OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar sagte am Mittwoch vor Mitarbeitenden, dass der im Juli erzielte, auf Jahresbasis hochgerechnete wiederkehrende Umsatz den gesamten Wert des zweiten Quartals übertroffen habe – während das Unternehmen eine Bewertung von 852 Milliarden Dollar verteidigt.
Die wichtigsten Punkte:
- OpenAIs CFO erklärte, der annualisierte wiederkehrende Umsatz (ARR) im Juli habe den gesamten Wert des zweiten Quartals übertroffen, ohne konkrete Dollarangaben.
- Das Management führt die Dynamik auf die Modellreihe GPT-5.6, den Enterprise-Agenten ChatGPT Work sowie die zunehmende Nutzung von Codex zurück.
- Die Aussagen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Anthropic auf eine Umsatz-Run-Rate von 47 Milliarden Dollar kommt – bei einer höheren Bewertung als OpenAI.
Friar skizziert OpenAIs Umsatzdynamik
Friar sprach auf einer internen All-Hands-Konferenz gemeinsam mit Verwaltungsratschef Bret Taylor. Beide nutzten den Termin, um die Belegschaft zu beruhigen: Das Geschäft sei trotz einer zunehmend dichten Wettbewerbslandschaft robust. Sie fügte hinzu, dass bereits das zweite Quartal „keineswegs schwach“ ausgefallen sei. Weder für den Juli noch für das zweite Quartal oder die aktuelle annualisierte Run-Rate nannten die beiden absolute Zahlen. OpenAI veröffentlicht seine Geschäftszahlen ohnehin nicht.
Taylor und Friar führten die Beschleunigung vor allem auf drei Säulen zurück: die Modellserie GPT-5.6, den neuen Unternehmensagenten ChatGPT Work und die breitere Nutzung des Entwicklerwerkzeugs Codex. Alle drei Produkte wurden im laufenden Monat eingeführt oder deutlich ausgebaut.
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Anthropic und Kimi K3 erhöhen den Druck auf OpenAI
Anthropic hat 2026 bislang weitgehend den Takt vorgegeben – ausgerechnet in jenem Coding-Segment, das Taylor intern besonders hervorhob.
Der Rivale legte im Mai offen, dass seine Umsatz-Run-Rate auf 47 Milliarden Dollar gestiegen ist – nach rund 10 Milliarden Dollar im gesamten Jahr 2025. Ein Großteil des Sprungs geht demnach auf das Programmierwerkzeug Claude Code zurück. In derselben Woche kletterte die Unternehmensbewertung von Anthropic über die von OpenAI.
Taylor räumte diese Lücke im Coding-Geschäft relativ unumwunden ein. Anthropic sei stark ins Jahr gestartet, sagte er. Entwicklerinnen und Entwickler, die Claude Code intensiv einsetzten, hätten allerdings hohe Rechnungen angesammelt und sich daraufhin nach günstigeren Alternativen umgesehen.
Chinas Moonshot AI verstärkte den Druck im Juli mit Kimi K3, einem Modell, das nach Angaben des Unternehmens bei einzelnen Benchmarks leistungsstärkere US-Systeme übertrifft. Günstigere Open-Weight-Modelle chinesischer Anbieter sowie der Wettbewerb durch Google reihen sich damit neben Anthropic in die Liste der Bedrohungen für OpenAIs Wachstum im lukrativen Unternehmenskundengeschäft ein. Aus der internen Sitzung drang keine absolut bezifferte Umsatzzahl nach außen, was die externe Einordnung erschwert.
OpenAIs Ausgaben und die IPO-Perspektive
Dass ein einzelner Monat so stark im Fokus steht, hängt mit der Ausgabenseite zusammen. OpenAI verhandelt derzeit mit Nvidia über eine Finanzierungslinie von bis zu 250 Milliarden Dollar. Die Mittel sollen es ermöglichen, einen Rechenzentrums-Campus mit einer Leistung von 10 Gigawatt im Süden Ohios anzumieten.
Die Juli-Aussage bildet den vorläufigen Höhepunkt eines Jahres, in dem OpenAI vor allem ausgewählte Meilensteine kommuniziert, aber keine vollständige Gewinn-und-Verlust-Rechnung vorlegt. Ein Bericht aus dem März verortete den annualisierten Umsatz bei über 25 Milliarden Dollar; seither sind in vier Monaten keine neuen Referenzwerte veröffentlicht worden.
Sowohl OpenAI als auch Anthropic haben im Juni vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Einen konkreten Termin für das IPO hat bislang keines der Unternehmen genannt.
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