Binance-Gründer Changpeng „CZ“ Zhao rechnet damit, dass Börsengänge (IPOs) langfristig auf die Blockchain verlagert werden. Rückenwind bekommt seine These durch das rasante Wachstum tokenisierter Aktienprodukte und neue US-Regelvorschläge, die Blockchain-Wertpapiere explizit berücksichtigen.
Wichtigste Punkte:
- CZ prognostiziert On‑Chain-IPOs, nachdem das kumulierte Handelsvolumen von Binance bStocks in rund drei Monaten die Marke von 30 Mrd. $ überschritten hat.
- Die US-Börsenaufsicht SEC hat Änderungen für Wertpapierabwickler vorgeschlagen, die Blockchain-Technologie in Emissionen und Aktienübertragungen ausdrücklich einbeziehen.
- Securitize und Cantor Fitzgerald bauen Infrastruktur für On‑Chain-IPOs auf, ohne den bestehenden Wertpapierrahmen zu verlassen.
CZs IPO-Prognose
Zhao erklärte am Dienstag, 8. September, in einem Beitrag auf X, dass „IPOs auf die Blockchain wandern werden“ – eine Prognose, die er mit dem Erfolg von Binance’ bStocks untermauerte, deren kumuliertes Handelsvolumen rund drei Monate nach dem Start im Juni die Schwelle von 30 Mrd. $ überschritt. Beitrag auf X
Einen Zeitplan oder konkrete Emittenten nannte er nicht. Seine Aussage zielte vielmehr auf einen strukturellen Wandel der Kapitalmarktinfrastruktur: Kryptobörsen und regulierte Wertpapierhäuser entwickeln zunehmend Produkte, die direkt an börsennotierte Aktien gekoppelt sind.
Binance bietet bereits „Pre‑IPO Perpetual Contracts“ an, mit denen Anleger auf die Bewertung eines Unternehmens setzen können, bevor dessen Aktien an einer regulären Börse handelbar sind. Diese Derivate selbst stellen jedoch keinen Börsengang dar.
Die US Securities and Exchange Commission (SEC) hat am 1. September Änderungen für sogenannte Transfer Agents (Wertpapierabwickler) vorgeschlagen. Diese sollen sicherstellen, dass Blockchain-Technologie in Emissionen, Eigentumsnachweisen und Aktienübertragungen regulatorisch abgebildet wird. Der Entwurf würde Regeln modernisieren, die seit Jahrzehnten nicht grundlegend überarbeitet wurden, ohne Transfer Agents aus dem bestehenden bundesrechtlichen Wertpapierrahmen zu entlassen.
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Wachstum der Tokenisierung bei Securitize
Securitize und Cantor Fitzgerald gaben im Juli eine Kooperation bekannt. Ziel ist es, börsennotierten Unternehmen IPOs und Kapitalerhöhungen mit Blockchain-Infrastruktur zu ermöglichen – allerdings strikt innerhalb des etablierten Kapitalmarktrechts.
Securitize lieferte kurz darauf einen Praxisbeleg: Das Unternehmen wurde an der New York Stock Exchange gelistet und bot parallel vom Emittenten gestützte, tokenisierte Aktien auf Solana (SOL) und Avalanche (AVAX) für qualifizierte US-Anleger an. Die Token blieben rechtlich voll regulierte Wertpapiere.
SEC-Vorsitzender Paul Atkins betonte, der Vorschlag zu Transfer Agents solle die tatsächliche Marktpraxis abbilden – einschließlich des Einsatzes von Blockchain in Emissionen und Aktienübertragungen. An den Anforderungen des Wertpapierrechts ändere das nichts.
Befürworter argumentieren, dass On‑Chain-Wertpapiere den Zugang verbreitern, Abwicklungsfristen verkürzen und Handel außerhalb klassischer Börsenzeiten ermöglichen können. Zugangsberechtigung und Rechtspositionen hängen jedoch weiterhin von der konkreten Produktstruktur ab. Ondo Finance hat das Angebot tokenisierter US-Aktien und ETFs auf mehrere Blockchains ausgedehnt, darunter BNB Chain und Solana – die technische Infrastruktur verbreitert sich.
Im Laufe des Jahres 2026 entwickelte sich der Markt für tokenisierte Aktien von kleineren Pilotprojekten hin zu größeren kommerziellen Plattformen. Damit erhielt Zhaos Prognose einen Markthintergrund, der in diesem Umfang ein Jahr zuvor noch nicht vorhanden war.
Binance startete bStocks im Juni. Securitize brachte im Juli seine eigenen börsennotierten Aktien auf die Blockchain, und der SEC-Vorschlag vom 1. September verankerte Blockchain-basierte Registerführung in einer breiter angelegten Modernisierung der US-Wertpapiermarktinfrastruktur.
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