Nasdaq will im Dezember erstmals einen durchgehenden Overnight-Handel einführen und seine Börsenzeiten damit auf 23 Stunden pro Tag ausweiten. Branchenbeobachter sehen darin einen weiteren Schritt hin zu Kryptos „Always-on“-Marktmodell.
Wichtigste Punkte:
- Nasdaq plant eine zusätzliche Overnight-Session von 21 Uhr bis 4 Uhr US-Ostküstenzeit (ET) und damit 23-Stunden-Handel an fünf Tagen pro Woche.
- Der Start ist für den 6. Dezember 2026 vorgesehen, vorbehaltlich der Zustimmung der US-Börsenaufsicht SEC und der technischen Bereitschaft der Marktinfrastruktur.
- Krypto-Manager sehen in dem Vorstoß Teil einer breiteren Bewegung: Rund-um-die-Uhr-Handel, Perpetual Futures und Tokenisierung wandern in die klassische Finanzwelt.
Nasdaqs Handelsplan
In seinen global trading hours FAQ erläutert Nasdaq, dass die Börse eine Genehmigung für eine zusätzliche Overnight-Session von 21 Uhr bis 4 Uhr ET beantragt. Dieses Zeitfenster ergänzt die bestehenden Vorbörsen-, regulären und Nachbörsensitzungen. Die Kernhandelszeit bleibt unverändert.
Der vorgeschlagene Handelskalender soll laut einem Bericht von run künftig von Sonntag 21 Uhr bis Freitag 20 Uhr ET reichen – mit einer täglichen einstündigen Pause für Abwicklung und Systemverarbeitung. Eröffnungs- und Schlussauktionen („Opening“ und „Closing Crosses“) bleiben maßgeblich für die offiziellen Referenzpreise. Nasdaq peilt den 6. Dezember 2026 als Starttermin an, vorausgesetzt, die SEC stimmt zu und der zentrale Kursdatenprozessor (Securities Information Processor) ist bereit.
Bestimmte Ordertypen, darunter unlimitierte Market-Orders sowie spezifische Eröffnungs- und Schlussauktionsorders, sollen in der Overnight-Session nicht zugelassen werden. Offene Aufträge, die um 4 Uhr ET noch im Orderbuch stehen, würden automatisch gelöscht.
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Krypto-Handel als Blaupause
Der ETF-Experte Nate Geraci sieht klassische Börsen inzwischen „nach den Regeln des Kryptomarkts spielen“ und hält es für möglich, dass große Handelsplätze langfristig auf echten 24/7-Betrieb umstellen. Die Parallelen nehmen zu.
Mike Belshe, CEO von BitGo, verweist auf verlängerte Aktienhandelszeiten, Perpetual Futures, Stablecoins und tokenisierte Kredite als Beispiele für Konzepte aus der Kryptoökonomie, die in die traditionelle Finanzwelt eingesickert sind. „Selbst wenn man Krypto skeptisch sieht – man kann nicht leugnen, dass die Innovationen unserer Branche die traditionellen Märkte bereits spürbar verändert haben“, schreibt er.
Umgekehrt gehen Kryptoplattformen einen Schritt in Richtung klassischer Finanzmärkte, indem sie traditionelle Anlageklassen rund um die Uhr handelbar machen. Laut CryptoQuant stieg das monatliche Handelsvolumen in Equity-Perpetual-Futures im Juli auf 250 Milliarden US-Dollar – nach rund 15 Milliarden im April. Auf Binance entfielen demnach etwa 76 % des Volumens.
Die Tokenisierung ist Teil derselben Konvergenzbewegung. Nasdaq arbeitet unter anderem mit Kraken an tokenisierten Aktien und nutzt Krakens xStocks-Infrastruktur, um emittentenunterstützte Equity-Token abzuwickeln.
Die Verschmelzung der Welten vollzieht sich seit Monaten. Kryptobörsen haben 2026 ihr Angebot an durchgehend gehandelten Aktien-Derivaten und tokenisierten Aktien deutlich ausgeweitet. Mit der geplanten Overnight-Session rückt nun auch eine der großen US-Börsen näher an dieses Modell heran – ohne den Schritt zu einem vollständig durchgängigen 24/7-Aktienhandel zu vollziehen.
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