Sicherheits- und Krypto-Führungskräfte widersprechen einer viralen Behauptung, dass Anthropics erst drei Tage altes KI‑Modell Mythos innerhalb weniger Stunden in nahezu alle US‑Geheimhaltungssysteme eingedrungen sei.
Zentrale Punkte:
- Ein viraler Beitrag behauptete, Mythos habe fast alle NSA‑Geheimhaltungssysteme in Stunden kompromittiert; Sicherheits- und Krypto-Experten halten das für ein Missverständnis.
- Das zitierte Ergebnis stammt aus einem autorisierten Red‑Team‑Test in den internen Netzen der Behörde, nicht aus einem echten Einbruch.
- Anthropic führt die tatsächliche Abschaltung auf einen engen Jailbreak und eine US‑Exportkontroll‑Anordnung zurück, nicht auf den Test.
Mythos-NSA-Einbruchsbehauptung geht viral
Die Aussage stammt von Senator Mark Warner, der sie von General Joshua Rudd übernahm, dem Offizier, der nun gemeinsam die NSA und das U.S. Cyber Command leitet. Ein viel beachtetes Policy‑Briefing hat die Bemerkung erstmals am 14. Juni berichtet, wo sie weitgehend unbemerkt blieb, bis ein KI‑Kommentator und ein Prediction‑Market‑Account sie am Wochenende verstärkten. Innerhalb weniger Stunden trendete der Name Mythos.
Die Darstellung online war drastisch: ein realer Hack der Staatsgeheimnisse.
Der vollständige Kontext ist enger. Warner brachte das Beispiel, während er Anthropic lobte, nicht angriff, und nutzte den Moment, um verpflichtende Pre‑Release‑Tests für Frontier‑Modelle zu fordern, statt auf den guten Willen eines einzelnen Labors zu vertrauen. Der von ihm geschilderte Einbruch spielte sich innerhalb einer autorisierten Red‑Team‑Übung in den Netzen der Behörde ab – eine kontrollierte Übung, wie sie Sicherheitsteams durchführen, um Schwachstellen aufzudecken, bevor es Gegner tun.
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Krypto-Manager hinterfragen die Hack-Story
BitGo‑Chef Mike Belshe hat die Geschichte so gut wie sofort bestritten, als sie sich verbreitete, und sie in einer Antwort, die in der Krypto‑Branche große Beachtung fand, rundweg als falsch bezeichnet. Mehrere Analysten legten nach und machten sich darüber lustig, wie eine beiläufige Bemerkung eines Senators von einer nicht‑öffentlichen Anhörung in virale Posts gewandert war; einer merkte an, dass nie eine offizielle NSA‑Stellungnahme irgendetwas davon bestätigt habe.
Kritiker hoben auch den zeitlichen Ablauf hervor. Anthropic führt die eigentliche Abschaltung auf einen engen Jailbreak zurück, den Amazon meldete, sowie auf eine US‑Exportkontroll‑Anordnung, die die Modelle am 12. Juni vom Netz nahm. Das Unternehmen sagt, diese Schwachstelle habe das Modell lediglich dazu gebracht, einen Code‑Basissatz zu lesen und ein paar kleinere, bereits bekannte Bugs aufzuzeigen, die konkurrierende Systeme wie OpenAIs GPT‑5.5 ebenso leicht finden können.
Mythos-Abschaltung und Exportstreit
In der Wochenend‑Aufregung ging eine grundlegende Tatsache zum Thema Zugriff unter: Die US‑Regierung hatte Mythos bereits seit Wochen im Einsatz.
Anthropic hatte das Modell seit April im Rahmen von Project Glasswing für staatliche Cyber‑Verteidiger bereitgestellt – ein geschlossenes Programm mit rund 200 geprüften Partnern, darunter Amazon, Apple, Google, Microsoft, JPMorgan und die Linux Foundation.
Der Konflikt schwelt den ganzen Monat. Nachdem die Anordnung vom 12. Juni Mythos und Fable vom Netz zwang, haben mehr als 100 Cybersicherheits‑Führungskräfte eine Lockerung gefordert. Sie warnen, dass die Beschränkungen US‑Konkurrenten begünstigen, deren eigene Modelle nur wenige Monate zurückliegen. Der Zugriff bleibt eingefroren, während das Labor und das Weiße Haus gemeinsam einen Risikorahmen ausarbeiten.
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