Ethereum-(ETH)-Mitgründer Vitalik Buterin warnt, dass KI-gestützte mathematische Verfahren verbreitete Kryptografie womöglich früher als erwartet schwächen könnten – rät Anlegerinnen und Anlegern aber zugleich davon ab, vorschnell Guthaben zu verschieben.
Wichtigste Punkte:
- Buterin hält es für möglich, dass KI mathematische Abkürzungen für ECDSA, gitterbasierte Verfahren und andere strukturierte Kryptografie findet.
- Er lehnt sofortige Massen-Migrationen von Wallets ab und verweist auf hohe Verluste durch schlecht umgesetzte Umzüge.
- Coinbase-Krypto-Chef Yehuda Lindell betont, es gebe keinerlei Hinweise, dass elliptische Kurven kurz vor dem Kollaps stehen.
Buterins Warnung vor hektischen Wallet-Umzügen
Auslöser der Debatte war ein Aufruf von Ethereum-Forscher Justin Drake, die Branche müsse sich auf einen „Bunker-Modus“ vorbereiten, wie CryptoPotato am 8. Oktober berichtete. Drake forderte, Großanleger sollten neue Adressen nutzen, deren öffentliche Schlüssel zunächst nur als Hash sichtbar sind – aus Sorge, die hinter ECDSA stehenden Annahmen könnten im Extremfall in Monaten statt in Jahren fallen.
Buterin trat auf die Bremse. Nutzer sollten jetzt nicht „in Panik versuchen, all ihre Gelder in neue Wallets zu verschieben“, schrieb er. Gleichwohl plädiert er dafür, das Ökosystem schrittweise von Verfahren wegzuführen, die sowohl für Quantenangriffe als auch für mögliche, von KI entdeckte mathematische Abkürzungen anfällig sind.
Seine Sorge erstreckt sich auch auf gitterbasierte Kryptosysteme, etwa in ML-DSA und vollhomomorpher Verschlüsselung. Die abgespeckte Ethereum-Roadmap bevorzugt daher Hash-basierte Signaturen wie WOTS und SPHINCS-, wo immer das praktikabel ist, und vermeidet Gitterkonstruktionen und verwandte Commitments in Zero-Knowledge-Proofs, sofern Alternativen zur Verfügung stehen.
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Widerspruch von Yehuda Lindell
Yehuda Lindell, Leiter Kryptografie bei Coinbase, widersprach Drakes Szenario deutlich. Es gebe „überhaupt keine Hinweise“ darauf, dass die seit Jahren genutzten Annahmen hinter elliptischen Kurven kurz vor dem Bruch stünden, betonte er. Auch die jüngsten KI-getriebenen Fortschritte in der Mathematik zeigten nicht, dass ECDSA unmittelbar vor dem Kollaps stehe.
Ein tatsächlicher Durchbruch gegen elliptische Kurven würde weit über Krypto-Wallets hinausreichen: Digitale Zertifikate, Banking-Software, verschlüsselte Websites, VPN-Lösungen und zahlreiche weitere Public-Key-Systeme wären gleichermaßen betroffen – das Problem wäre damit weit größer als eine reine Blockchain-Frage.
Buterin positioniert sich zwischen Alarmismus und Beschwichtigung: Er will die Branche auf strukturelle Risiken vorbereiten, ohne Nutzer durch abrupte Zwangsmigrationen zu gefährlichen Schnellschüssen zu verleiten.
Für Multisig-Wallets korrigierte er eine frühere Empfehlung und rät nun, dass jede signierende Partei ihre Schlüssel nach jeder Transaktion erneuern sollte. Zugleich warnte er, missglückte Migrationen hätten ihn persönlich bereits mehr gekostet als sämtliche Hacks zusammen.
Die Auseinandersetzung fügt sich in Ethereums längerfristigen Kurs, Kryptodesigns robuster gegen künftige Durchbrüche zu machen. In der „lean roadmap“ rückt Buterin zunehmend Hash-basierte Werkzeuge in den Vordergrund. Zugleich räumt er ein, dass Public-Key-Verschlüsselung für Kommunikation und Finanzinfrastruktur unverzichtbar bleibt – und möglicherweise künftig mit deutlich größeren Schlüsseln auskommen muss.
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