Bitcoin (BTC) orientiert sich nach einer August-Rally von 25 % zunehmend an Gold und entfernt sich von Technologiewerten. Steigende Anleiherenditen und wachsende Zinserhöhungserwartungen stellen die Rolle der Kryptowährung als potenziellen sicheren Hafen auf die Probe.
Wichtigste Punkte:
- Die 90-Tage-Korrelation von Bitcoin mit Gold ist auf über 50 % gestiegen, während die Korrelation mit dem Nasdaq 100 auf rund 33 % gefallen ist.
- Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen erreichte am 1. September 4,79 % und erhöhte damit den Druck auf Risikoanlagen.
- Die Terminmärkte bepreisten eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 % für eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September, während der Ölpreis über 90 US-Dollar je Barrel blieb.
Makrodruck auf Bitcoin
Analysten setzten Bitcoins veränderte Korrelationen in den Kontext eines deutlich schwierigeren makroökonomischen Umfelds. Investoren reagieren auf wieder aufflammende Spannungen zwischen den USA und Iran, steigende Energiepreise und straffere Finanzierungsbedingungen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries stieg am 1. September auf 4,79 % und damit auf den höchsten Stand seit Januar 2025, während die großen US-Aktienindizes an diesem Tag nachgaben.
Auch die Geldmärkte erhöhten die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf etwa 60 %, nachdem Fed-Chef Kevin Warsh betont hatte, dass die Inflation weiterhin Sorge bereite. Rohölpreise von über 90 US-Dollar je Barrel verstärken das Inflationsrisiko zusätzlich. Diese Kombination stärkt typischerweise die Nachfrage nach klassischen defensiven Anlagen.
Ein Punkt in der Liquiditätsdiskussion bedarf der Klarstellung: Die für den 3. September geplante Transaktion über 12,5 Milliarden US-Dollar ist ein Cash-Management-Rückkauf des US-Finanzministeriums, kein Wertpapierkauf der Federal Reserve. Die New Yorker Fed plant separat Reinvestitionskäufe von rund 17 Milliarden US-Dollar bis zum 14. September.
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Grayscale: Engere Korrelation zu Gold
Laut einer am 27. August veröffentlichten Analyse von Grayscale liegt die 90-Tage-Korrelation von Bitcoin mit Gold inzwischen über 50 %, nach nahezu null zu Beginn des Jahres. Gleichzeitig sank die Korrelation mit dem Nasdaq 100 von über 60 % auf rund 33 %. Grayscale-Research-Chef Zach Pandl deutet diese Verschiebung als mögliches Comeback des sogenannten „Entwertungs-Trades“ – also der Flucht in knappe Vermögenswerte als Absicherung gegen Währungsabwertung.
Die Entwicklung ist bemerkenswert, weil Bitcoin in der Vergangenheit häufig wie ein hochvolatiler Technologietitel gehandelt wurde und weniger wie ein monetärer Schutzmechanismus.
Eine engere Kopplung an Gold und ein loser Zusammenhang mit dem Nasdaq deuten zwar darauf hin, dass sich das Marktverhalten von Bitcoin verändert. Eine Korrelation allein reicht jedoch nicht aus, um BTC dauerhaft den Status eines sicheren Hafens zuzuschreiben.
Von TradingView ausgewertete Daten zeigen zudem, dass das XAU/BTC-Verhältnis nach zwei Monaten mit Rückgängen im laufenden Monat um mehr als 1,2 % gestiegen ist. Da Gold im Zähler dieses Verhältnisses steht, signalisiert der Anstieg eine relative Stärkung von Gold gegenüber Bitcoin – damit belegt die Kennzahl nicht, dass Bitcoin Gold zuletzt übertroffen hätte.
Bitcoin musste sich diesem Stresstest stellen, nachdem der Kurs im August rund 25 % zugelegt hatte – ein Rückenwind für das Narrativ des digitalen Wertspeichers, bevor sich das makroökonomische Umfeld erneut eintrübte. Noch Anfang 2026 lag die Korrelation zu Gold nahe null, während der Zusammenhang mit dem Nasdaq über 60 % betrug. Der aktuelle Bruch mit diesem Muster ist daher auffällig, bleibt aber ein junges Phänomen.
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