OpenAIs 100-Milliarden-Dollar-ChatGPT-Werbeplan trifft auf die kalte Realität der Cannes Lions

OpenAIs 100-Milliarden-Dollar-ChatGPT-Werbeplan trifft auf die kalte Realität der Cannes Lions

OpenAI hat diese Woche beim Cannes-Lions-Festival Top-Marketer für ChatGPT-Werbung gewonnen und dabei ein Umsatzziel von 100 Milliarden US-Dollar verteidigt, während sich ein Börsengang mit einer Bewertung von 1 Billion US-Dollar abzeichnet.

Zentrale Punkte:

  • OpenAI nutzte seinen ersten Auftritt bei den Cannes Lions, um Marken und Agenturen ChatGPT-Anzeigen zu präsentieren.
  • Demnach könnte das Werbegeschäft bis 2030 jährlich 100 Milliarden US-Dollar erreichen, etwa die Hälfte der Werbeerlöse von Meta.
  • Eine Forscherin kündigte, und führende Media-Einkäufer reagierten skeptisch, weil sie nicht glauben, dass die notwendigen Targeting-Tools schon existieren.

ChatGPT-Werbung erreicht Cannes

OpenAI trat diese Woche erstmals beim Cannes-Lions-Festival auf, wo der globale Werbechef des Unternehmens pitchte, den Chatbot als neuen Kanal für Markenbudgets zu nutzen.

Dave Dugan, ein früherer Meta-Manager, der nun die Werbesparte leitet, sagte, das Unternehmen sei fest entschlossen, Werbung zu einer zentralen Erlösquelle auszubauen. Besonders stark sei die frühe Nachfrage aus den Bereichen Reisen, Handel, Gesundheit, Beauty und Finanzdienstleistungen, erklärte er gegenüber Journalist:innen auf dem Festival.

Rund 20 % der ChatGPT-Anfragen tragen laut Dugan eine direkte kommerzielle Absicht; diesen Anteil stellte er als Grundlage des Pitches dar. Dem Unternehmen zufolge könnte das Werbegeschäft bis 2030 jährlich 100 Milliarden US-Dollar erreichen, was etwa der Hälfte der derzeitigen jährlichen Werbeeinnahmen von Meta entspräche.

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Hitzig kündigt wegen Werbung

Führende Werbeverantwortliche in Cannes stellten die Prognose infrage; mehrere argumentierten, OpenAI brauche schärferes Targeting und bessere Messmethoden, bevor es Google im Suchanzeigenmarkt ernsthaft herausfordern könne. Ihre Zweifel spiegelten stärkere Reaktionen aus dem Frühjahr wider, als Verbraucher:innen sich über App-Vorschläge beschwerten, die wie unerwünschte Werbung wirkten. Am heftigsten reagierten zahlende Abonnent:innen, die darauf beharrten, dass eine Monatsgebühr ein sauberes, werbefreies Produkt garantieren sollte.

Widerstand kam auch aus dem Unternehmen selbst. Die Forscherin Zoë Hitzig kündigte, als die Werbetests begannen, und warnte, OpenAI verfüge über den detailliertesten Datensatz privater Gedanken, der je erstellt wurde – und darauf aufbauende Werbung könnte Nutzer:innen unbemerkt manipulieren.

OpenAIs Billionen-Test

Anthropic nutzte die Kontroverse schnell und schaltete Super-Bowl-Spots, die unbeholfene Chatbot-Werbung verspotteten und den eigenen Assistenten Claude als saubere Alternative inszenierten. Vorstandschef Sam Altman schoss gegen die Kampagne zurück und bezeichnete den Rivalen als teures Produkt für reiche Leute. Der öffentliche Schlagabtausch machte deutlich, wie heikel die Frage von Werbung in KI-Chats inzwischen geworden ist.

Die Werbeoffensive fällt in eine Phase, in der sich OpenAI auf den Börsengang vorbereitet; das Unternehmen hat vertraulich einen Antrag eingereicht, ohne dass ein genauer Zeitplan feststeht. Banker bewerten OpenAI mit über 1 Billion US-Dollar – ein Wert, der maßgeblich auf dem Potenzial neuer Erlöse jenseits von Abos beruht.

OpenAI schaltete im Februar erstmals Anzeigen und zeigte sie zunächst Gratis- und Go-Nutzer:innen in den USA, bevor der Test auf sieben Märkte ausgeweitet wurde. Mittlerweile hat das Unternehmen einen Self-Service-Werbemanager und Conversion-Tracking eingeführt und bewegt sich damit von betreuten Platzierungen hin zu direktem Einkauf. Im vergangenen Jahr gab OpenAI 34 Milliarden US-Dollar aus und blieb defizitär; die Kosten lagen deutlich über den Erlösen.

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