Anthropic stattet Texte von Claude sowie unterstützte Dateien weltweit mit unsichtbaren Wasserzeichen und signierten Herkunftsnachweisen aus – ein Schritt im Rahmen der EU-Transparenzregeln, der trotz rund 190 Unterstützern auf Widerstand stößt.
Wichtigste Punkte:
- Claude-Texte erhalten maschinenlesbare Wasserzeichen, die auch beim Kopieren und Einfügen erhalten bleiben können; unterstützte Dateien tragen signierte Herkunfts-Metadaten.
- Die Regelung gilt weltweit für unterstützte Claude-Modelle; ältere Modelle werden in einer Übergangsphase nachgerüstet.
- Kritiker befürchten, dass Lektorats- oder Programmierarbeit als KI-generiert markiert wird, obwohl der Großteil des Inhalts von Menschen stammt.
Claude-Wasserzeichen
Anthropic hat das Kennzeichnungssystem am 11. August als Teil seiner Zusagen im Transparenzrahmen des EU-KI-Gesetzes vorgestellt. Claude-Modelle, die in der EU ab dem 2. August gestartet sind, unterstützen die Markierung von Beginn an; für frühere Modelle arbeitet das Unternehmen an einer Nachrüstung.
Das System bettet ein nicht wahrnehmbares Wasserzeichen direkt in generierten Text ein; unterstützte Dateien wie SVG-, PNG- und JPG-Bilder erhalten zusätzlich digital signierte C2PA-Herkunftsmetadaten. Laut Anthropic beeinflusst die Textmarkierung weder Bedeutung noch Qualität oder Lesbarkeit. Forbes berichtet, dass Nutzer diese Funktion nicht deaktivieren können.
Die Kennzeichnung hat Grenzen: Starke Überarbeitung, Paraphrasierung, Übersetzung oder das Mischen von Claude-Ausgaben mit anderem Text können das Signal im Text unkenntlich machen. Bei Dateien können Formatumwandlungen, erneutes Abspeichern oder Screenshots die Herkunftsmetadaten entfernen.
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Kritik an Claude
Die Ankündigung löste auf X und Reddit deutliche Kritik aus – vor allem von Nutzern, die Claude für Lektoratsarbeiten einsetzen, sowie von Entwicklern, die befürchten, dass auch Code-Artefakte mit Wasserzeichen versehen werden. Die Reaktionen setzten unmittelbar ein.
Der Radiomoderator und Blogger Erick Erickson nannte es „lächerlich“, dass von ihm verfasste Texte als markiert gelten könnten, nur weil Claude beim Korrekturlesen geholfen hat.
Diese Kritik verweist auf einen zentralen Punkt in Anthropics eigenen Erläuterungen: Ein festgestelltes Wasserzeichen zeigt an, dass Claude Inhalte verarbeitet haben könnte – nicht zwingend, dass der Text ursprünglich von Claude stammt. Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass auch Lektorat, Übersetzung, Zusammenfassungen und Dateikonvertierungen zu gekennzeichneten Ausgaben führen können, obwohl die Ursprungstexte von Menschen stammen.
Der EU-Verhaltenskodex selbst ist freiwillig. Die Transparenzpflichten nach Artikel 50 des KI-Gesetzes sind jedoch seit dem 2. August rechtlich bindend. Bis Ende Juli hatten rund 190 Organisationen den Kodex unterzeichnet, darunter Google, Meta, Microsoft, OpenAI und Anthropic.
Die Entwicklung reicht über Claude hinaus. OpenAI dokumentiert inzwischen C2PA-Metadaten und SynthID-Wasserzeichen für unterstützte Bilder sowie SynthID für unterstützte Audioinhalte, während die aktuell öffentlich verfügbaren Herkunftstools Text noch nicht als erkennbares Format ausweisen.
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