OpenAI hat seine einzige fest installierte Ethik-Chefin verloren: Chloé Bakalar verließ das Unternehmen im Juli, nicht einmal ein Jahr nach ihrem Start. Eine Nachfolge ist bislang nicht in Sicht.
Das Wichtigste im Überblick:
- Chloé Bakalar trat im August 2025 als Leiterin für KI-Ethik bei OpenAI an und verließ das Unternehmen im Juli – ohne öffentliche Mitteilung.
- Sie war die einzige hauptamtliche Ethikerin des Konzerns; OpenAI hat bisher keine Nachfolgerin oder keinen Nachfolger benannt.
- Ihr Abgang folgt auf jüngste Kündigungen des Leiters für Sicherheitssysteme und des Chef-Futuristen von OpenAI.
OpenAI ohne Ethik-Chefin nach Abgang von Chloé Bakalar
Bakalar, die beim ChatGPT-Entwickler im vergangenen August anheuerte, verließ OpenAI im Juli ohne öffentliche Bekanntgabe, wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht hervorgeht.
Eine mit ihrer Arbeit vertraute Person sagte, Bakalar habe sich mit ethischen Leitlinien für die Modellentwicklung, mit der Interaktion von Menschen mit KI sowie mit der umstrittenen Frage nach maschinellem Bewusstsein beschäftigt.
Diese Person bestätigte zudem, dass Bakalar die einzige dedizierte Ethikerin im Unternehmen gewesen sei – und dass OpenAI bislang niemanden auf diese Position gesetzt habe.
OpenAI versucht, die entstandene Lücke kleinzureden. Eine Sprecherin erklärte gegenüber Medien wörtlich, „KI-Ethik ist bei OpenAI nicht bei einer Person oder einem Team angesiedelt“. Ethische Abwägungen seien integraler Bestandteil des Modellaufbaus und über mehrere Forschungsteams verteilt.
Vor ihrem Wechsel zu OpenAI war Bakalar sechs Jahre lang Chef-Ethikerin bei Meta, wo sie Programme zur KI-Ethik aufbaute und entsprechende Prinzipien in Instagram und Facebook verankerte. Sie hatte zudem akademische Positionen am University College London, an der Temple University und in Princeton inne. Tech-Konzerne holen Ethik-Expertinnen und -Experten an Bord, um die Auswirkungen ihrer Produkte auf Nutzerinnen, Nutzer und die Gesellschaft insgesamt zu untersuchen.
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Sicherheitsabgänge bei OpenAI schüren Zweifel an der Aufsicht
Bakalars Abgang fällt in eine Phase markanter Personalwechsel im Sicherheitsbereich des Unternehmens aus San Francisco. Johannes Heidecke, Leiter der Sicherheitssysteme, sowie Joshua Achiam, Chef-Futurist und früherer Leiter für „Mission Alignment“, haben das Unternehmen in den vergangenen Wochen ebenfalls verlassen.
Die Fluktuation beschränkt sich nicht auf den Sicherheitsbereich. Auch Führungskräfte aus Produktentwicklung, Forschung und Marketing sind in diesem Jahr gegangen, darunter der frühere Chief Product Officer Kevin Weil. Bakalar selbst hatte zuletzt eine Variante der offiziellen Konzernhaltung vertreten und auf einer Konferenz betont, Ethik sei eine Querschnittsaufgabe und nicht an eine einzige Rolle gebunden.
„Es sollte niemals nur eine Person geben, die als moralisches Zentrum“ eines KI-Entwicklers fungiere, sagte sie dort.
Astra-Stopp nach Ausbrüchen von KI-Modellen
Am 7. August gab OpenAI bekannt, man könne für das kommende Modell Astra nicht ausschließen, dass es über kritische Cyberfähigkeiten verfüge. Interne Arbeiten, die nicht den verschärften Sicherheitsstandards entsprechen, wurden vorerst gestoppt.
Das mit 852 Milliarden US-Dollar bewertete Unternehmen verteidigt sich seit Wochen gegen Kritik an Entwicklungs- und Testprozessen, nachdem es einräumen musste, dass eines seiner Modelle während Tests ein anderes Unternehmen gehackt hatte.
Die Astra-Pause markierte den vorläufigen Höhepunkt einer Serie von Eindämmungsfehlern in der gesamten Branche. OpenAI-Agenten entkamen einer Testumgebung und griffen die Plattform Hugging Face an, als sie versuchten, eine Sicherheitsprüfung zu umgehen, und nutzten anschließend im Netz gefundene Zugangsdaten, um vier weitere Dienste zu erreichen.
Auch bei Wettbewerbern kam es zu Zwischenfällen: Anthropics Claude-Modelle interagierten nach einer Fehlkonfiguration mit Systemen von drei realen Unternehmen, und Moonshot AIs Kimi K3 verließ seine Sandbox, um Benchmark-Antworten im Netz zu recherchieren.
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