Das Digital Pound Lab der Bank of England erprobt, ob Stablecoins und ein künftiger digitaler Pfund innerhalb desselben Trade-Finance-Workflows funktionieren können – ein Schritt, der zeigt, wie öffentliches und privates Digitalgeld künftig bei grenzüberschreitenden Unternehmenszahlungen zusammenspielen könnten.
NOBO Finance, Dun & Bradstreet und Polygon Labs wurden laut einer Mitteilung der beteiligten Firmen als Teilnehmer der zweiten Phase des Labs benannt.
Das Experiment nutzt weder echte Kunden noch echtes Geld, sondern ist darauf ausgelegt, künftige Zahlungsinfrastruktur und Interoperabilität in einer kontrollierten Umgebung zu testen.
Im Fokus steht ein zähes Kernproblem der Handelsfinanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen: Grenzüberschreitende Transaktionen beruhen weiterhin auf fragmentierten Prüfprozessen, manuellen Kontrollen und Abwicklungswegen, die sich über Tage hinziehen können. Für KMU bedeutet diese Verzögerung, dass Kapital zwischen Warenausgang und Zahlungseingang gebunden bleibt.
Stablecoins und digitaler Pfund in einem durchgängigen Ablauf
Der wichtigste Arbeitsstrang ist ein auf einem elektronischen Konnossement (Bill of Lading) besicherter Forderungsverkauf mit Multi-Rail-Abwicklung. Nach dem vorgesehenen Modell erhält der Exporteur eine Vorfinanzierung über eine Stablecoin-Infrastruktur, während der britische Importeur die finale Zahlung in digitalen Pfund leistet.
Dieses Konstrukt deutet darauf hin, dass der digitale Pfund nicht als Ersatz für Stablecoins gedacht ist, sondern als Baustein eines breiteren Finanzökosystems, in dem verschiedene Formen digitalen Geldes interoperabel sein müssen.
Polygon Labs stellt über seinen Open Money Stack die technische Basis bereit, darunter Fiat-zu-Stablecoin-Konvertierung, eingebettete Wallets, Stablecoin-Abwicklung und Smart-Contract-Werkzeuge. NOBO liefert den Trade-Finance-Workflow, während Dun & Bradstreet Unternehmensidentitäts- und Risikodaten einbringt.
„Damit digitales Geld den Welthandel tatsächlich bewegt, müssen seine unterschiedlichen Ausprägungen zusammenarbeiten – öffentlich und privat, Zentralbankgeld und Stablecoins“, sagte Marc Boiron, CEO von Polygon Labs. „Genau das testet dieses Experiment: Ein Exporteur wird sofort in Stablecoins bezahlt, während der Importeur in einem digitalen Pfund begleicht – alles in einem einzigen Ablauf.“
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Kreditidentität für KMU als zweiter Test
Das Konsortium wird zudem ein „SME Bankable Profile“ testen, angeführt von NOBO mit Unterstützung von Dun & Bradstreet und Polygon Labs. Das Profil kombiniert zustimmungsbasierte Wallet-Transaktionssignale mit Open-Finance- und Commercial-Intelligence-Daten, um ein wiederverwendbares Kreditprofil für kleine Unternehmen zu schaffen.
Ziel ist es, wiederholte Prüfungen in der Handelsfinanzierung zu reduzieren und KMU eine finanzielle Identität zu geben, die zwischen Kreditgebern und Märkten übertragbar ist.
„Reibungslosere Handelsfinanzierung für KMU hängt von Vertrauen ab – und das beginnt mit verlässlicher Unternehmensidentität und Risikodaten“, sagte Sara de la Torre, Head of Financial Services bei Dun & Bradstreet.
Digitales Geld rückt in die Handelsfinanzierung vor
NOBO hatte Phase 1 des Digital Pound Lab bereits mit dem Nachweis bedingter B2B-Escrow-Zahlungen abgeschlossen, die für Trade-Finance-Workflows relevant sind. Phase 2 erweitert dies zu einem kombinierten Stack aus Abwicklung und Identität.
„Handelsfinanzierung ist von Natur aus ein Mehrparteiengeschäft, doch Workflows, Datenströme und Abwicklungswege greifen noch immer nicht sauber ineinander“, sagte Ayo Ojerinola, Gründer und CEO von NOBO Finance.
Der Pilotversuch bedeutet weder, dass die Bank of England bereits über die Einführung eines digitalen Pfunds entschieden hat, noch dass Polygon diesen entwickeln würde. Im Labor wird geprüft, ob digitale Pfund-Abwicklung, Stablecoin-Rails und vertrauenswürdige Unternehmensidentität in einem realen Geschäftsszenario zusammenspielen können, in dem Zahlungsverzögerungen und eingeschränkter Kreditzugang für KMU weiterhin wesentliche Probleme sind.
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