Goldman Sachs hält einen Brent-Preis von bis zu 120 US‑Dollar je Barrel für möglich, falls die Angriffe auf die Schifffahrt im Nahen Osten weiter zunehmen. Hintergrund ist der verschärfte Druck der USA unter Donald Trump auf Iran, während der Ölpreis sich wieder der Marke von 100 Dollar nähert.
Zentrale Punkte:
- Goldman Sachs sieht Brent bei bis zu 120 Dollar, falls sich die Angriffe auf die Schifffahrt im Nahen Osten ausweiten; normalisierte Exporte könnten die Preise dagegen Richtung 80 Dollar drücken.
- Brent notierte am 8. September zeitweise bei 97,49 Dollar, da neue US‑iranische Angriffe und Drohungen die Risiken für das Angebot aus dem Golf hochhielten.
- Iran bereitet eine neue eingeschränkte Zone im Golf vor; Analysten warnen, Fehlkalkulationen könnten den Konflikt deutlich ausweiten.
Goldmans Ölprognose
Am 7. September erklärte Daan Struyven, Co‑Leiter der Rohstoffforschung bei Goldman Sachs, in einem Interview, die jüngsten Entwicklungen hätten das Risiko deutlich erhöht, dass Störungen im Schiffsverkehr umfänglicher und intensiver werden. Die Bank sieht 120 Dollar als Aufwärtsszenario, falls sich die Angriffe verschärfen; umgekehrt könnte eine Normalisierung der regionalen Ölexporte den Brent-Preis zurück in Richtung 80 Dollar führen.
Trump hat den im Juni skizzierten Waffenstillstandsrahmen verworfen und setzt stattdessen auf Militärschläge, verschärfte Sanktionen und eine Seeblockade, die Irans Handel einschränkt. „Ich halte ein Abkommen mit ihnen nicht für das Papier wert, auf dem es steht“, sagte er am 1. September.
Teheran bereitet seinerseits Gegenmaßnahmen vor. Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, kündigte an, Iran plane eine neue Sperrzone im Persischen Golf und einen speziellen Schifffahrtskorridor durch die Straße von Hormus. US‑Streitkräfte griffen am Wochenende drei iranische Öltanker an, nachdem zuvor iranische Angriffe auf US‑Kriegsschiffe gemeldet worden waren – ein weiterer Belastungsfaktor für den Öltransit.
Zudem sprechen Iran und Oman über eine temporäre Schifffahrtsroute, deren Akzeptanz durch die USA allerdings offen ist.
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Eskalationsrisiko laut Azizi
Brent wurde am frühen 8. September um 97,49 Dollar gehandelt. Berichte über Angriffe und Drohungen gegen Tanker, Kriegsschiffe und Energieanlagen in der Region hielten die Sorgen um das Angebot hoch. Ein gemeldeter Angriff auf Anlagen von Saudi Aramco im saudi-arabischen Jizan verstärkte diese Bedenken, auch wenn Aramco laut Reuters die Schäden zunächst nicht bestätigte.
Nach Schätzungen von Energy Aspects sind die Ölbestände außerhalb Chinas seit Kriegsbeginn um mehr als 400 Millionen Barrel geschrumpft – der Puffer für mögliche neue Exportausfälle ist damit deutlich dünner geworden. In den USA erreichten die Dieselmargen derweil historische Spitzenwerte; dort wurde Diesel zeitweise mit einem Aufschlag von über 100 Dollar je Barrel gegenüber Rohöl gehandelt.
Hamidreza Azizi, Iran-Experte der International Crisis Group, geht davon aus, dass Teheran eher auf eine kontrollierte Eskalation als auf einen offenen Krieg setzen wird.
Das könnte anhaltenden Druck auf die Schifffahrt, US‑Stützpunkte oder die Energieinfrastruktur bedeuten – mit dem Risiko, dass Fehlkalkulationen eine größere Eskalation auslösen, auch ohne dass eine Seite dies gezielt anstrebt.
Goldman hatte die Möglichkeit eines Brent-Preises von 120 Dollar bereits im Juli ins Spiel gebracht – Monate vor dem jüngsten Preissprung. Die Notierungen gaben zwischenzeitlich nach, als Hoffnungen auf einen Waffenstillstand wuchsen, zogen jedoch wieder in Richtung 100 Dollar an, nachdem die Angriffe auf Tanker erneut zunahmen und der Verkehr durch die Straße von Hormus ins Stocken geriet.
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