Eine jahrelang unentdeckte Firmware-Schwachstelle in Coldcard-Wallets ermöglichte Angreifern den Diebstahl von Bitcoin im Wert von 70 Mio. Dollar in Bitcoin (BTC). Der Vorfall veranlasste Changpeng Zhao (CZ) zu der Warnung, dass selbst Cold-Storage-Lösungen keinen absolut sicheren Schutz bieten.
Wichtigste Punkte:
- Analysten verfolgten 1.082,65 BTC aus 1.196 Wallets, die innerhalb von nur 41 Minuten am 30. Juli leergeräumt wurden.
- CZ riet Anlegern, ihre Bestände über mehrere Wallets zu streuen.
- Der Hersteller hat korrigierte Firmware veröffentlicht, doch Nutzer müssen Seeds ersetzen, die mit den betroffenen Versionen erzeugt wurden.
Der Bitcoin-Aderlass bei Coldcard
Forscher von Galaxy Research und Block rekonstruierten die Abflüsse aus 1.196 Wallets in einem Angriff, der zwischen 1:10 Uhr und 1:51 Uhr UTC am 30. Juli stattfand. Insgesamt wurden 1.082,65 BTC transferiert – fast doppelt so viel wie zunächst vermutet.
Galaxy zufolge erstreckte sich die Aktivität über sechs Blöcke, wobei drei Blöcke ohne einschlägige Transaktionen blieben. Das deutet darauf hin, dass die Angreifer ihre Transaktionen in Batches bündelten. Die Geräte selbst wurden dabei nie physisch berührt. Bis zum 1. August lagen die gestohlenen Mittel noch auf vier Adressen.
Die Schwachstelle geht auf eine Software-Änderung aus dem März 2021 zurück: Die Seed-Generierung wurde von dem vorgesehenen Hardware-Zufallszahlengenerator auf einen vorhersehbareren Fallback umgeleitet. Coinkite bezifferte die effektive Sicherheitsstufe bei Mk3-Geräten auf rund 40 Bits und bei später betroffenen Modellen auf etwa 72 Bits – deutlich unter dem, was im Kryptobereich als sicher gilt.
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CZ warnt vor Blindvertrauen in Wallets
Changpeng Zhao, Gründer und Ex-CEO von Binance, betonte, der Fall zeige, dass eine lange Produkt-Historie Software-Risiken nicht eliminiert. „Auch Hardware-Wallets können Bugs haben“, schrieb er. Nutzer sollten ihre Bestände auf mehrere Wallets verteilen – allerdings sei auch diese Strategie nicht frei von Risiken.
Mehrere Wallets bedeuten zusätzliche Backups und komplexere Wiederherstellungsprozesse. Diversifikation verringert zwar das Klumpenrisiko, erhöht aber die operative Fehleranfälligkeit – etwa durch falsch dokumentierte Seeds oder vertauschte Backups.
Coinkite hat mittlerweile korrigierte Firmware für Mk3-, Mk4-, Mk5- und Q-Modelle veröffentlicht. Ein bloßes Update reicht jedoch nicht aus, um einen bereits schwachen Seed zu „reparieren“. Das Unternehmen erklärte, dass Seeds, die mit mindestens 50 echten Würfelwürfen erzeugt wurden, allein durch diese Entropie gegen genau diese Schwachstelle geschützt waren. Alle anderen betroffenen Nutzer sollen einen neuen Seed erzeugen, ihn mittels Testtransaktion verifizieren und anschließend die restlichen Mittel umziehen.
Block führt zudem das ältere Mk2-Modell als potenziell verwundbar, obwohl Coinkites eigene Sicherheitsmitteilung dieses Gerät nicht explizit nennt. Besitzer können einen Seed nicht direkt auf seine Stärke testen. Forscher warnen daher, dass weitere „Säuberungswellen“ möglich sind, solange angreifbare Wallets noch werthaltig bestückt sind.
Die Lücke in der Coldcard-Seed-Erzeugung wurde im März 2021 eingeführt und blieb in den betroffenen Releases bis zu den Notfall-Patches Ende Juli 2026 bestehen. Dieser Fünfjahreszeitraum erklärt, warum insbesondere ältere Wallets gefährdet sind, deren Inhaber lange Inaktivität fälschlicherweise als Sicherheitsbeweis gewertet hatten.
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