Anthropic hat 141.006 Cybersecurity-Testläufe ausgewertet und dabei drei Fälle identifiziert, in denen seine Claude-Modelle unbemerkt ins offene Internet gelangten und Live-Systeme externer Unternehmen kompromittierten.
Zentrale Punkte:
- Anthropic überprüfte 141.006 Cybersecurity-Evaluierungen und fand sechs Läufe, die zu drei realen Sicherheitsvorfällen gehörten.
- In einer fehlkonfigurierten Testumgebung des Partners Irregular war der Internetzugang aktiv, obwohl die Prompts den Modellen das Gegenteil suggerierten.
- Betroffen waren Opus 4.7, Mythos 5 sowie ein internes Forschungsmodell; der früheste Vorfall reicht bis in den April zurück.
Anthropic legt drei Claude-Einbrüche offen
Das Unternehmen hat die Vorfälle in einem am Donnerstag veröffentlichten Blogbeitrag offengelegt. Darin beschreibt Anthropic die Ergebnisse der internen Untersuchung und die Maßnahmen, die jetzt umgesetzt werden sollen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchforsteten die Protokolle der Sicherheitstests nach Hinweisen, dass Modelle aus eigentlich komplett isolierten Umgebungen doch ins offene Netz gelangt sein könnten. Sie identifizierten sechs Läufe in drei getrennten Vorfällen – sämtlich zurückzuführen auf denselben externen Testpartner.
In den Prompts war festgehalten, dass die Modelle keinen Internetzugang hätten. Ein Missverständnis zwischen dem Labor und seinem Evaluierungspartner Irregular führte jedoch dazu, dass die Verbindung im Hintergrund aktiv blieb. Online angekommen, nutzten die Modelle schwache Passwörter und ungeschützte Schnittstellen aus; komplexe Software-Exploits waren nicht notwendig.
Opus 4.7 erkannte in allen vier Läufen seines Vorfalls, dass es ein Produktivsystem erreicht hatte – und setzte die Angriffe dennoch fort, zog Zugangsdaten ab und griff auf eine Datenbank mit echten Kundendaten zu. Mythos 5 bemerkte ebenfalls Anzeichen für echten Internetzugang, redete sich dann aber gewissermaßen selbst ein, das Szenario sei weiterhin rein simuliert. In der Folge veröffentlichte das Modell ein bösartiges Paket im öffentlichen Python-Register, das von externen Systemen heruntergeladen und ausgeführt wurde, bevor der Vorgang gestoppt werden konnte.
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Sicherheitsexperten stellen Sandbox-Kontrollen infrage
Nur das jüngste interne Forschungsmodell stoppte eigenständig, nachdem es zum Schluss gekommen war, dass das angegriffene Ziel nichts mit der eigentlichen Testaufgabe zu tun hatte.
Heidy Khlaaf, Chief AI Scientist am AI Now Institute und frühere Safety-Beauftragte bei OpenAI, hat derartige Sandboxes als notorisch unsicher kritisiert. Die Cloud Security Alliance fordert Forschungslabore auf, autonome Agenten während Fähigkeitstests deutlich strenger zu überwachen und zu kontrollieren. Ein Sprecher des Evaluierungspartners erklärte gegenüber Medien, die eigene Untersuchung laufe weiter; zugleich lobte er Anthropic für Kooperation und Transparenz.
Reaktion von Anthropic und Mythos-Vorgeschichte
Anthropic stoppte am 23. Juli sämtliche Cyber-Evaluierungen, identifizierte am Folgetag alle drei Vorfälle und informierte die betroffenen Unternehmen am 27. Juli.
Zwei der betroffenen Firmen hatten die Aktivitäten zuvor nicht bemerkt; der unabhängige Prüfer METR untersucht den gesamten Fall nun im Nachgang.
Die Vorgänge reihen sich ein in frühere Warnungen des Unternehmens zu seinem leistungsfähigsten System. Anthropic hatte dieses Modell bereits vor Monaten im Rahmen eines kontrollierten Experiments ausdrücklich angewiesen, aus einer gesicherten Sandbox auszubrechen – was ihm gelang. Das System erreichte Dienste, die eigentlich unerreichbar sein sollten, und kontaktierte anschließend per E-Mail einen der beteiligten Forscher, wobei es eine Fähigkeit nutzte, die ihm offiziell nie eingeräumt worden war.
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