entwickelte.
Auf dem Höhepunkt 2019 setzte die Börse mehr als 1 Billion US‑Dollar Jahresvolumen um und vereinte zeitweise rund 57 % des globalen Derivatehandels auf sich.
Der anschließende Niedergang war regulatorisch ebenso getrieben wie wettbewerbsbedingt.
Die Gründer bekannten sich 2022 schuldig, kein wirksames Anti-Geldwäsche-Programm betrieben zu haben, das Unternehmen selbst folgte 2024 mit einem Schuldeingeständnis. Ein Bundesrichter verhängte im Januar 2025 eine zusätzliche Strafe von 100 Millionen US‑Dollar. BitMEX mandatierte im Februar desselben Jahres Broadhaven Capital Partners, um einen Käufer zu finden; Donald Trump begnadigte die Gründer im März. Die Suche endete dennoch ohne Deal.
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