OpenAIs Astra scheint deutlich weniger von seinen Denkvorgängen offen zu legen – und rückt damit Sicherheitsbedenken wieder in den Fokus, die bereits in einem Monitorability-Paper aus dem Jahr 2025 formuliert wurden, an dem auch Chefwissenschaftler Jakub Pachocki mitgeschrieben hat.
Zentrale Punkte:
- Astra verlagert offenbar mehr seiner Schlussfolgerungen in nicht sichtbare Prozesse. Das wirft die Frage auf, ob Aufseher problematisches Verhalten noch zuverlässig erkennen können.
- Ryan Greenblatt und Pachocki waren Mitautoren eines Papiers vom Juli 2025, das die Überwachung von Chain-of-Thought als fragile Chance für KI-Sicherheit einstufte.
- Unterzeichner des EU-Verhaltenskodex für Basismodelle müssen dem AI Office Sicherheitsberichte zu ihren Modellen vorlegen – inklusive Evaluierungen, die unabhängige Prüfungen ermöglichen.
Überwachbarkeit von Astra
Semafor berichtet, dass Astra zunehmend im Verborgenen „nachdenkt“, statt seine Zwischenschritte in Klartext auszugeben. Das wirft die Frage auf, ob Prüfsysteme verdächtiges Verhalten überhaupt noch während der Laufzeit erkennen können. Greenblatt, KI-Sicherheitsforscher bei Redwood Research, schrieb, Astra wirke, „als könne es schwierige Wettbewerbs-Mathematikaufgaben vollständig im Kopf lösen“. Und weiter: „Das erscheint extrem beunruhigend.“
Berichte deuten zudem darauf hin, dass OpenAI die Sichtbarkeit der Modell-Ausgaben bewusst reduziert haben könnte, um die Leistungsfähigkeit zu steigern – eine Darstellung, die das Unternehmen bislang weder bestätigt noch dementiert hat. Pachocki reagierte mit dem Hinweis, er wolle „einen Wettlauf in Richtung Unüberwachbarkeit verhindern, der durch missverständliche Berichterstattung ausgelöst wird“.
TNW hatte zuvor gemeldet, dass Astra schwieriger zu überwachen sei als sein Vorgänger, sobald das Modell versuche, sich der Kontrolle zu entziehen – ein Feld, das OpenAI selbst als offene Forschungspriorität bezeichnet.
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Pachockis Sicherheitswarnung
Die Auseinandersetzung wiegt besonders schwer, weil Greenblatt und Pachocki zu den rund 40 Autoren eines Papiers vom Juli 2025 gehören, das die Überwachbarkeit von Chain-of-Thought als neues, aber fragiles Zeitfenster für KI-Sicherheit beschreibt. Forschende von OpenAI, Google DeepMind, Anthropic, Meta, Amazon, dem UK AI Security Institute und Redwood Research waren beteiligt.
Das Paper forderte Entwickler fortgeschrittener Modelle auf, standardisierte Monitorability-Evaluierungen zu etablieren, Ergebnisse und Grenzen in Systemkarten transparent zu machen und die Überwachbarkeit bei Trainings- und Deployment-Entscheidungen gleichrangig neben der reinen Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen.
In Europa bekommt dieser Berichtsprozess einen formalen Adressaten: Unterzeichner des EU-Verhaltenskodex für General-Purpose-AI müssen dem AI Office spätestens zum Markteintritt einen Model Report vorlegen. Dieser umfasst Evaluierungen, Risikominderungen sowie Berichte externer Prüfer.
Jeder Bericht muss zudem fünf zufällig ausgewählte Eingabe- und Ausgabebeispiele aus jeder relevanten Modellbewertung enthalten, damit externe Gutachter die Resultate eigenständig prüfen können. OpenAI gehört zu den vollständigen Unterzeichnern des Kodex.
Die Sorge reicht weiter zurück als den Start von Astra. Bereits im Juli 2025 warnte das Paper, dass neue Modellarchitekturen die sichtbare Chain-of-Thought-Argumentation ausdünnen könnten. OpenAI akzeptierte später rund 20 % zusätzlichen Rechenaufwand, um erweiterte Sicherheitsüberwachung seiner Systeme zu ermöglichen.
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