OpenAI meldet 10.000 KI-Agenten für Navier-Stokes-Lösung – Mathematiker stellen Beweis in Frage

Greg Brockman's AGI claim for OpenAI's GPT-6 Astra lands with no regulator approval on either side of the Atlantic. (Image: Shutterstock)
Greg Brockman's AGI claim for OpenAI's GPT-6 Astra lands with no regulator approval on either side of the Atlantic. (Image: Shutterstock)

OpenAI erklärte am 8. September, ein internes Modell habe mit rund 10.000 Agenten das Navier‑Stokes-Problem gelöst – ein Anspruch, den zwei Mathematiker entschieden bestreiten.

Wichtigste Punkte:

  • Ein bislang unveröffentlichtes OpenAI-System lieferte einen schriftlichen Beweis sowie eine in Lean formalisierte Version zu einem der sieben Millennium-Probleme.
  • Tristan Buckmaster und Levent Alpöge, die einen eng verwandten Befund einen Tag zuvor publiziert hatten, zweifeln an, wie OpenAI auf denselben Ansatz kam.
  • Terence Tao kritisiert, große KI-Labore würden berühmte offene Probleme vor allem für PR-Zwecke ausschlachten statt für echten mathematischen Erkenntnisgewinn.

Details zum angeblichen OpenAI-Navier‑Stokes-Beweis

Das Unternehmen veröffentlichte eine technische Notiz und eine in Lean geprüfte Formalisierung mit der Behauptung, dass eine zunächst glatte, ruhende Flüssigkeit in endlicher Zeit eine Singularität ausbilden kann. Forscher beschrieben das interne System als deutlich leistungsfähiger als GPT‑6 Astra und betonten, das Modell werde weiter trainiert, seine Performance steige noch an.

Mathematiker verfolgen diese Fragestellung seit rund 90 Jahren, seit Jean Leray 1934 zeigte, dass Lösungen in einem abgeschwächten, verallgemeinerten Sinn existieren.

OpenAI begann am 28. August mit dem Training des Modells und setzte es ab dem 1. September auf sämtliche offenen Millennium-Probleme an – vor dem Hintergrund von Gerüchten, zwei dieser Probleme seien bereits gelöst worden. Führungskräfte berichteten gegenüber Journalisten, dass die Rechenkosten in die Millionen US-Dollar gingen.

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Buckmaster und Bubeck im Streit um Anerkennung

Tristan Buckmaster, Mathematiker an der New York University, und Levent Alpöge, Forscher bei Anthropic in privater Funktion, hatten fast ein Jahr an verwandten Gleichungen der Fluiddynamik gearbeitet. Aufbauend auf früheren Ergebnissen von Diego Cordoba und Luis Martinez-Zoroa veröffentlichten sie Lean-verifizierte Beweise für das erzwungene Euler-Problem – einen Tag bevor OpenAI mit seinem Navier‑Stokes-Resultat an die Öffentlichkeit ging.

Buckmaster fragte anschließend, ob seine vertraulichen Entwürfe in Codex die Konkurrenzarbeit beeinflusst hätten, und erklärte, er habe von OpenAI keine klare Auskunft zur Nutzung im Training erhalten.

Zudem wirft er OpenAI-Forscher Sebastien Bubeck vor, Alpöge wegen dessen Arbeit­geber aus einem Paper gedrängt und ihn zugleich gewarnt zu haben, mit seinen Vorwürfen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Bubeck wies diese Darstellung als falsch und diffamierend zurück.

OpenAI erklärte, weder seine Forscher noch die eingesetzten Agenten hätten die Arbeiten von Buckmaster und Alpöge vor deren Veröffentlichung gesehen. Gleichzeitig räumte das Unternehmen ein, dass anonymisierte Nutzungsdaten generell zur Verbesserung der Modelle beitragen könnten. OpenAI plane nicht, das mit dem Problem verbundene Preisgeld von 1 Million US-Dollar zu beanspruchen. Das Clay Mathematics Institute, das die sieben Millennium-Probleme im Jahr 2000 auslobte, führt Navier‑Stokes weiterhin als ungelöst.

Terence Tao stellt KI-Mathematik in Frage

Terence Tao, vielfach als einer der bedeutendsten lebenden Mathematiker bezeichnet, warnte, KI-Unternehmen würden prominente offene Probleme primär als Marketing-Vehikel für ihre neuesten Systeme nutzen.

Er argumentiert, das bloße „Abernten“ dieser Probleme nach fertigen Antworten könne das Ökosystem zerstören, aus dem neue Methoden, neue Fragestellungen und die nächste Generation aktiver Mathematiker hervorgehen. Tao verglich das Vorgehen mit der Plünderung einer archäologischen Ausgrabungsstätte.

Der Umfang des OpenAI-Experiments skalierte schnell hoch: Rund 100 Agenten lösten zunächst eine einfachere, nicht erzwungene Euler-Variante innerhalb von etwa 50 Stunden. Das für Navier‑Stokes zuständige Agenten-Cluster meldete dann am 5. September einen Beweis, rund 88 Stunden nach dem Start. Die anschließende Lean-Verifikation des Beweises dauerte weitere 17 Stunden.

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Alexey Bondarev

Alexey Bondarev ist Head of Content bei Yellow.com und berichtet seit 10 Jahren über Krypto. Er ist auf tiefgehende Research- und Learn-Artikel spezialisiert, mit Schwerpunkt auf analytischer Berichterstattung, Branchenkontext und den größeren Kräften, die den Kryptomarkt prägen – von der KI-Ära und Sicherheitstechnologien bis hin zu Innovationen im Fintech-Bereich. Er ist überzeugt, dass alles Digitale in naher Zukunft alles Analoge überholen wird, und arbeitet intensiv daran, dies Wirklichkeit werden zu lassen.

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