Nvidia hat umfassende Architekturdetails und Benchmarks zu Vera, seinem ersten von Grund auf selbst entwickelten Serverprozessor, veröffentlicht – und damit offen Anspruch auf einen CPU‑Markt erhoben, den der Konzern auf 200 Milliarden Dollar taxiert.
Wichtigste Punkte:
- Nvidia hat am Dienstag die Vera‑Spezifikationen, SPEC CPU 2026‑Resultate und ein Whitepaper veröffentlicht und tritt damit in einen direkten Wettbewerb mit AMD und Intel im KI‑Servergeschäft ein.
- Der Chip integriert 88 eigens entwickelte Olympus‑Kerne und zielt auf agentenbasierte Workloads statt auf klassische, rein kernzahlgetriebene Cloud‑Aufgaben.
- Nach Nvidia‑Angaben gingen erste Muster im Juni an OpenAI, Anthropic und SpaceX, eine breite Cloud‑Adoption steht aber noch aus.
Spezifikationen und Benchmarks der Nvidia‑CPU Vera
Der Konzern hat den Prozessor am Dienstag im Detail vorgestellt und damit die technischen Daten und Messergebnisse geliefert, die Großkunden vor einer Bestellentscheidung verlangen.
Unternehmensvertreter erklärten, die ersten Vera‑Chips seien im Juni bei OpenAI, Anthropic und SpaceX eingetroffen.
Die Unterlagen zeigen 88 Olympus‑Kerne, 176 Hardware‑Threads und einen einheitlichen L3‑Cache von 164 MB auf einem einzelnen Compute‑Die. Jeder Kern nutzt einen Neural‑Branch‑Predictor und einen 10‑fach breiten Decoder. Die Speicherbandbreite liegt bei bis zu 1,2 Terabyte pro Sekunde.
Nvidia gibt eine Leistungsaufnahme zwischen 250 Watt und 450 Watt an.
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Analysten bewerten das Risiko für AMD und Intel
Nvidia behauptet, Vera rechne Agent‑Workloads bis zu 1,8‑mal schneller als x86‑Prozessoren – basierend auf eigenen Tests vom Juli, die bislang nicht unabhängig verifiziert wurden.
Tester, die die Resultate mit AMDs Epyc 9755 verglichen haben, weisen darauf hin, dass es sich weiterhin um inoffizielle Benchmarks handelt.
Gartner‑Analyst Kevin Knox sieht derzeit AMD als Referenz im Bereich von KI‑Server‑CPUs für Unternehmen. Karl Freund, Gründer von Cambrian AI Research, argumentiert, Nvidia habe den Chip entwickelt, um die Abhängigkeit der Kunden von Intel‑ und AMD‑Silizium zu verringern. Das Design besetze eine Kategorie, die Wettbewerber derzeit noch nicht bedienen könnten.
Nvidias CPU‑Strategie und Marktumfeld
Nvidia beziffert das langfristige Volumen des Server‑CPU‑Markts auf 200 Milliarden Dollar und liegt damit deutlich über einer Schätzung von Bernstein, die den ausgereiften Markt für 2025 bei rund 37 Milliarden Dollar verortet. Wolfe Research prognostiziert einen durchschnittlichen Verkaufspreis von etwa 5.000 Dollar pro Chip und rund 1,3 Millionen ausgelieferte Einheiten in diesem Jahr.
Der bisherige Rechenzentrums‑Prozessor Grace setzte noch auf standardisierte Arm‑Neoverse‑Kerne statt auf ein eigenes Design. Analysten, die den Strategiewechsel verfolgt haben, betonen, dass Vera die erste Server‑CPU von Nvidia ist, deren Kerne vollständig in‑house entwickelt wurden. An der Börse haben Anleger die etablierten CPU‑Anbieter bereits neu bewertet: AMD liegt im laufenden Jahr 2026 bislang 128 % im Plus, Intel 149 %, während Nvidia selbst um 8 % zulegen konnte.
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