Ledger und Trezor haben ihre Kunden beruhigt: Die Guthaben seien sicher, nachdem eine Firmware-Schwachstelle in den Wallets des Konkurrenten Coldcard einen Diebstahl von Bitcoin im Wert von 70 Millionen US‑Dollar innerhalb von nur 41 Minuten ermöglicht hatte.
Die wichtigsten Punkte:
- Ledger, Trezor, Bitkey, Jade und Tangem erklären, dass der Coldcard-Firmwarefehler ihre Geräte nicht betrifft.
- Angreifer leerten am 30. Juli 1.082,65 BTC von 1.196 Adressen – fast doppelt so viel wie zunächst gemeldet.
- Die Bitcoin-Stimmung in sozialen Medien fiel auf ein Rekordtief, Spot-ETFs verzeichneten am 31. Juli Abflüsse von 265,4 Mio. US‑Dollar.
Ledger und Trezor weisen Verbindung zur Coldcard-Lücke zurück
Ledger erklärte, man sei von der Coldcard-Mk3-Warnung nicht betroffen. Als Grund nannte das Unternehmen einen zertifizierten Zufallszahlengenerator, der in den Secure-Element-Chip der Geräte integriert ist.
Trezor teilte seinen Kunden am Freitag mit, der Fehler liege in der proprietären Firmware von Coinkite, die Trezor nicht verwende. Auch Bitkey, Jade und Tangem beeilten sich, ihre Nutzer binnen Stunden zu versichern, dass deren Hardware-Wallets nicht betroffen seien.
Trezor verband die Entwarnung jedoch mit einem Vorbehalt: Wer seine Seed-Phrase ursprünglich auf einer kompromittierten Coldcard erzeugt und später auf ein anderes Gerät übertragen hat, bleibt gefährdet – da die unzureichende Zufälligkeit in der Seed selbst steckt und mitwandert.
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Bitcoin-Stimmung fällt auf historischen Tiefstand
Galaxy Research führte den koordinierten Abzug der Gelder auf ein 41‑minütiges Zeitfenster in den frühen Stunden des 30. Juli zurück: 1.082,65 BTC wurden von 1.196 Adressen abgezogen – rund doppelt so viel wie die zuerst gemeldeten 594 BTC. Santiment erfasste anschließend ein Verhältnis von bullischen zu bärischen Kommentaren von lediglich 0,58 – den schwächsten Bitcoin-Wert seit Beginn der Messung.
Der Stimmungsumschwung schlug sich rasch in den Kapitalflüssen nieder.
US‑amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs verbuchten am 31. Juli Nettoabflüsse von 265,4 Mio. US‑Dollar und beendeten damit eine zweitägige Zuflussserie. Auf BlackRock’s IBIT entfielen 122,7 Mio. US‑Dollar, gefolgt von Fidelitys FBTC mit 54,8 Mio. US‑Dollar. Der Bitcoin-Kurs selbst hält sich seit dem knapp 3‑prozentigen Rückgang am Freitag um die Marke von 63.000 US‑Dollar.
Ido Ben-Natan, Chef des Sicherheitsunternehmens Blockaid, argumentierte, dass der Großteil der Kryptoverluste im Jahr 2026 auf kompromittierte private Schlüssel zurückgehe – und nicht auf fehlerhafte Smart Contracts. Joe Burnett von Strive schrieb, der Vorfall könne das Vertrauen in Self‑Custody dauerhaft verändern und die Präferenzen vieler Anleger neu ausrichten.
Zeitleiste der Coldcard-Firmwarelücke
Die Schwachstelle blieb fünf Jahre lang unentdeckt. Ingenieure von Block verfolgten sie bis zu einem Code-Commit vom 1. März 2021 zurück, der mit Firmware-Version 4.0.0 ausgeliefert wurde und die Seed-Generierung stillschweigend auf eine softwarebasierte Lösung umleitete.
Die effektive Entropie der Mk3-Geräte sank damit auf rund 40 Bit – weit entfernt von den 128 Bit, die eine Standard-Seed-Phrase aufweisen sollte.
Coinkite veröffentlichte rund 30 Stunden nach Beginn der Abzüge eine erste öffentliche Warnung, die zunächst Mk3-Geräte betraf und später auf die Modelle Mk4, Mk5 und Q ausgeweitet wurde.
Ein bloßes Firmware-Update reicht allerdings nicht aus: Seeds, die bereits unter verwundbarer Firmware erzeugt wurden, bleiben vergleichsweise leicht zu erraten – und damit ein dauerhaftes Risiko.
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