OpenAI führt frühe Gespräche mit Investoren über eine neue Finanzierungsrunde, die den Hersteller von ChatGPT vor seinem geplanten Börsendebüt mit mehr als 1,2 Billionen US‑Dollar bewerten würde.
Wichtigste Punkte:
- OpenAI verhandelt auf Investoreninitiative über eine Runde mit einer Bewertung von über 1,2 Billionen Dollar.
- Das Geschäft würde OpenAI wieder vor Anthropic katapultieren, das im Mai mit 965 Milliarden Dollar bewertet wurde.
- CEO Sam Altman erklärte zuletzt, OpenAI werde 2026 nicht an die Börse gehen.
OpenAI verhandelt über neue Finanzierung
Das KI-Unternehmen hat laut Medienberichten erste Sondierungsgespräche mit großen Geldgebern geführt – und diese Gespräche wurden nicht von OpenAI, sondern von den Investoren angestoßen, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte. Ob die Runde zustande kommt, hänge maßgeblich vom Zeitpunkt des Börsengangs ab, ergänzte die Person, die anonym bleiben wollte.
Frisches Kapital könnte es OpenAI ermöglichen, den Börsengang um ein bis zwei weitere Quartale zu verschieben, so eine zweite Person aus dem Umfeld der Gespräche. Zudem ließe sich damit der Deal‑Hunger des Konzerns finanzieren: OpenAI hat bereits Milliarden in Start‑ups wie Jony Ive’s KI‑Gerätehersteller io und Astral gesteckt, einen Anbieter von Python‑Tools für Entwickler. Parallel prüft OpenAI, welchen rechtlichen Beschränkungen es bei der Weitergabe von Informationen an private Investoren vor einem IPO unterliegt.
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Bewertungsduell mit Anthropic
Eine Finanzierungsrunde dieser Größenordnung würde OpenAI wieder vor den wichtigsten Rivalen Anthropic setzen. Anthropic hatte sich im Mai mit einer Kapitalspritze zu einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar nach oben gearbeitet und OpenAI damit vorübergehend überholt. Das Unternehmen bereitet nun seinen eigenen Börsengang vor, hat sich laut früheren Berichten für eine Notierung an der Nasdaq entschieden, die bereits im Oktober erfolgen könnte.
OpenAI hatte zuletzt im März Kapital aufgenommen: 122 Milliarden Dollar zu einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar, unter anderem von Amazon, Nvidia und SoftBank. Die anvisierte neue Bewertung entspräche einem Sprung von rund 40 Prozent binnen etwa eines halben Jahres. Langjährige Investoren sollen dem Vernehmen nach die Chance erhalten, ihr Engagement noch vor dem Börsengang aufzustocken.
Eine Quelle verwies darauf, dass OpenAI trotz der beeindruckenden Bewertung auf frisches Kapital angewiesen sei – allein im vergangenen Jahr sollen sich die Ausgaben, inklusive der enormen Kosten für das Training der Modelle, auf 34 Milliarden Dollar summiert haben. Das Unternehmen betont hingegen, ausreichend Mittel zur Verfügung zu haben. Der annualisierte Umsatz habe im August nach dem Start von GPT‑5.6 die Marke von 40 Milliarden Dollar überschritten, was einem Plus von 20 Prozent entspreche.
Sam Altman bremst IPO-Pläne
Die Gespräche über eine neue Finanzierungsrunde fallen zeitlich mit einem Kurswechsel an der Spitze zusammen: Vorstandschef Sam Altman hat einen Börsengang in diesem Jahr wenige Tage zuvor ausgeschlossen – obwohl OpenAI im Juni vertraulich einen IPO‑Antrag eingereicht hat und bislang keinen Zieltermin genannt hat.
In einem am 12. September veröffentlichten Interview sagte Altman einem Redakteur, angesichts der aktuellen Debatte über Sicherheitsrisiken sei dies ein „sehr unglücklicher Zeitpunkt für den Gang an die Börse“.
Der Börsenstart werde 2026 nicht stattfinden, betonte Altman, und OpenAI verspüre keinen Druck, die Notierung zu forcieren. Seine Aussagen folgten auf den Rücktritt einer KI‑Forscherin, die sowohl bei OpenAI als auch bei Anthropic gearbeitet hatte und sich aus Sicherheitsbedenken zurückzog – ein Schritt, der die Forderungen nach einer Verlangsamung des Wettlaufs in der Branche erneut anfachte.
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