Das Sicherheitsunternehmen XBOW hat von Google eine Bug-Bounty in Höhe von 250.000 US‑Dollar erhalten, nachdem seine Forscher mit dem öffentlichen Modell GPT‑5.6 Sol von OpenAI innerhalb von nur sechs Tagen eine vollständige Chrome-Exploit-Kette entwickelt hatten.
Wichtigste Fakten:
- XBOW-Forscher setzten KI-Agenten mit OpenAI GPT‑5.6 Sol ein, um drei Chrome-Schwachstellen zu einer vollständigen Windows-Übernahme zu verketten.
- Google zahlte seine höchste Prämie von 250.000 US‑Dollar für eine vollständige Exploit-Kette; alle drei Lücken sind inzwischen geschlossen.
- Der sechstägige Kraftakt verursachte Rechenkosten von rund 40.000 US‑Dollar – XBOW warnt, dass die Eintrittskosten für Angreifer schnell sinken.
XBOWs Chrome-Exploit-Kette
XBOW hat seine Ergebnisse am 13. Oktober öffentlich gemacht und berichtet, dass bereits eine einzige präparierte Webseite ausgereicht hätte, um beide Chrome-Sandboxes zu überwinden und einen Windows-Rechner vollständig zu kompromittieren – ohne Klick, Download oder weitere Nutzerinteraktion.
Die Exploit-Kette kombinierte drei Schwachstellen: in der JavaScript-Engine V8 von Chrome, im Decoder für animierte WebP-Bilder sowie in Crashpad, einem Absturz-Helferprozess, der außerhalb der Browser-Sandbox läuft.
Die Forscher entwickelten die letztlich erfolgreiche Kette zwischen dem 2. und 7. August – parallel zur Teilnahme an den Sicherheitskonferenzen Black Hat und DEF CON in Las Vegas. Laut XBOW schlug der sechstägige Einsatz der KI mit rund 40.000 US‑Dollar an Rechenleistung zu Buche. Ein früherer Anlauf scheiterte, weil Google eine der damals genutzten Lücken bereits intern kannte.
Google überwies rund einen Monat nach Einreichung die maximale Prämie für eine vollständige Exploit-Kette – es ist die erste Auszahlung dieser Höhe seit der Überarbeitung der Programmregeln im April. XBOW schätzt, dass die Schwachstellen bis zu eine Milliarde Chrome-Nutzer unter Windows potenziell gefährdeten. Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden sie aber nie in realen Angriffen missbraucht, und Google hat alle drei Fehler inzwischen gepatcht.
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Dolan-Gavitt mit deutlicher Warnung an Verteidiger
Brendan Dolan-Gavitt, der XBOW-Forscher, der die finale Kette mit Hilfe von KI-Agenten baute, erinnert daran, dass für eine Chrome-Voll-Chain früher ein Team von vier Spezialisten sechs bis neun Monate benötigte. In den Release Notes von Google wird er bei zwei der drei Schwachstellen namentlich genannt. Der sechstägige Sprint baute allerdings auf monatelanger Vorarbeit auf, darunter eine erste vollständige Kette, für deren Entwicklung rund zwei Monate nötig waren.
„Sechs Tage und 40.000 Dollar sind nicht viel Zeit oder Geld, wenn am Ende eine Chrome-Voll-Chain steht“, schrieb Dolan-Gavitt. Seine Botschaft an Verteidiger fiel entsprechend knapp aus: „Rüstet eure Abwehr entsprechend auf.“
Gründer Oege de Moor, der die interne Herausforderung bei einem Mitarbeitertreffen im Januar auf Malta formulierte, beschreibt, dass die KI den Quellcode durchsuchte, Hypothesen testete und Exploit-Bausteine entwarf, während Menschen die Ziele auswählten und die Ergebnisse prüften.
Er rechnet damit, dass KI-Agenten innerhalb eines Jahres jede der drei Schwachstellen selbstständig finden können. Forderungen, leistungsfähige Modelle einzuschränken, wies er zurück – das von XBOW genutzte Modell sei ohnehin bereits öffentlich zugänglich. „Das ist kein Grund zur Panik, aber sehr wohl ein Grund, jetzt entschlossen zu handeln“, so de Moor.
Die Prämie knüpft an ein Experiment vom Juli an, bei dem Hacktron-Forscher beobachteten, wie GPT‑5.6 Sol in der Ultra-Konfiguration aus öffentlich einsehbaren V8-Sicherheits-Patches eine funktionierende Chrome-Exploit-Kette zusammenstellte und als Machbarkeitsnachweis den Taschenrechner startete. Dieser Lauf kostete rund 1.597 US‑Dollar, zielte aber ausschließlich auf Schwachstellen, die Google bereits behoben hatte.
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