OpenAI hat mit „Computer History“ eine neue ChatGPT-Funktion für macOS vorgestellt, die Mausklicks und Tastenanschläge protokolliert, Rohdaten 48 Stunden lang vorhält und daraus unverschlüsselte Erinnerungseinträge im Klartext erzeugt.
Das Wichtigste im Überblick:
- Computer History zeichnet Klicks, Eingaben, Tastenkürzel und App-Wechsel auf macOS auf und verwandelt sie in durchsuchbare Erinnerungen.
- Die Erinnerungsdateien liegen lokal als unverschlüsseltes Markdown im Klartext vor; andere Programme unter demselben Nutzerkonto können darauf zugreifen.
- Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert und in der Europäischen Wirtschaftszone, der Schweiz und im Vereinigten Königreich nicht verfügbar.
Computer History ersetzt Screenshot-Feature Chronicle
OpenAI hat die Funktion am 13. August im Changelog der Desktop-App angekündigt. Über die macOS‑Bedienungshilfen liest Computer History Klicks, Texteingaben, Tastenkombinationen und App-Wechsel aus, fasst den Datenstrom anschließend in Textzusammenfassungen zusammen und stellt ihn in einer durchsuchbaren Timeline dar.
Chronicle, die bisherige Codex-Research-Preview, setzte stattdessen auf Screenshots.
Das neu aufgesetzte System erfasst weder Bildschirmfotos noch Bildschirmaufnahmen, kein Mikrofon und keinen Systemton und schließt private Browser-Sitzungen vollständig aus.
Nutzer können ChatGPT etwa fragen, woran sie vor einer Pause gearbeitet haben, ein zuvor geöffnetes Dokument wiederfinden oder sich den Arbeitstag zusammenfassen lassen. Die Timeline bündelt alle Einträge nach Datum und Uhrzeit.
Außerdem lesenswert: Bitcoin steht nach 90 Tagen schwacher US-Nachfrage vor erhöhtem Abwärtsrisiko
OpenAI warnt vor Prompt-Injection
In den eigenen Unterlagen warnt OpenAI, dass Computer History die Angriffsfläche für Prompt-Injection vergrößert.
Webseiten mit versteckten Anweisungen könnten ChatGPT oder Codex dazu bringen, diesen Anweisungen zu folgen. OpenAI empfiehlt außerdem, die Funktion bei Gesprächen mit anderen Personen zu deaktivieren – es sei denn, alle Beteiligten haben vorher ausdrücklich zugestimmt.
Die Erinnerungsdateien liegen als Markdown im Klartext ohne Verschlüsselung auf der Festplatte. Damit können andere Anwendungen, die unter demselben macOS-Benutzerkonto laufen, potenziell auf die Inhalte zugreifen. Temporäre Ereignisdateien werden nach 48 Stunden gelöscht.
OpenAI verarbeitet diese Ereignisse auf eigenen Servern und erklärt, sie danach nicht weiter zu speichern – es sei denn, gesetzliche Vorgaben erzwingen dies.
Beim Training zieht OpenAI eine vergleichsweise klare Grenze: Die eigentlichen Erinnerungsdateien fließen nicht in das Modelltraining ein. Inhalte, die später als Kontext in Chats auftauchen, können aber weiterhin zur Modellverbesserung beitragen. Die Zusammenfassungen verbrauchen zudem Tokens, und die gesamte Funktion setzt voraus, dass die separate Einstellung „Memories“ aktiviert ist.
ChatGPT-Rollout macht Bogen um Europa
Computer History ist ab Werk deaktiviert. In Unternehmensumgebungen läuft der Zugriff zunächst über Administratoren, bevor einzelne Nutzer die Funktion eigenständig einschalten können. Einträge lassen sich rückwirkend für die letzten 10 Minuten, die letzte Stunde oder den vergangenen Tag löschen. In der Europäischen Wirtschaftszone, der Schweiz und im Vereinigten Königreich steht die Funktion derzeit nicht zur Verfügung, und sie lässt sich weder per API-Key noch über Amazon Bedrock nutzen.
OpenAI hatte Chronicle im April als Research-Preview für Codex auf dem Mac veröffentlicht – mit Fokus auf alles, was auf dem Bildschirm zu sehen war.
Den Nachfolger beschreibt das Unternehmen nun explizit als komplette Neuentwicklung und nicht als bloße Umbenennung. Der neue Ansatz soll weniger Tokens verbrauchen als die auslaufende Screenshot-Lösung. Beide Varianten verfolgen jedoch dasselbe Ziel: dem Assistenten Kontext zu liefern, der in einem normalen Chatfenster nicht sichtbar wäre.
Als Nächstes lesen: CZ verschiebt 965.000 US-Dollar an Giggle Academy, während sich der Binance-Gründer auf Bildung fokussiert





