Drei Fed-Mitglieder stimmen dagegen – Experten sehen jetzt das härteste Umfeld für Krypto in diesem Zyklus

Drei Fed-Mitglieder stimmen dagegen – Experten sehen jetzt das härteste Umfeld für Krypto in diesem Zyklus

Die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve, die Zinsen unverändert zu lassen, hat weder dem Kryptomarkt noch Wachstumswerten Luft verschafft. Marktstrategen verweisen auf einen deutlich falkenhaften Ton, Inflationsrisiken durch Energiepreise und steigende US-Renditen, die die Liquidität weiter einengen und eine weitere Zinserhöhung möglich erscheinen lassen.

Das Federal Open Market Committee (FOMC) beließ den Leitzins am Mittwoch wie erwartet in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 %. Das eigentliche Signal ging jedoch von der Wortwahl im Statement und der wachsenden Uneinigkeit im Ausschuss darüber aus, ob die Geldpolitik bereits ausreichend restriktiv ist, um die Inflation nachhaltig auf das Ziel zurückzuführen.

Die Präsidentin der Dallas Fed, Lorie Logan, hatte bereits vor der Sitzung für „leicht“ höhere Zinsen plädiert. Auch die Präsidentin der Cleveland Fed, Beth Hammack, Minneapolis-Fed-Chef Neel Kashkari und Gouverneur Christopher Waller hatten signalisiert, bei anhaltendem Preisdruck zu weiteren Straffungsschritten bereit zu sein.

Hammack, Kashkari und Waller stimmten schließlich gegen den Beschluss, den Leitzins unverändert zu lassen.

Auf der anschließenden Pressekonferenz vermied Fed-Chair Kevin Warsh klare Hinweise auf den nächsten Schritt, betonte aber die Entschlossenheit der Notenbank, bei Bedarf zu handeln, um das 2%-Inflationsziel zu erreichen.

„Ich verstehe den Wunsch nach laufenden Prognosen und Kommentaren dieses Ausschusses, aber wir müssen die Marktreaktionen auf neue Entwicklungen in Echtzeit und ungefiltert beobachten“, sagte Warsh. „Ich möchte betonen, dass die Entscheidungen dieses Ausschusses von großer Bedeutung sind und wir, wo nötig und angemessen, nicht zögern werden zu handeln.“

Die Reaktion am Anleihemarkt fiel deutlich aus. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg über 5,2 % und damit auf den höchsten Stand seit 2007; die 10-jährige Rendite legte um mehr als 7 Basispunkte auf 4,677 % zu.

Fed-Kommunikation: Fokus verschiebt sich von Senkungen zu möglichen Erhöhungen

Zwar hatte der Markt kurzfristige Zinssenkungen schon weitgehend ausgepreist, doch der Ton der Fed zementierte die Erwartung, dass die Phase restriktiver Geldpolitik länger andauern könnte, als viele Investoren erhofft hatten.

In einer Einschätzung an Yellow.com schrieb Ryan Lee, Chefanalyst bei Bitget Research, der Zinsstopp sei zwar erwartet worden, die eigentliche Überraschung habe aber in der Formulierung des Statements gelegen.

„Der Zinsstopp war eingepreist, aber die Rhetorik war der eigentliche Treiber – und sie fiel deutlich falkenhafter aus, als es die weiche Inflationszahl für Juni nahegelegt hätte“, so Lee.

Der Analyst verweist darauf, dass die Juni-Inflationsdaten stark von gesunkenen Energiepreisen profitiert hätten. Mit Blick auf mögliche Angebotsstörungen in der Straße von Hormus könnten sich die Belastungen jedoch bereits in den Juli-Zahlen niederschlagen. Dieses Risiko erkläre, warum die Fed sich nicht geduldiger präsentiert habe.

„Die Märkte hatten Zinssenkungen für dieses Jahr im Grunde schon abgeschrieben, und heute wurde bestätigt: Die Debatte dreht sich inzwischen darum, ob der nächste Schritt eine Erhöhung ist“, sagte Lee.

Besonders zinssensitive Wachstumswerte dürften unter diesem Stimmungsumschwung leiden. Lee sieht den Nasdaq 100 als Hauptleidtragenden einer Neubewertung, da höhere Renditen über einen längeren Zeitraum die Bewertungsniveaus unter Druck setzen. Auch Gold könnte unter Druck geraten, sollten steigende Renditen und ein stärkerer Dollar den Sicherheitsaspekt überlagern.

„Der Markt wünschte sich Geduld. Die Fed hat signalisiert, dass sie dafür weniger Spielraum sieht, als die Daten zunächst vermuten ließen“, so Lee.

Krypto trifft auf ein deutlich raueres Liquiditätsumfeld

Für digitale Assets bleibt der makroökonomische Hintergrund schwierig. Höhere Zinsen bedeuten typischerweise knappere Liquidität, teurere Hebelfinanzierung und eine geringere Risikobereitschaft der Investoren.

Andrei Grachev, Managing Partner bei DWF Labs, interpretiert die Entscheidung als Signal, dass die Fed bereit ist, schwächeres Wachstum zu akzeptieren, wenn dies notwendig ist, um die Inflation zu bremsen.

„Die Fed macht den Märkten klar, dass sie eine Inflation über dem Ziel nicht tolerieren wird – selbst um den Preis eines Wachstumsschocks“, sagte Grachev.

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Grachev bezeichnet dieses Szenario als das ungünstigste für digitale Assets im aktuellen Zyklus: Es steht für eine straffere Geldpolitik, weniger Liquidität und höhere Carry-Kosten.

Bitcoin (BTC) hat bereits eine falkenhafte Phase erstaunlich gut überstanden, aber eine neue, negative Überraschung auf der Zinsseite würde die Preise belasten“, so Grachev.

Can-Luca Köymen, Investmentstratege bei der Sygnum Bank, fällt sein Urteil etwas nüchterner aus. Die Entscheidung entspreche weitgehend den Erwartungen und spiegele ein Gremium wider, das sich Handlungsfreiheit bewahren wolle, solange die Lage am Energiemarkt unklar sei.

„Das Ergebnis lag im Rahmen unseres Basisszenarios. Wir hatten mit einem Zinsstopp gerechnet, flankiert von einer falkenhaften Rhetorik – genau das Bild eines Ausschusses, der die Optionalität wahren will, solange die Energieperspektive unsicher bleibt“, sagte Köymen.

Für Krypto bedeute dies weniger eine plötzliche Verschlechterung des Umfelds als vielmehr die Aussicht, dass restriktive Bedingungen länger anhalten dürften.

„Unsere moderat konstruktive Einschätzung hängt weniger von einer baldigen Lockerung der Fed ab als davon, dass der Inflationsdruck beherrschbar bleibt. An dieser Einschätzung ändert diese Entscheidung nichts“, sagte er.

Als nächste zentrale Variablen nennt Köymen die Entwicklung des Ölpreises sowie die Frage, ob sich die jüngste Verbesserung der ETF-Zuflüsse und der On-Chain- Akkumulation fortsetzt.

Energierisiken spalten die Märkte

Iggy Ioppe, Chief Investment Officer bei Theo und früherer Manager bei Credit Suisse, sieht ebenfalls die Energiepreisentwicklung als größte Herausforderung für Fed und Märkte.

„Wie erwartet hat die Fed die Zinsen in dieser Woche unverändert gelassen“, so Ioppe. „Der Verbraucherpreisindex für Juni hat sich abgekühlt, aber der Ölpreissprung infolge der anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Iran sowie der Schifffahrtsrisiken in der Straße von Hormus und im Roten Meer sorgt für ein unübersichtliches Inflationsbild.“

Warsh lasse sich durch einen einzelnen schwächeren Inflationsbericht kaum beeindrucken, solange die Energierisiken hoch seien, so Ioppe. Gleichzeitig zeige die Entscheidung, vorerst nicht weiter zu straffen, dass das übergeordnete Liquiditätsumfeld den Risikoanlagen mittelfristig weiterhin eine gewisse Unterstützung biete.

Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt wieder verstärkte institutionelle Zuflüsse, berichtet Ioppe. Die Kursentwicklung bleibe jedoch begrenzt, weil das gleiche geopolitische Ölrisko, das die Fed vorsichtig hält, auch das Kurspotenzial einbremst.

KI-nahe Technologiewerte dominieren Ioppe zufolge weiterhin den spekulativen Teil des Marktes, auch wenn Fragen zur Rentabilität hoher Investitionsausgaben und ambitionierte Bewertungen für Rotationen und Volatilität sorgen. Gold bilde das andere Ende dieser Markt-Barbell-Strategie, indem es als Absicherung gegen Energieschocks und geldpolitische Unsicherheit dient.

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