Anthropic führt weltweit unsichtbare Wasserzeichen für von Claude erzeugte Texte sowie signierte Herkunftsnachweise für Dateien ein – eine Reaktion auf EU-Vorgaben, die von rund 190 Unterzeichnern unterstützt werden und nun deutlichen Widerstand auslösen.
Wichtigste Punkte:
- Claude-Texte erhalten maschinenlesbare Wasserzeichen, die auch nach Kopieren und Einfügen erhalten bleiben sollen; unterstützte Dateien bekommen signierte Herkunftsmetadaten.
- Die Vorgaben gelten weltweit für unterstützte Claude-Modelle; ältere Modelle werden in einer Übergangsphase nachgerüstet.
- Kritiker warnen, dass Lektoratsarbeiten und Programmierprojekte gekennzeichnet werden könnten, obwohl der Großteil der Inhalte von Menschen stammt.
Wasserzeichen bei Claude
Anthropic hat das Kennzeichnungssystem skizziert und damit seine Zusagen im Rahmen des Transparenzregimes des EU-AI-Act untermauert. Claude-Modelle, die in der EU am oder nach dem 2. August eingeführt wurden, unterstützen die Markierung von Beginn an; ältere Modelle sollen schrittweise angepasst werden.
Das System bettet ein für Menschen nicht wahrnehmbares Wasserzeichen direkt in den generierten Text ein. Unterstützte Dateiformate wie SVG-, PNG- und JPG-Bilder erhalten zusätzlich digital signierte C2PA-Herkunftsmetadaten. Laut Anthropic beeinträchtigt die Textmarkierung weder Bedeutung noch Qualität oder Lesbarkeit. Forbes berichtete, dass Nutzer die Kennzeichnung nicht abwählen können.
Die Technik hat Grenzen. Starke Überarbeitungen, Paraphrasierungen, Übersetzungen oder die Vermischung von Claude-Ausgaben mit anderen Texten können das Signal im Text so verändern, dass es nicht mehr nachweisbar ist. Bei Dateien können Konvertierungen, erneutes Abspeichern oder Screenshots die Herkunftsmetadaten entfernen.
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Kritik an Claude
Die Ankündigung stieß auf X und Reddit auf deutliche Ablehnung – insbesondere bei Menschen, die Claude als Lektoratshilfe nutzen, sowie bei Entwicklerinnen und Entwicklern, die Wasserzeichen in Code-bezogenen Projekten befürchten. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.
Der Radiomoderator und Blogger Erick Erickson nannte es „lächerlich“, dass sein eigener Text nach einem Korrekturdurchlauf mit Claude als markiert gelten könnte.
Damit tritt ein zentraler Unterschied in Anthropic’s eigener Darstellung zutage: Ein nachgewiesenes Wasserzeichen bedeutet lediglich, dass Claude Inhalte verarbeitet haben könnte – nicht, dass Claude der ursprüngliche Urheber ist. Das Unternehmen weist ausdrücklich darauf hin, dass auch Lektorat, Übersetzungen, Zusammenfassungen und Dateikonvertierungen zu gekennzeichneten Ausgaben führen können, obwohl das Ausgangsmaterial von woanders stammt.
Der EU-Verhaltenskodex selbst ist freiwillig, doch die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des AI Act gelten seit dem 2. August verbindlich. Bis Ende Juli hatten rund 190 Organisationen den Kodex unterzeichnet, darunter Google, Meta, Microsoft, OpenAI und Anthropic.
Die Entwicklung reicht über Claude hinaus. OpenAI dokumentiert inzwischen C2PA-Metadaten und SynthID-Wasserzeichen für unterstützte Bilder sowie SynthID für bestimmte Audiomaterialien; in den derzeit öffentlich verfügbaren Herkunftstools tauchen Textformate jedoch nicht unter den nachweisbaren Kategorien auf.
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