OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar hat Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern signalisiert, dass das KI-Unternehmen spätestens 2027 an die Börse gehen will – oder früher, falls sich das Wachstum weiter beschleunigt.
Wichtigste Punkte:
- Friar gab intern den bislang klarsten Zeithorizont für einen Börsengang und bezeichnete das IPO als Meilenstein, nicht als Endziel.
- Sie riet der Belegschaft, gelassen zu bleiben, falls Anthropic seinen vertraulichen Börsenprospekt früher lüftet und bereits im September gelistet wird.
- Anthropic hat OpenAI im zweiten Quartal beim Umsatz deutlich übertroffen; der hochgerechnete Jahresumsatz liegt inzwischen klar vorn.
OpenAI-IPO-Zeitplan zielt jetzt auf 2027
Friar machte die Angaben bei einem unternehmensweiten All-Hands-Meeting am Mittwoch. Zwei anwesende Personen haben ihre Aussagen anschließend wiedergegeben. Sie stellte den Börsengang als Finanzierungsschritt dar, nicht als Endstation, und verwies auf die 122 Milliarden US‑Dollar, die OpenAI im März eingesammelt hat, als Grundlage für diese Flexibilität. OpenAI hat am 8. Juni eine vertrauliche S‑1-Registrierung bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, eine Woche nachdem der Rivalenanbieter denselben Schritt gegangen war. Öffentlich wurde bisher kein Zieldatum genannt.
„Der Börsengang ist kein Zielband, sondern ein Meilenstein“, sagte sie laut zwei mit der Sitzung vertrauten Personen, die nicht autorisiert sind, öffentlich zu sprechen, den Beschäftigten bei dem Treffen und spielte damit die Bedeutung des IPO herunter. Das Unternehmen wird nach der jüngsten Finanzierungsrunde mit 852 Milliarden US‑Dollar bewertet – eine Zahl, die zunehmend kritisch hinterfragt wird, seit der engste Wettbewerber schneller wächst und sparsamer wirtschaftet.
Keines der beiden Unternehmen hat bislang ein konkretes Listing-Datum festgelegt.
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Anthropic zieht beim Umsatz deutlich davon
Wettbewerber Anthropic war mit seinem vertraulichen Börsenprospekt schneller – und liegt inzwischen auch bei den Finanzkennzahlen vorn. Vorläufige Umsatzzahlen für das zweite Quartal schossen auf über 11,5 Milliarden US‑Dollar, nach 787 Millionen im Vorjahresquartal und 4,73 Milliarden im ersten Quartal. OpenAI kam im selben Dreimonatszeitraum auf 6,7 Milliarden US‑Dollar.
Gleichzeitig soll sich der operative Quartalsverlust von OpenAI auf 12,3 Milliarden US‑Dollar ausgeweitet haben – nach 9,3 Milliarden zuvor.
Anthropics annualisierte Erlösrate stieg Ende Juli auf 65 Milliarden US‑Dollar, gegenüber mehr als 40 Milliarden bei OpenAI, wobei beide Unternehmen diese Kennzahl womöglich unterschiedlich berechnen. Investoren rechnen bei Anthropic mit einer Börsenbewertung von nahe 2 Billionen US‑Dollar. Gavin Baker von Atreides Management betonte, Anthropic sei „deutlich token-effizienter als OpenAI“ gewesen – der Vorsprung schrumpfe jedoch.
Management-Fluktuation wirft Schatten auf OpenAI-Listing
Friar forderte die Belegschaft auf, sich nicht zu verunsichern zu lassen, falls Anthropic sein Prospekt in den kommenden Wochen offenlegt und bereits im September an den Markt geht. „Wir laufen unser eigenes Rennen“, sagte sie. Ihren Folien zufolge liegt die annualisierte Umsatzrate von OpenAI im Quartal bislang um 35 % höher, die Unternehmenskunden-Umsätze um 50 %, und die Programmier- und Produktivitätsangebote kommen auf 20 Millionen wöchentliche Nutzer.
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