IBM-Papiere sind am Dienstag, 14. Juli, im vorbörslichen US-Handel um mehr als 20 % eingebrochen, nachdem der Konzern angekündigt hat, dass der Quartalsumsatz von 17,2 Milliarden US‑Dollar klar unter den Erwartungen der Wall Street liegen wird.
- IBM stellt für das zweite Quartal einen Umsatz von 17,2 Milliarden US‑Dollar und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 2,93 US‑Dollar in Aussicht – beides unter den Analystenschätzungen.
- Die Aktie steuert auf den schlechtesten Tagesverlust seit Jahrzehnten zu – noch stärker als der 23%‑Absturz im Oktober 1987.
- CEO Arvind Krishna macht eine späte Umschichtung der Kundenausgaben in Richtung Server, Speicher und Speicherchips verantwortlich.
Details zur Umsatzwarnung von IBM
Das Unternehmen teilte in einer vorläufigen Mitteilung mit, dass der Umsatz im zum Juni beendeten Quartal im Jahresvergleich nur um rund 1 % zugelegt habe – deutlich weniger als die von FactSet befragten Analysten mit 17,86 Milliarden US‑Dollar erwartet hatten. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll bei 2,93 US‑Dollar liegen, verglichen mit einem Marktkonsens von 3,01 US‑Dollar.
Die Zahlen zeichnen das Bild eines sehr ungleich verlaufenen Quartals.
IBM hatte im Frühjahr seinen neuen z17‑Mainframe eingeführt und war davon ausgegangen, dass die Infrastrukturerlöse im Jahresverlauf nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich sinken würden, sobald das Programm an Fahrt gewinnt.
Das Minus bei der Z‑Produktlinie und der zugehörigen Software‑Schicht fiel jedoch deutlich größer aus als vom Management einkalkuliert und traf das margenstarke Transaktionsverarbeitungsgeschäft besonders hart.
Der Softwareumsatz legte um 5 % zu, während die Infrastrukturerlöse um 7 % zurückgingen und das Beratungsgeschäft in etwa stagnierte. Vorstandschef Arvind Krishna schrieb in einem Brief an die Aktionäre, dass Kunden in den letzten Juniwochen ihre Investitionsbudgets verstärkt in Server, Speicher und Speicherbausteine umgelenkt hätten, um knapp verfügbare Hardware noch vor erwarteten Preiserhöhungen zu sichern.
Zudem verwies er auf branchenweit erhöhte Sorgen rund um Cybersecurity, die Kunden im Laufe des Quartals zusätzlich abgelenkt hätten.
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Analysten ordnen den historischen Ausverkauf ein
Marktstratege Mike Zaccardi hob hervor, dass IBM auf den schlechtesten Handelstag seit Beginn der verfügbaren Aufzeichnungen im Jahr 1961 zusteuert – und damit den 23%‑Einbruch vom Oktober 1987 noch übertreffen dürfte. Der vorbörsliche Kurs um 225 US‑Dollar bedeutete einen Abschlag von rund 65 US‑Dollar auf den Montagsschluss von 290,23 US‑Dollar.
Die Verwerfungen griffen schnell auf den Sektor über.
Aktien von ServiceNow, Salesforce, Accenture und Cognizant gaben im vorbörslichen Handel ebenfalls nach, da Investoren ihre Einschätzung der Nachfrage im Software- und Beratungsgeschäft überarbeiteten.
Einige Analysten werten die Episode als weiteres Indiz dafür, dass massive Budgetverschiebungen hin zu KI‑Hardware die Mittel für Software und Services zunehmend verdrängen.
Krishna räumte diese Problematik indirekt ein, als er schrieb, „diese Rahmenbedingungen erfordern eine perfekte Ausführung durch unsere Teams – und in diesem Quartal sind wir daran gescheitert“.
Die Warnung beendet eine starke Phase für den 115 Jahre alten Technologiekonzern: Im ersten Quartal war der Umsatz um rund 9 % auf 15,9 Milliarden US‑Dollar gestiegen, angetrieben von einem Plus von 11,3 % im Softwaregeschäft, und die Aktie hatte in den drei Monaten bis zum Montagsschlusskurs zuvor rund 21 % zugelegt. Der Einbruch am Dienstag machte diese Kursgewinne bereits vor Handelsstart zunichte.
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