OpenAI rollt GPT‑6 in ChatGPT mit einer „Intelligent UI“ aus – einer neuen Oberfläche, die Antworten für mehr als 1,2 Milliarden wöchentliche Nutzer um interaktive Charts, Formulare und Rechner ergänzt.
Wichtigste Punkte:
- GPT‑6 mit Intelligent UI ist seit dem 7. Oktober in den Bezahlabos von ChatGPT verfügbar, die Gratisangebote folgten einen Tag später.
- Antworten können nun druck- und klickbare Buttons, Charts, Formulare sowie kleine Tools wie einen Rechnungs-Splitter enthalten.
- Tech-Autoren sehen Chancen, aber auch Risiken: Konkurrenz für Rechner-Websites, zugleich neue Angriffsfläche für Halluzinationen.
Details zum GPT‑6-Rollout
OpenAI hat die Einführung in einem Blogpost am 7. Oktober angekündigt und erklärt, GPT‑6 sei darauf trainiert worden, Antworten aus Text, visuellen Elementen und interaktiven Bausteinen zu komponieren – passend zur jeweiligen Fragestellung. Zuerst waren die zahlungspflichtigen Pläne an der Reihe.
Abonnenten der Tarife Plus, Pro, Business und Enterprise erhielten noch am selben Tag Zugriff. Am 8. Oktober erreichte der Rollout laut einem Bericht von Engadget auch die kostenlosen Free- und Go-Konten, wobei die Verfügbarkeit in Enterprise-Umgebungen von den Einstellungen der jeweiligen IT-Administration abhängt.
In den Bezahlstufen läuft ein Modell namens GPT‑6 Sol, während Free- und Go-Nutzer auf das etwas abgespeckte GPT‑6 Luna zurückgreifen. Die Modelle hinter ChatGPT Work und Codex bleiben unverändert. Als Anwendungsbeispiele nennt das Unternehmen unter anderem einen Rentensparrechner, einen Rechnungs-Splitter, eine Roadtrip-Karte, eine Fahrradgrafik mit antippbaren Bauteilen sowie ein Retro-Spiel, das direkt im Chatfenster läuft.
Auch die Geschwindigkeit hat sich verändert. Das Modell kann mit der Antwort beginnen, während es noch „im Hintergrund“ weiter argumentiert. Laut OpenAI liefert GPT‑6 Instant Antworten auf Websuchanfragen im Schnitt 44 % schneller als GPT‑5.6 Instant. Eine Bibliothek vorgefertigter Komponenten und ein Compiler sorgen dafür, dass die Oberfläche sukzessive aufgebaut wird, während das Modell den Inhalt generiert – statt erst am Ende als fertiger Block zu erscheinen.
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Selvan über visuelle Antworten
Aarush Selvan, Produktmanager bei OpenAI, sagte gegenüber Reportern in einem Interview mit TechCrunch ausgeführt, ChatGPT sei bislang im Kern ein Textprodukt gewesen. Für Aufgaben wie die Reiseplanung seien „die hilfreichsten Antworten aber nicht nur Text“. Er demonstrierte die neue Oberfläche, indem er ChatGPT fragte, wie ein Flugzeugflügel Auftrieb erzeugt. Der Chatbot antwortete mit mehreren Diagrammen, die veranschaulichten, wie Flugzeuge in der Luft bleiben.
Der Suchmaschinen-Analyst Matt G. Southern argumentierte im Fachmagazin Search Engine Journal argumentiert, dass Websites, die ihr Geschäftsmodell auf Rechnern und Konvertern aufbauen, neue Konkurrenz bekommen könnten – schließlich lassen sich entsprechende Tools nun direkt im Chat anfordern, ohne die Anwendung zu verlassen.
Technologieautor AJ Dellinger warnte in einem Beitrag für Gizmodo gewarnt, die neue Oberfläche könne den Token-Verbrauch erhöhen, während visuelle Elemente eine zusätzliche Ebene schaffen, auf der Halluzinationen auftreten können. OpenAI räumt selbst ein, dass das „Gestaltungsurteil“ des Modells – also die Entscheidung, welche visuellen Elemente sinnvoll sind – noch nicht perfekt ist.
Googles Vorstoß mit generativer UI
Generierte Benutzeroberflächen sind für die Branche kein Neuland.
Google hatte bereits im vergangenen Jahr mit seinem Modell Gemini 3 eine vergleichbare generative Oberfläche vorgestellt. ChatGPT selbst führte im Juni interaktive Charts ein, nachdem im März bereits interaktive Mathematik- und Wissenschaftsmodule ausgerollt worden waren. GPT‑6 kam etappenweise: Die Varianten Sol und Luna starteten zunächst am 22. September für ChatGPT Work, Codex und die API – und damit rund zwei Wochen, bevor sie das zentrale Chat-Produkt erreichten.
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