Zentrale Ergebnisse
Kalshi Research wertete mehr als 2,2 Millionen abgewickelte Märkte von der Plattformgründung 2021 bis Mitte 2026 aus. Die Studie zeigt: Kalshi-Preise werden genauer und besser kalibriert, je näher ein Markt der Abwicklung kommt. Handelsvolumen und Händlerbeteiligung verbessern die Kalibrierung, auch wenn die Studie betont, dass Markttiefe nicht alles erklärt.
Prognosemärkte können mehr sein als reine Zockerbörsen – vorausgesetzt, es beteiligen sich genügend Marktteilnehmer.
Eine neue Studie von Kalshi Research zu mehr als 2,2 Millionen abgewickelten Märkten kommt zu dem Ergebnis, dass die Preise auf der regulierten Plattform sich mit zunehmender zeitlicher Nähe zur Ereignisauflösung immer stärker wie echte Wahrscheinlichkeiten verhalten.
Das Working Paper von Nicole Kagan und Rubens Baiocchi analysiert 2.243.741 abgewickelte Kalshi-Märkte in 11 Kategorien – vom Start 2021 bis Mitte 2026.
Aggregiert betrachtet waren die Kalshi-Preise kurz vor der Auflösung „außerordentlich gut kalibriert“: Die Brier Scores fielen von rund 0,08 bis 0,09 im Drei-Monats-Horizont auf etwa 0,02 zum Zeitpunkt des Schlusses. Die naive Treffergenauigkeit stieg im gleichen Zeitraum von 88,3 % auf 97,2 %.
Prognosemärkte im Glaubwürdigkeitstest
Im Kern geht es der Studie um die Frage, ob sich ein Prognosemarktpreis wörtlich als Wahrscheinlichkeit lesen lässt. Vereinfacht: Wenn ein Kontrakt bei 70 Cent handelt, sollte er in einer großen Stichprobe in etwa zu 70 % mit „Ja“ enden.
Die Kalshi-Daten stützen diese Interpretation weitgehend. Die Forscher finden insgesamt gut kalibrierte Preise, die sich mit Annäherung an die Auflösung weiter verbessern. Damit gewinnen Prognosemärkte an Gewicht als Echtzeit-Indikatoren für Händler, Politik, Wissenschaft und Medien.
Das heißt nicht, dass jeder einzelne Marktpreis blind zu vertrauen wäre. Die Verlässlichkeit hängt von Rahmenbedingungen ab: Zeitpunkt, Handelsvolumen und die Zahl der beteiligten Trader spielen eine wesentliche Rolle.
Mehr Händler, schärfere Prognosen
Die wichtigste prospektive Erkenntnis: Tiefere, liquide Märkte liefern klarere Signale. Mit steigendem Handelsvolumen sinken im Schnitt die Brier Scores – die Preise werden also umso präziser, je mehr Aktivität sich im Orderbuch sammelt.
Am deutlichsten zeigt sich dieser Effekt kurz vor der Auflösung. Märkte mit weniger als 10.000 US-Dollar Event-Volumen wiesen im engen Schluss-Horizont einen Brier Score von 0,0635 auf. In Märkten mit mindestens 200.000 US-Dollar Volumen lag der Wert dagegen nur bei 0,0099.
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Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Zahl der Händler. Zum Schlusszeitpunkt lagen Märkte mit weniger als 20 Tradern bei einem Brier Score von 0,0354, während Märkte mit mindestens 1.000 Tradern nur 0,0089 erreichten. Mehr Beteiligung verbessert die Kalibrierung, so der Bericht – zugleich sei die reine Traderzahl ein unvollkommener Indikator, da prominente Ereignisse zwar mehr Händler anziehen, aber zugleich schwerer prognostizierbar sein können.
Nicht jeder Markt ist gleich verlässlich
Über die Kategorien hinweg zeigen sich deutliche Unterschiede. In volkswirtschaftlichen Märkten verbesserten sich die Brier Scores fast linear, weil die Ereignisse meist an planbare Veröffentlichungen wie Verbraucherpreise (CPI), Arbeitsmarktdaten oder BIP-Zahlen gekoppelt sind.
Sport- und „Mentions“-Märkte verliefen komplexer, weil dort Informationen während des laufenden Ereignisses selbst einfließen können.
Entscheidend ist zudem der zeitliche Zuschnitt. In Sport- und Wahlmärkten verschwanden vermeintliche Kalibrierungsprobleme teilweise, sobald die Forscher nicht mehr auf den administrativen Marktschluss, sondern auf den tatsächlichen Eintritt des Ereignisses abstellten.
Diese Unterscheidung ist für die junge Prognosemarktbranche zentral. Wenn Preise zunehmend als öffentliche Wahrscheinlichkeits-Feeds dienen, müssen Nutzer einschätzen können, wann das Signal belastbar ist – und wann es noch verrauscht bleibt.
Die Kalshi-Studie stützt die Glaubwürdigkeit von Prognosemärkten, sendet jedoch eine differenzierte Botschaft: Die besten Preise entfalten ihren Wert als Prognoseinstrument erst dann, wenn ausreichend Information, Liquidität und Händler zusammenkommen.
Mit dem weiteren Wachstum des Marktes steht nun der nächste Test an: Bleibt die beobachtete Kalibrierung bestehen, wenn die Teilnahme über den heutigen, vergleichsweise aktiven Kern hinaus breiter wird?
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