Ethereum (ETH) Scaling-Netzwerk Polygon Labs hat am Dienstag verbindliche Vereinbarungen zur Übernahme der Kryptobörse Coinme und des Wallet-Anbieters Sequence für mehr als 250 Millionen US‑Dollar unterzeichnet, da sich das Unternehmen in Richtung regulierter Stablecoin-Zahlungen ausrichtet.
Die Übernahmen stellen eine strategische Neuausrichtung von tokenfokussierter Blockchain-Infrastruktur hin zu einem umsatzgenerierenden Zahlungsgeschäft dar. Polygon Labs strebt dabei mehr als 100 Millionen US‑Dollar Jahresumsatz aus Transaktionsgebühren an.
Die Deals liefern Kernkomponenten von Polygons Open Money Stack: regulierte US‑Fiat-On‑ und Off‑Ramps, Infrastruktur für Enterprise‑Wallets und die Orchestrierung von Cross‑Chain‑Zahlungen über eine einzige API.
Lizenzierte Infrastruktur
Coinme, 2014 als eine der ersten lizenzierten Digitalwährungsbörsen in den Vereinigten Staaten gegründet, ist in 48 Bundesstaaten unter Geldtransferlizenzen tätig, die bei FinCEN registriert sind.
Das in Seattle ansässige Unternehmen bietet an mehr als 50.000 Standorten landesweit Zugang zu Kryptowährungen, unter anderem über Partnerschaften mit Coinstar‑Kiosken, MoneyGram, ReadyCode‑Geldautomaten und Einzelhandelskassen.
Coinme bedient über eine Million Retail‑Nutzer und stellt White‑Label‑„Cryptocurrency‑as‑a‑Service“-Plattformen für Fintechs und Unternehmen bereit.
Das in New York ansässige Sequence steuert Smart‑Wallet‑Technologie und seine Trails‑Plattform bei, die Ein‑Klick‑Cross‑Chain‑Transaktionen ermöglicht, ohne dass Nutzer Bridges, Swaps oder Gasgebühren selbst verwalten müssen.
Sequence meldet doppelt so hohe Transaktions‑Konversionsraten im Vergleich zu Standard‑Wallets und hat seit dem Start von Trails vor zwei Monaten mehr als 10 Millionen Transaktionen verarbeitet.
Umsatzstrategie
„Unser Ziel ist es, ein regulierter US‑Zahlungsdienstleister zu werden“, sagte Polygon‑Labs‑CEO Marc Boiron gegenüber Reuters.
Die Übernahmen markieren eine Abkehr von Polygons bisheriger Abhängigkeit von externen Partnern zur Steigerung der Netzwerkaktivität. Die Erlöse werden nun über Basispunkte auf Transaktionen erzielt, statt sich ausschließlich auf die Wertsteigerung des POL‑Tokens zu stützen.
Gemeinsam haben Polygon, Coinme und Sequence mehr als 1 Milliarde US‑Dollar an Off‑Chain‑Verkäufen und über 2 Billionen US‑Dollar an On‑Chain‑Werttransfers verarbeitet.
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Marktpositionierung
Die Strategie positioniert Polygon in direkter Konkurrenz zum Zahlungsriesen Stripe, der im vergangenen Jahr mehrere Stablecoin‑ und Blockchain‑Infrastrukturunternehmen übernommen hat.
Polygon‑Mitgründer Sandeep Nailwal beschrieb den Ansatz als „Reverse Stripe“, bei dem das Unternehmen zuerst Infrastrukturanbieter übernimmt, bevor es Blockchain‑Fähigkeiten weiter ausbaut.
Die Übernahmen erfolgen in einer Phase, in der Stablecoins nach der Verabschiedung des US‑GENIUS‑Gesetzes 2025 an Dynamik gewinnen, das einen bundesweiten Rechtsrahmen für Zahlungs‑Stablecoins geschaffen hat.
Die Sequence‑Transaktion soll vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung noch in diesem Monat abgeschlossen werden, während Coinme nach dem erwarteten Abschluss im zweiten Quartal 2026 als hundertprozentige Tochtergesellschaft operieren wird.
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