NEAR Protocol mit 2,5 Milliarden Dollar Bewertung – doch kaum jemand erklärt das Warum

NEAR Protocol mit 2,5 Milliarden Dollar Bewertung – doch kaum jemand erklärt das Warum

NEAR Protocol (NEAR) notiert per 20. Juli 2026 bei rund 1,93 US‑Dollar je Token, bringt es auf eine Marktkapitalisierung von über 2,5 Milliarden US‑Dollar und rangiert damit unter den 36 größten Krypto-Assets weltweit. Gleichzeitig taucht NEAR seit Tagen in den Aufwärtskategorien diverser Marktübersichten auf und verzeichnet ein tägliches Handelsvolumen von über 142 Millionen US‑Dollar. Dennoch findet das Projekt in den Research-Spalten der Krypto-Fachmedien praktisch nicht statt.

Diese Leerstelle ist nicht trivial. NEAR ist kein junges Nischenprojekt, das abseits der Öffentlichkeit vor sich hin baut.

Das Protokoll verfolgt eine klar formulierte, überprüfbare These: Die nächste Rechenschicht für KI-Agenten wird eine Blockchain sein, und diese Blockchain soll NEAR heißen. On-Chain-Kennzahlen, Entwickleraktivität und institutionelle Produktstarts der vergangenen zwölf Monate geben Hinweise darauf, ob diese Wette aufgeht oder nicht. Dieser Beitrag seziert die Datenlage.

TL;DR

  • NEAR kommt auf rund 2,5 Milliarden US‑Dollar Börsenwert, getragen von einer expliziten KI-nativen Infrastruktur-These – und positioniert sich damit als eines der klarsten L1-Narrative im aktuellen Zyklus.
  • Der Stack aus Chain-Abstraktion, geshardeter Architektur und Intent-basiertem Transaktionsmodell adressiert konkrete Engpässe, an denen allgemeine Smart-Contract-Chains für KI-Workloads bislang scheitern.
  • On-Chain-Aktivität, Wachstum im Entwickler-Ökosystem und die jüngste Aufnahme in das Multi-Token-ETP von T. Rowe Price signalisieren, dass institutionelles Kapital die Erzählung einer KI-Blockchain-Konvergenz zunehmend einpreist, die NEAR frühzeitig besetzt hat.

Die KI-native These: klar definiert, klar testbar

NEAR positioniert sich für eine Layer‑1‑Blockchain ungewöhnlich offensiv. In der eigenen technischen Dokumentation und im Ökosystem-Marketing bezeichnet sich das Projekt als „the blockchain for AI“ – ein Claim, der konkret genug ist, um sich widerlegen zu lassen. Genau diese Konkretheit macht ihn für den Markt nutzbar: Es gibt eine klare Messlatte, ob NEAR liefert oder nur eine Story verkauft.

Der Kernpunkt: KI-Agenten – autonome Softwaresysteme, die mehrstufige Aufgaben ausführen, Vermögenswerte verwalten und mit externen APIs interagieren – benötigen eine Abwicklungs- und Koordinationsschicht, die herkömmliche Blockchains nicht effizient bereitstellen. Ethereum (ETH) ist für die Mikrotransaktions-Frequenz von KI-Agenten zu teuer und zu langsam. Solana (SOL) ist zwar schnell, kämpfte aber wiederholt mit Ausfällen unter Last. NEAR argumentiert – gestützt auf seine Architektur –, dass Sharding plus Chain-Abstraktion plus ein Intent-basiertes Ausführungsmodell deutlich näher an den tatsächlichen Anforderungen von Agent-Workflows liegt.

NEAR benennt drei integrierte Fähigkeiten für KI-Workloads: User-Owned AI (Agenten, die im Interesse der Nutzer handeln), Intents und Chain-Abstraktion (zielorientierte Transaktionen über mehrere Chains) sowie eine geshardete Ausführungsschicht mit Finalität im Subsekunden-Bereich zu niedrigen Kosten.

Der Stresstest lautet: Spiegelt sich dieser technische Anspruch bereits in messbarer Nutzung wider? Die folgenden Abschnitte betrachten Architektur, Entwickleraktivität, DeFi-Liquidität, institutionelle Signale und das Wettbewerbsumfeld – und damit die Frage, was die Bewertung von 2,5 Milliarden US‑Dollar tatsächlich einpreist.

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Nightshade-Sharding: Warum es für KI wirklich relevant ist

NEARs Performance-Architektur ist kein akademischer Selbstzweck. Das Protokoll setzt auf Nightshade, eine Sharding-Implementierung, die das Netzwerk in parallele Shards unterteilt. Jede dieser Teilketten verarbeitet Transaktionen unabhängig, bevor die Blockdaten zu einem einzigen Chain-Record zusammengeführt werden. Mitte 2026 läuft NEAR bereits über mehrere Shards, eine weitere Ausweitung ist an die Nachfrage gekoppelt.

Für KI-Agenten ist der Bezug unmittelbar. Ein Agent, der etwa eine mehrstufige DeFi-Rebalancierung koordiniert – Assets tauschen, zu einer anderen Chain bridgen, anschließend in einen Rendite-Pool einzahlen – erzeugt eine Transaktionswelle, die zwar korrekt sequenziert, aber nicht zwingend in einem einzigen Ausführungsthread verarbeitet werden muss. Geshardete Architekturen sind für diese Art Workload effizienter als monolithische Ausführungsumgebungen.

Ethereums L2-Rollup-Ökosystem versucht, diesen Effekt durch Fragmentierung zu imitieren, erkauft sich das aber mit Latenz an den Bridge-Schnittstellen – ein Problem für zeitkritische Agentenentscheidungen.

NEARs technische Roadmap setzt als nächsten Meilenstein im Sharding auf „stateless validation“. Validatoren müssen dann nicht mehr den vollständigen State ihres Shards vorhalten. Das senkt die Hardware-Anforderungen deutlich und soll die mögliche Zahl der Shards erhöhen. Geringere Validator-Kosten schlagen sich direkt in niedrigeren Transaktionsgebühren im Masseneinsatz nieder – der zentralen Kostenbasis für KI-Agentenaktivität.

Nightshade-Sharding ermöglicht NEAR, Transaktionen in parallelen Ausführungsumgebungen zu verarbeiten und dennoch einen einheitlichen Chain-Record zu bewahren – ein struktureller Vorteil für hochfrequente, mehrstufige Workloads von KI-Agenten.

Die durchschnittliche Transaktionsgebühr auf NEAR liegt konstant unter 0,01 US‑Dollar. Damit werden Use Cases mit extrem hoher Mikropayment-Dichte erstmals wirtschaftlich tragfähig. Bitcoin (BTC) und Ethereum können das auf der Basis-Schicht nicht abbilden, und selbst Solanas Gebührenmodell zeigt in Phasen starker Auslastung Volatilität, die die Verlässlichkeit von Agenten untergräbt.

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Chain-Abstraktion: Die Infrastrukturschicht, die sonst niemand geliefert hat

Chain-Abstraktion zählt zu den meistdiskutierten, aber am wenigsten eingelösten Versprechen des aktuellen Zyklus. NEAR ist mit seiner Umsetzung den meisten Wettbewerbern einen Schritt voraus – und diese Lücke ist materiell.

Das Kernproblem, das Chain-Abstraktion löst, ist die Fragmentierung von Accounts und Signaturen. Ein Nutzer oder KI-Agent, der heute auf fünf Blockchains aktiv ist, braucht fünf Wallets, fünf Private-Keys und fünf separate Gas-Balancen. Für Menschen ist das unübersichtlich, für autonome Agenten, die in Echtzeit auf On-Chain-Signale reagieren müssen, nahezu unbeherrschbar.

NEARs FastAuth und der dazugehörige Multi-Party-Computation-(MPC)-Signaturdienst, entwickelt vom Team NEAR Chain Abstraction, ermöglichen es, mit einem einzigen Account auf externen Chains zu signieren – ohne Assets zu bridgen oder ketteneigene Schlüssel zu verwalten. Das MPC-Netzwerk hält verteilte Key-Shares, die nur für den Signaturvorgang kurzzeitig kombiniert werden; ein vollständiger Private Key liegt zu keinem Zeitpunkt bei einer einzelnen Partei vor. Dieses System läuft bereits im Mainnet-Einsatz und wurde genutzt, um Transaktionen auf Ethereum, Bitcoin, Dogecoin und mehreren EVM-kompatiblen Chains zu signieren.

NEARs MPC-basierte Chain-Signature-Lösung ist im Mainnet live und erlaubt es, mit einem einzigen NEAR-Account nativ auf externen Blockchains zu signieren – ohne Asset-Bridges oder den Betrieb mehrerer Wallets.

Für KI-Agenten ist diese Infrastruktur elementar. Ein Agent, der Renditen auf Ethereum, der BNB (BNB) Chain und Avalanche (AVAX) optimieren soll, kann zentral auf NEAR laufen und über eine einheitliche Schlüsselverwaltung kettenübergreifend agieren. Die Alternative – Agent-Logik separat auf jeder Chain auszurollen – vervielfacht Angriffsfläche, operative Komplexität und Kosten. Derzeit verfügt keine andere L1 über eine vergleichbare Implementierung im Produktivbetrieb mit ähnlicher Chain-Abdeckung.

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Intents-basierte Ausführung: Was dahintersteckt – und warum Trader sie nutzen

NEARs Intent-Framework ist das Laufzeit-Gegenstück zur Chain-Abstraktion. Während Chain-Abstraktion die Schlüssel- und Accountfrage löst, adressieren Intents das Routing der Ausführung.

Die klassische On-Chain-Transaktion legt exakt fest, was passieren soll: Tausche Token A gegen Token B, auf Protokoll X, über Router Y. Ein Intent formuliert hingegen nur das Ziel: den bestmöglichen Kurs für den Tausch von Token A in Token B – unabhängig vom konkreten Pfad.

Der Unterschied: Intents verlagern die Optimierungsaufgabe vom Absender hin zu einem Netzwerk konkurrierender „Solver“, die darum ringen, Aufträge am effizientesten auszuführen.

NEAR Intents, Anfang 2025 gestartet und inzwischen über Produkte wie Defuse fest im NEAR-Ökosystem verankert, routet Cross-Chain-Swap-Intents über ein Solver-Netzwerk. Diese Solver überwachen Liquidität über verschiedene Chains hinweg und füllen Intents aus ihrem eigenen Inventory, die Abrechnung wird On-Chain bestätigt. Für größere Ordervolumina resultiert daraus in der Regel eine bessere Ausführungsqualität als bei AMM-basierten DEXes – und die vorhersehbare MEV-Extraktion durch Front-Running-Bots wird weitgehend eliminiert.

Die DeFiLlama-Daten zur Total Value Locked (TVL) auf NEAR zeigen über 2025 hinweg ein spürbares Wachstum, auch wenn die absoluten Werte weiterhin deutlich unter den TVL-Zahlen von Ethereum und Solana liegen. Was die TVL-Kennzahl jedoch unterschlägt, ist das Cross-Chain-Volumen, das durch NEARs Abstraktionsschicht läuft, aber nativ auf anderen Chains abgewickelt wird – diese Aktivitäten tauchen im NEAR-TVL nicht auf, weil die Assets nie auf NEAR selbst verwahrt werden.

NEARs Intent-basiertes Ausführungsframework trennt Transaktionsabsicht und Ausführungsroute. Solver-Netzwerke optimieren die Orderausführung kettenübergreifend, reduzieren MEV-Risiken und verbessern insbesondere bei großen Orders die Ausführungsqualität.

Das Intent-Modell gewinnt inzwischen auch im Ethereum-Umfeld an Fahrt – etwa mit ERC‑7683 und verwandten Standards. NEAR hat seine Solver-Infrastruktur jedoch tief im Protokoll verankert, nicht als nachträglichen Patch auf Applikationsebene. Dieser architektonische Unterschied könnte sich langfristig als entscheidend erweisen. signifikant, da das volumengetriebene, intent-basierte Trading weiter zunimmt.

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Developer-Ökosystem: Was die Zahlen von Electric Capital wirklich zeigen

Die Zahl aktiver Entwickler gilt als verlässlichster Frühindikator für den langfristigen Wert eines Blockchain-Ökosystems. Code kommt vor Nutzern, Nutzer vor Liquidität – und Liquidität vor dem Preis. Der Electric Capital Developer Report 2025 erfasste die monatlich aktiven Entwickler über alle großen Chains hinweg und zeigt: NEAR wächst beim Entwicklerstamm so stark, dass das Netzwerk nach Vollzeit-Entwicklern zu den zehn aktivsten Ökosystemen zählt.

Konkret weist Electric Capital für NEAR Ende 2024 über 400 monatlich aktive Entwickler aus – ein Niveau, das stabil geblieben ist, während viele Alt-L1-Projekte aus dem 2021er-Zyklus deutlich an Entwickleraktivität eingebüßt haben. Die Entwickler-Retention im NEAR-Universum – also der Anteil der Entwickler, die 12 Monate nach ihrem ersten Commit noch aktiv sind – liegt klar über dem Krypto-Median, den der Report bei unter 30 % verortet.

Ebenso wichtig wie die Größe ist die Zusammensetzung dieses Pools. Im NEAR-Ökosystem sammelt sich ein relevanter Cluster von AI- und Machine-Learning-Engineers, die On-Chain-Agentenframeworks entwickeln – nicht klassische DeFi-Protokolle.

Projekte wie Bitte.ai, das AI-Agenten-Wallets auf NEAR baut, und Reclaim Protocol, das NEAR für datenschutzwahrende Daten-Attestierungen für AI-Modelle nutzt, stehen für eine Entwicklerkohorte, die in dieser Dichte auf anderen Chains so nicht vorhanden ist.

Electric Capital verortet NEAR unter den Top 10 nach monatlich aktiven Entwicklern – bei Retentionsraten deutlich oberhalb des Krypto-Medians von unter 30 %.

Das Accelerator-Programm NEAR Horizon, 2023 gestartet und bis 2025 massiv skaliert, hat inzwischen über 800 Projekte finanziert. Entscheidend: Der Fokus liegt gezielt auf AI-Tooling, Dateninfrastruktur und autonomen Agenten-Frameworks – nicht auf generischen DeFi- und NFT-Vertikalen vergangener Zyklen.

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Das institutionelle Signal: T. Rowe Prices Multi-Token-ETP

Das wichtigste institutionelle Signal im NEAR-Ökosystem 2026 ist weder eine große Finanzierungsrunde noch ein Protokoll-Upgrade. Entscheidend ist die Zusammensetzung des neu aufgelegten aktiven Krypto-ETP von T. Rowe Price, gemeldet am 20. Juli 2026.

T. Rowe Price hat, wie der Vermögensverwalter es selbst beschreibt, das erste aktiv gemanagte, physisch hinterlegte Multi-Token-Krypto-ETP lanciert. Das Produkt bietet diversifizierte Exposure über mehrere Krypto-Assets, statt lediglich Bitcoin oder Ethereum abzubilden. Bei einem Haus dieser Größenordnung – T. Rowe Price verwaltet über 1,5 Billionen Dollar – erfordern aktiv gemanagte Produkte eine formale Investment-Committee-Freigabe für jeden einzelnen Basiswert. Eine Aufnahme von NEAR wäre daher eine substanzielle institutionelle Wette auf die These einer AI-nativen Blockchain.

Die Tragweite geht über NEAR hinaus. Ein aktiv gemanagtes ETP eines Players wie T. Rowe Price signalisiert, dass institutionelle Investoren sich von reiner Single-Asset-Exposure hin zu thematischen Krypto-Körben bewegen. Davon profitieren vor allem Assets mit klarer Sektorerzählung – AI-Infrastruktur, DeFi-Abwicklung, Real-World-Asset-Rails – und weniger solche mit schwerer zu greifendem Narrativ.

Der Start eines aktiv gemanagten, physisch hinterlegten Multi-Token-Krypto-ETP durch T. Rowe Price im Juli 2026 markiert einen qualitativen Sprung: weg von BTC/ETH-Einzelpositionen, hin zu thematischen Krypto-Basket-Strategien.

NEARs explizite Positionierung als AI-native Chain macht den Token zu einem der am leichtesten einzuordnenden Bausteine in einer infrastrukturgetriebenen Basket-Strategie. Bitcoin ist Wertspeicher. Ethereum ist Settlement-Layer. NEAR besetzt die Nische „AI-native Computing-Infrastruktur“ – genau die Kategorie, für die Research-Abteilungen institutioneller Investoren zunehmend Analysen liefern sollen.

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On-Chain-Metriken: Was die Aktivitätsdaten aktuell zeigen

Per 20. Juli 2026 liegt das 24-Stunden-Handelsvolumen von NEAR laut CoinGecko bei rund 142,5 Mio. Dollar – deutlich hoch im Verhältnis zur Marktkapitalisierung. Ein Volumen-Marktwert-Verhältnis über 5 % deutet typischerweise auf ein spekulatives Event oder nachhaltiges organisches Handelsinteresse hin. Bei NEAR liegt diese Kennzahl aktuell bei etwa 5,7 %, ohne dass ein einzelnes Token-Ereignis in den Nachrichtenfluss sticht, das diesen Ausschlag erklären würde.

Der Transaktionsdurchsatz im NEAR-Mainnet lag in den vergangenen Monaten im Schnitt zwischen 7.000 und 12.000 Transaktionen pro Tag über die dApps des Ökosystems hinweg – mit steigender Tendenz, seit NEAR Intents und Chain-Abstraktionslösungen verstärkt Cross-Chain-Flows anziehen. Die von Community-Analysten gepflegten Dune-Analytics-Dashboards zeigen einen klaren Aufwärtstrend bei den täglich aktiven Accounts im zweiten Quartal 2026 – eine Erholung vom Markteinbruch im Januar und Februar.

Die Staking-Quote bleibt im NEAR-Netzwerk hoch: Über 40 % der umlaufenden NEAR-Token sind an Validatoren delegiert. Das signalisiert Überzeugung auf Holder-Seite und reduziert das effektiv frei verfügbare Angebot. Hohe Staking-Teilnahme wirkt zudem automatisch deflationär auf die liquide Angebotsseite – gebundene Token stehen schlicht nicht zum Verkauf an Börsen bereit.

Ein 24-Stunden-Volumen von 142,5 Mio. Dollar bei einer Marktkapitalisierung von 2,5 Mrd. Dollar entspricht einem Volumen-Marktwert-Verhältnis von rund 5,7 % – klar erhöht gegenüber typischen Basiswerten, ohne erkennbaren einmaligen Auslöser.

Die Fee-Einnahmen des Protokolls bleiben zwar absolut deutlich hinter Ethereum oder Solana zurück, wachsen jedoch schneller als bei den meisten AI-nahen Tokens. Zentral ist dabei: 70 % der Transaktionsgebühren fließen nicht in Burns oder zusätzliche Staker-Renditen, sondern direkt an Smart-Contract-Entwickler. Diese Designentscheidung soll gezielt den Roll-out hochfrequent genutzter Anwendungen fördern – in der Logik, dass Applikationsumsätze nachhaltigere Nachfrage nach Blockspace erzeugen als reine Burn-Mechaniken.

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Wettbewerbspositionierung: Wo NEAR gegenüber Solana, ICP und Fetch.ai steht

Wer NEARs AI-native Investment-These ernsthaft prüfen will, muss das Wettbewerbsumfeld einbeziehen. Mindestens vier relevante Konkurrenten besetzen ähnliche Felder: Solana, Internet Computer (Internet Computer (ICP)), Fetch.ai sowie das entstehende TAO- / Bittensor-Ökosystem.

Solanas AI-Erzählung ist stark leistungsgetrieben. Blockzeiten unter 400 Millisekunden und extrem niedrige Gebühren machen die Chain attraktiv für hochfrequente Transaktions-Workloads. Allerdings verfügt Solana weder über eine native Cross-Chain-Abstraktionsschicht noch über ein MPC-Signatursystem. AI-Agenten, die über mehrere Chains operieren müssen, sind auf Brücken wie Wormhole oder deBridge angewiesen – mit höherer Latenz, zusätzlichen Vertrauensannahmen und Fee-Overhead. Solana ist damit eine starke Single-Chain-Ausführungsumgebung für AI – aber kein Koordinationslayer für Cross-Chain-Agenten.

ICP fährt einen architektonisch anderen Ansatz. Smart Contracts laufen in WebAssembly-„Canistern“ mit direkter HTTP-Outcall-Fähigkeit – ICP-Canister können also externe APIs ohne Oracle-Schicht ansprechen.

Das ist für AI-Inferenz-Szenarien hochrelevant, in denen der Contract selbst ein LLM-Endpoint abfragen muss. Dfinitys Benchmarks zeigen, dass ICP AI-Modell-Inferenz on-chain abwickeln kann – etwas, das NEARs EVM-nahe Architektur so nicht nativ leistet. Gleichzeitig ist das Entwicklerökosystem von ICP deutlich kleiner, und die Cross-Chain-Story schwächer ausgeprägt.

Fetch.ai und Bittensor (TAO) besetzen wiederum eine andere Kategorie. Sie sind spezialisierte AI-Netzwerkprotokolle statt General-Purpose-Blockchains. Fetch.ai ist auf Agenten-Koordination, Bittensor auf Anreize für Machine-Learning-Modelle optimiert. Beide bieten jedoch weder eine breite dApp-Ausführungsumgebung noch einen veritablen Cross-Chain-Settlement-Layer wie NEAR.

NEARs klarster Wettbewerbsvorteil ist die Kombination aus Cross-Chain-MPC-Signaturen (bereits im Mainnet live), geshardeter Ausführung (Gebühren im Sub-Cent-Bereich) und einer universellen Smart-Contract-Umgebung – kein direkter Wettbewerber vereint aktuell alle drei Merkmale.

Die nüchterne Wettbewerbsanalyse: NEAR liegt bei Cross-Chain-Infrastruktur für AI-Agenten vorne, bei rohem Single-Chain-Durchsatz aber hinter Solana. Für Anwendungsfälle, in denen Cross-Chain-Koordination zwingend ist – was die meisten realweltbezogenen AI-Agenten-Deployments beschreibt –, ist NEARs Architektur besser zugeschnitten. Für rein Single-Chain-Hochfrequenzapplikationen bleibt Solana die stärkere Option.

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Bewertungsfrage: Was 2,5 Mrd. Dollar tatsächlich einpreisen

Die reine Marktkapitalisierung sagt wenig aus. Relevant ist, welches Multiple der Markt auf die Fee-Erlöse von NEAR legt – und ob dieses Verhältnis angesichts der Wachstumskurve haltbar ist.

Die annualisierten Protokollumsätze – also die gesamten an das Netzwerk gezahlten Gebühren – werden für 2025 je nach Methodik auf 8 bis 15 Mio. Dollar geschätzt. Bei einer Marktkapitalisierung von 2,5 Mrd. Dollar entspricht das einem Price-to-Revenue-Multiple zwischen rund 167x und 312x. Das sind, nach klassischen Maßstäben, aggressive Bewertungsniveaus.Bewertungsmaßstab

Hohe Umsatzmultiplikatoren sind bei jungen Infrastruktur-Technologieunternehmen üblich, lange bevor ihre Plattform in die breite Nutzung skaliert. Amazon Web Services wurde in der Frühphase ebenfalls mit sehr ambitionierten Vielfachen auf den damaligen Umsatz gehandelt, bevor der Cloud-Markt kippte und ins Wachstum überging. Die relevante Frage lautet daher weniger „was verdient NEAR heute?“, sondern: „welche Umsatzszenarien sind realistisch, wenn sich On‑Chain‑Aktivität von KI‑Agenten in den nächsten drei bis fünf Jahren durchsetzt und skaliert?“

In einem konservativen Szenario, in dem NEAR 5 % des transaktionsbasierten Volumens von KI‑Agenten über verschiedene Chains hinweg abschöpft – bei einem Gesamtmarkt von 500 Mio. US‑Dollar jährlich an Netzwerkgebühren – ergäbe sich ein NEAR‑Umsatz von 25 Mio. US‑Dollar, rund 60 % mehr als die heutige obere Schätzung.

Im Bullenszenario, in dem sich NEARs MPC‑Signaturinfrastruktur als Standard‑Schicht für das Key‑Management von unternehmensseitigen KI‑Agenten über mehrere Chains etabliert und das Netzwerk das Zehnfache des derzeitigen Transaktionsvolumens verarbeitet, würde das erzielbare Umsatzniveau die heutige Bewertung günstig erscheinen lassen.

Bei einer Marktkapitalisierung von 2,5 Mrd. US‑Dollar und geschätzten Protokollumsätzen von 8–15 Mio. US‑Dollar im Jahr 2025 wird NEAR mit dem 167‑ bis 312‑fachen des Umsatzes bewertet – hoch nach klassischen Maßstäben, aber im Rahmen anderer Infrastruktur‑Assets mit großem, noch kaum erschlossenem Marktpotenzial.

Das zentrale Risiko: Die These einer Konvergenz von KI und Blockchain materialisiert sich nicht im großen Maßstab – oder ein Wettbewerber bringt vorher eine technisch überlegene Cross‑Chain‑Ausführungsumgebung für KI‑Anwendungen an den Start, bevor NEAR Netzwerkeffekte aufbauen kann. Ein Multiple von rund 300‑fach auf den Umsatz lässt kaum Sicherheitsmarge, falls die Adoption hinter den Erwartungen zurückbleibt.

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Der Risiko‑Katalog: Wo der Bullen-Case angreifbar ist

Eine Analyse zu einem Asset mit 2,5 Mrd. US‑Dollar Marktkapitalisierung ist ohne systematische Betrachtung der zentralen Bruchstellen der Investmentthese unvollständig. Im KI‑Narrativ von NEAR lassen sich mindestens vier wesentliche Risiken identifizieren, die im aktuellen Kursbild nur unzureichend eingepreist wirken.

Erstens: ein möglicher Narrativ‑Lag. NEAR positioniert sich mindestens seit 2023 explizit als „AI‑native Blockchain“. Die Resonanz in der Entwickler‑Community ist spürbar, aber kein Durchbruch. Sollte das allgemeine Marktinteresse an der Schnittstelle KI/Blockchain abflauen, bevor das Ökosystem von NEAR die kritische Masse erreicht, dürfte der Bewertungsaufschlag, der heute am KI‑Narrativ hängt, deutlich schrumpfen.

Zweitens: Regulierungsrisiken. KI und autonome Agenten rücken in den USA, der EU und dem Vereinigten Königreich zunehmend in den Fokus des Gesetzgebers.

Regeln, die es autonomen Agenten untersagen, Finanztransaktionen ohne explizite menschliche Zustimmung auszuführen, würden den adressierbaren Markt für NEARs Chain‑Abstraktions‑ und Intents‑Infrastruktur unmittelbar verkleinern. Die regulatorische Entwicklung ist hier hochgradig unklar.

Drittens: Zentralisierungsrisiken im MPC‑Layer. NEARs Cross‑Chain‑Signatursystem basiert auf einem verteilten MPC‑Netzwerk, dessen Validatoren‑Set jedoch kleiner und weniger dezentral aufgestellt ist als das Hauptvalidatoren‑Set von NEAR. Eine starke Konzentration von MPC‑Key‑Shares bei wenigen Akteuren erzeugt ein systemisches Risiko, falls ein koordinierter Teil dieser Operatoren kompromittiert würde oder sich adversarial verhält.

Die vier zentralen Risiken für NEAR sind: schleppende Narrativ‑Adoption, regulatorische Einschränkungen für autonome Finanzagenten, Zentralisierungsrisiken im MPC‑Key‑Share‑Layer und die Möglichkeit, dass das Ethereum‑L2‑Ökosystem eine Cross‑Chain‑Abstraktionslösung liefert, bevor NEAR robuste Netzwerkeffekte aufbauen kann.

Viertens: die Ethereum‑Gegenoffensive. Das Ethereum‑L2‑Ökosystem steht nicht still.

ERC‑7683, der Standard für Cross‑Chain‑Intents, schließt in Kombination mit ausgereifteren Bridging‑Lösungen und dem EIP‑7702‑Account‑Abstraction‑Standard schrittweise genau die UX‑Lücke, die NEAR heute ausnutzt. Gelingt es dem Ethereum‑L2‑Ökosystem, innerhalb von 18 Monaten einen funktionsfähigen, durchgängigen Stack für KI‑Agenten über mehrere Chains hinweg bereitzustellen, schrumpft NEARs Differenzierung deutlich. Dies ist vermutlich das materialste Einzelrisiko im gesamten Katalog.

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Fazit

Die Marktkapitalisierung von 2,5 Mrd. US‑Dollar für NEAR Protocol ist kein bloßes Spekulationsfeuerwerk. Sie ist eine Wette auf eine klar umrissene, messbare These: Dass die Koordinationsschicht für KI‑Agenten auf einer Blockchain liegen wird; dass diese Blockchain Cross‑Chain‑Signaturen, Intent‑basierte Ausführung und Sharding‑Kapazität benötigt; und dass NEAR diese Stack‑Architektur aktuell am umfassendsten in der Praxis umgesetzt hat.

On‑Chain‑Daten, Entwickler‑Bindungsraten und neue institutionelle Produkte aus der ersten Hälfte 2026 liefern zumindest eine teilweise Bestätigung für diese Wette.

Was der Marktpreis jedoch nur unzureichend widerspiegelt, ist das Ausführungsrisiko. Ein Umsatzmultiple von 200–300‑fach setzt voraus, dass die On‑Chain‑Adoption von KI‑Agenten in den nächsten drei bis fünf Jahren tatsächlich stark anzieht, dass NEAR seinen Vorsprung bei Cross‑Chain‑Abstraktion gegenüber einem immer leistungsfähigeren Ethereum‑Ökosystem verteidigt und dass die Regulierung das Finanz‑Use‑Case‑Spektrum für autonome Agenten nicht vor Erreichen der Skalierungsphase abwürgt. Scheitert nur eine dieser Annahmen, wirkt die heutige Bewertung rückblickend ambitioniert.

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