Liquid Network meldet, dass sich selbst als White-Hat-Hacker bezeichnende Angreifer rund 4.000 Bitcoin (BTC) im Wert von etwa 320 Millionen US‑Dollar aus der Föderations-Wallet gesichert haben. Die Rückzahlung stellen sie erst in Aussicht, wenn eine Schwachstelle im Netzwerk vollständig behoben ist.
Wichtigste Fakten
- Liquid Network berichtet von einem Abfluss von rund 4.000 BTC aus der Föderations-Wallet im Zuge eines Sicherheitsvorfalls.
- Die Hacker kündigten an, den Großteil der Mittel erst zurückzugeben, wenn alle betroffenen Knoten einen Patch erhalten haben.
- Gegen 21:12 Uhr PDT blieben etwa 3.998,5 BTC unberührt, während das Netzwerk faktisch auf Eis lag.
Abfluss von Liquid-Bitcoin
Liquid Network teilte mit, dass der Abzug von rund 4.000 BTC über den SideSwap Peg-out Authorization Key (PAK) erfolgte – betonte jedoch, dass dieser Schlüssel selbst nicht kompromittiert worden sei. Andere Föderations-Schlüssel seien nicht gefährdet gewesen, weitere Vermögenswerte auf der Sidechain nach aktuellem Stand nicht betroffen.
Um Schäden zu begrenzen, deaktivierte das Netzwerk seine Bridge-Nodes. Damit konnten keine neuen Transaktionen mehr eingereicht werden – die Sidechain wurde praktisch angehalten, während die Mitglieder der Föderation an einem Fix arbeiteten.
Blockstream versuchte, die Angreifer über eine signierte On-Chain-Nachricht zu kontaktieren, nachdem diese verlangt hatten, ausschließlich öffentlich über in Bitcoin-Transaktionsdaten eingebettete Botschaften und nicht per E‑Mail zu kommunizieren.
Laut Samson Mow begann der Austausch am 6. September um 11:30 Uhr PDT. Später stellten die Hacker eine Kontaktmöglichkeit über Signal bereit, während Blockstream eine verschlüsselte, PGP-signierte Nachricht übermittelte.
Um 19:20 Uhr PDT erklärten die Hacker, sie beabsichtigten, den Großteil der Gelder zurückzuzahlen, und fragten, ob eine bestimmte Adresse akzeptabel sei. Rund eine Stunde später schrieben sie: „Stellt sicher, dass jeder Node gepatcht ist. Dann transferieren wir das Geld sicher zurück, nachdem wir den Fix bestätigt haben.“ Blockstream antwortete um 20:30 Uhr PDT mit einem „Ja, danke“, während zu diesem Zeitpunkt rund 3.998,5 BTC weiterhin nicht bewegt worden waren.
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Zweifel des Ledger‑CTO
Charles Guillemet, Chief Technology Officer von Ledger, stellte die White-Hat-Darstellung offen in Frage. Seriöse Sicherheitsforscher würden üblicherweise nicht eine gesamte Bridge leerräumen und anschließend das betroffene Projekt auffordern, ausschließlich On‑Chain den Kontakt zu suchen, so seine Einschätzung. Auch der spätere Wechsel auf Signal änderte daran nichts.
Guillemet verwies zugleich auf eine Besonderheit: Klassische Cyberkriminelle suchen in der Regel ebenfalls nicht den direkten Dialog mit ihren Opfern. Nahezu die gesamte abgezogene Bitcoin-Menge verblieb zum Zeitpunkt seiner Äußerungen unter Kontrolle der Angreifer – und die angekündigte Rückzahlung war explizit an die vollständige Implementierung eines Patches geknüpft.
Frühere Bridge-Exploits mahnen zur Vorsicht, wenn Angreifer sich nachträglich als kooperativ darstellen. Beim Ronin-Hack wurden rund 625 Millionen US‑Dollar entwendet, nachdem Validator-Schlüssel kompromittiert worden waren. Im Fall des Euler-Exploits verhandelte der Angreifer später mit dem Projekt und gab sämtliche rückholbaren Mittel zurück.
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