Dyson hat am Dienstag eine elektrische Zahnbürste für 499 Dollar vorgestellt, die eine integrierte Kamera und Machine Learning nutzt, um Lücken zwischen den Zähnen zu erkennen und sie während des Putzens mit Mundspülung gezielt auszuspülen.
Wichtigste Punkte:
- Die CameraJet kombiniert Schallzahnbürste und automatischen Mundspülstrahl und kostet 499 Dollar in den USA sowie 419,99 Pfund in Großbritannien.
- Eine Kamera mit 100.000 Pixeln verarbeitet 28 Bilder pro Sekunde und löst innerhalb von 100 Millisekunden aus, sobald sie eine Zahnlücke erkennt.
- Dyson gibt an, das System mit 470.000 dentalen Aufnahmen trainiert zu haben; Bildmaterial wird weder auf dem Gerät noch in der Cloud gespeichert.
Kamera der CameraJet zielt auf Zahnlücken
Firmengründer James Dyson präsentierte die Bürste bei einem Event in Paris. Parallel startete der Verkauf in Dyson-Stores und im Online-Shop, zum Preis von 499 Dollar in den USA und 419,99 Pfund in Großbritannien.
Direkt neben den Borsten sitzt eine Makrokamera mit 100.000 Pixeln, die ein System speist, das Dyson „Gap Optical Targeting“ nennt.
Die Software verarbeitet 28 Bilder pro Sekunde und schießt innerhalb von 100 Millisekunden nach Erkennen einer Zahnzwischenraum-Lücke einen kegelförmigen Strahl Mundspülung ab. Das zugrunde liegende Modell hat Dyson laut eigenen Angaben mit 470.000 dentalen Bildern trainiert. Unter dem Bürstenkopf sitzt ein 12,5-Milliliter-Tank mit alkoholfreier Spülung, der in der Ladestation in rund drei Sekunden wieder aufgefüllt wird.
Die Entwicklung dauerte sechs Jahre und band 661 Ingenieure ein; außerdem meldete Dyson 38 Patente an und schrieb 16 Millionen Zeilen Code, wie das Unternehmen zur Markteinführung aufzählte. In Labortests entfernte die Bürste laut Dyson in schwer zugänglichen Bereichen bis zu 69 % mehr Plaque als führende Premium-Wettbewerber.
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Fehlende Zahnseide-Nutzung als Ausgangspunkt
Ingenieurin Niamh Turney erklärte, das Team habe unzureichende Zahnseide-Nutzung eher als Verhaltens- denn als Technikproblem betrachtet. Die Frage lautete, ob Menschen „Zahnseide-Effekt ohne Zahnseide“ bekommen könnten – integriert in eine Routine, die sie ohnehin befolgen: Zähneputzen. James Dyson formulierte den Auftrag so, dass die Bürste Lücken erkennen, Plaque entfernen und die Reinigungsleistung direkt während des Putzens steigern soll.
Interne Studien, auf die sich Dyson bei der Vorstellung berief, ergaben, dass neun von zehn Menschen seltener Zahnseide nutzen als von Zahnärzten empfohlen, während ein durchschnittlicher Putzvorgang nur etwa 45 Sekunden dauert.
Zudem entwickelte Dyson eine nicht schäumende Zahnpasta, weil Schaum die Kameralinse trübt. Oral-B und Philips bieten zwar bereits App-verbundene Bürsten an, die Putzdauer, Druck und Flächenabdeckung erfassen. Eine Kamera im Mund verbauen sie jedoch nicht.
Tester, die Vorseriengeräte ausprobierten, stellten vor allem die laufenden Kosten in Frage: Ersatzbürstenköpfe kosten 25 Pfund im Zweierpack. Zudem äußerten einige Unbehagen über eine WLAN-fähige Kamera im Bad. Dyson betont jedoch, dass der Videostream nur live läuft und keine Bilder auf dem Gerät oder in der Cloud gespeichert werden.
Dyson setzt Premiumstrategie fort
Die Preisgestaltung folgt Dysons vertrautem Premium-Muster. 2016 stieg das Unternehmen mit dem Supersonic-Haartrockner für 399 Dollar in die Haarpflege ein, später folgten der Airwrap-Styler und die Luftreinigungs-Kopfhörer Zone, die sich nur kurz am Markt hielten. Jedes dieser Produkte betrat einen etablierten Markt an der Spitze der Preisskala – und setzte eher auf technische Differenzierung als auf aggressive Preise.
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