Die Hebelung im Kryptomarkt ist auf den niedrigsten Stand seit 2020 gesunken – allerdings ohne die Zwangsliquidationen und Gegenparteiausfälle, die den Einbruch von 2022 prägten. Darauf weisen Daten von Galaxy Research hin.
Kryptobesicherte Kredite sind im zweiten Quartal 2026 um 11,3 Milliarden US‑Dollar zurückgegangen. Es ist bereits das dritte Quartal in Folge mit rückläufiger Kreditnachfrage. Der Rückzug hat die Gesamtverschuldung über zentrale Kreditgeber, dezentrale Protokolle und Derivatemärkte hinweg wieder in Richtung der Niveaus gedrückt, die vor dem Liquiditätsboom der Covid-Ära herrschten.
Enthebelung ohne Marktschock
Der zentrale Unterschied zu früheren Enthebelungsphasen ist das Ausbleiben eines systemischen Schocks.
2022 lösten der Kollaps von Three Arrows Capital, Celsius Network und Genesis eine Kettenreaktion an den Kryptokreditmärkten aus. Diesmal identifiziert der am 17. August veröffentlichte Galaxy-Bericht für die erste Jahreshälfte 2026 keinen größeren Gegenparteiausfall; auch das Volumen an Zwangsliquidationen liegt deutlich unter Krisenniveau.
Das deutet darauf hin, dass Kreditnehmer ihre Risiken schrittweise reduzieren. Als Treiber des Rückgangs nennt der Bericht vor allem auslaufende Kreditlaufzeiten, geringere Auslastung und schwächere Ertragschancen für gehebelte Strategien – weniger Panikverkäufe oder Margin-Kaskaden.
DeFi-Kreditgeschäft schrumpft schneller als CeFi
Das dezentrale Kreditsegment baut den Hebel schneller ab als zentralisierte Kryptokreditplattformen. Das in großen DeFi-Lending-Protokollen gebundene Vermögen – darunter Aave (AAVE), Compound (COMP) und Morpho (MORPHO) – ist zwischen Januar und Juni 2026 um rund 28 % gefallen.
Die Nachfrage nach Krediten sank, weil gehebelte Renditestrategien in einem Umfeld niedrigerer Volatilität deutlich an Attraktivität verloren. Gleichzeitig zogen Liquiditätsanbieter Kapital ab, da die Renditen unter Druck gerieten.
Auch die Zinsen für Stablecoin-Kredite folgen diesem Muster. Die USDC-Fremdkapitalkosten (USDC) auf Aave V3 fielen von 9,2 % im November 2024 auf 3,8 % im Juni 2026. Zentralisierte USDT-Renditen gaben von ihren Hausse-Spitzen ebenfalls stark nach.
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Derivatehändler fahren Positionen zurück
Auch die Märkte für Perpetual Futures haben an Dynamik verloren. Das Open Interest über die großen Handelsplätze hinweg ist auf Niveaus zurückgegangen, die zuletzt vor der Zulassung der Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 zu sehen waren. Bei Altcoin-Perpetuals liegt das Open Interest rund 60 % unter dem Hoch von November 2024. Finanzierungsraten auf den großen Börsen bewegen sich nahe null oder leicht im negativen Bereich – ein Indiz dafür, dass gehebelte Long-Wetten deutlich zurückgefahren wurden.
Die geringe Volatilität von Bitcoin verstärkt diesen Trend. Ohne größere Kursausschläge bieten Hebelstrategien weniger Gewinnpotenzial. Einige Trader weichen daher auf risikoreichere Tokens und themengetriebene Narrative aus, statt auf die Kernwerte des Marktes zu setzen.
Der Reset könnte die nächste Rally prägen
Galaxy zufolge signalisiert die Datenlage keinen klassischen Bärenmarkt, sondern einen Markt, der einen Großteil seines spekulativen Fremdkapitals abgebaut hat, ohne eine neue Kreditkrise auszulösen. Historische Enthebelungsphasen – etwa 2015/2016 und 2019/2020 – gingen später großen Bitcoin-Rallys voraus, weil die Märkte mit weniger Leverage sensibler auf neue Nachfrage reagierten.
Der Bericht legt nahe, dass Krypto sich eher in der Nähe eines Hebeltiefs als eines Hebelpeaks befinden könnte. Ein Markt mit moderatem Leverage garantiert zwar keine Kursgewinne, schafft aber ein anderes Risikoprofil als die fragilen Bedingungen an früheren zyklischen Höchstständen.
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